Von Ida Kretzschmar

Im Spreewald gibt es die fünfte Jahreszeit. Stefan Beuse ist der lebende Beweis, wenn es überhaupt eines Beweises dafür bedarf. Normalerweise gibt es vier Literatur­stipendiaten, die in den einzelnen Jahreszeiten im Burger Hotel Bleiche Inspiration und Kraft schöpfen. Der Hamburger Autor ist der fünfte. Sein „Buch der Wunder“ hat das möglich gemacht. Im Winterlesequartier der Bleiche blättert er es am Mittwoch auf.

Ein Buch, da sind sich die Kritiker einig, das eine magische Welt eröffnet. „An einem magischen Ort“, den er gerade zu entdecken beginnt, gesteht Stefan Beuse. Im Mittelpunkt seines Romans steht ein Geschwisterpaar. Während Penny an Wunder glaubt, ist Tom wissenschaftsgläubig. Was ihrer Verbundenheit nichts anhaben kann. Denn auch die Wissenschaft zeigt in der Grenzenlosigkeit des Noch-nicht-Entdeckten eine Magie, die zu wunderbaren Einfällen verleitet. Und auch bei Zuhörern manche Verblüffung hinterlässt: Wie wird Lebertran zu einem Löffel aus Licht? Wie kann es sein, dass Bienen ganz andere Farben sehen als Menschen? Wie muss man sich die Augen des Mädchens vorstellen: wie Smaragde oder geschmolzenes Flaschengrün? Während der Junge auf Wahrheitssuche ist, glaubt es daran, die Frequenz der Welt ändern zu können, was ihr, so schickt der Autor voraus, im Laufe des Buches auch gelingt, wobei Seltsames geschieht und sogar einige über die Klinge springen.Tom dagegen will die Welt erklären und landet beim Pudding als perfekte Symbiose von Tradition und Moderne, Kopf und Bauch, Yin und Yang, Adam und Eva... Viel mehr will der Autor, der bereits zahlreiche Preise vorweisen kann, noch nicht verraten.

Stattdessen antwortet er auf Fragen, schleudert durchs All und landet fast unmerklich bei einem kleinen Buch, das er fast zehnmal so oft verkauft hat wie alle Romane vorher. „Acht Jahre habe ich am ,Buch der Wunder’ geschrieben, für dieses philosophische Abenteuer zum Staunen habe ich gerade einen Monat gebraucht, wundert er sich über die Resonanz auf dieses kleine Buch, das, so hofft der Hanser-Verlag verwegen, als ein moderner „Kleiner Prinz“ die Herzen erreichen kann.

Illustriert von Sophie Greve landet „Die Ziege auf dem Mond“. Sie ist dort vollkommen allein und eigentlich ganz zufrieden, obwohl sie vielleicht das letzte Wesen einer Welt ist, die es nicht mehr gibt, erzählt ihr Erfinder. Es ist das Glück des Augenblicks, das beschrieben wird in diesem Buch, das nicht nur Kindern gefällt, obwohl ihnen ganz besonders.

„Auch Schulklassen lieben es sehr“, freut sich Beuse, selbst Kinder, die kaum deutsch sprechen, verstehen, dass es eigentlich ein Buch über Einsamkeit ist. Philosophische Themen auf leichte Art näherzubringen – das soll weitergeführt werden. Als kleine philosophische Enzyklopädie: Philosophische Fabeln schwirren ihm schon im Kopf herum. „Kinder werden oft kolossal unterschätzt. Sie sind viel weiser, großer Gedanken fähiger, als Erwachsene sich das oft vorstellen. Es bedarf nicht viel Gerede, um das aufzuschlüsseln“, antwortet er auf eine Nachfrage: „Knapper, präziser ist es nicht zu vermitteln als in einfachen Bildern.“