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| 17:14 Uhr

Neue Ausstellung
Paul Meuro und sein „Tiefseetaumler“

 Eine Besucherin vor dem Werk Martin Peitzbergs aus dem 1991 „O.T“.
Eine Besucherin vor dem Werk Martin Peitzbergs aus dem 1991 „O.T“. FOTO: Jürgen Weser
Senftenberg. Postume Würdigung des Malers und Grafikers Martin Peitzberg in der Kunstsammlung Lausitz Senftenberg. Von Jürgen Weser

60 Arbeiten des 2012 verstorbenen Senftenberger Malers und Grafikers Martin Peitzberg, der sich nach seinem Geburtsort auch gern Paul Meuro nannte, zeigt die Kunstsammlung Lausitz anlässlich seines 70. Geburtstages in diesem Jahr im Senftenberger Schloss bis zum 24. März.

Als späte Ehrung eines der interessantesten und vielseitigsten Künstler der Region bezeichnete Kurator und Malerfreund Bernd Gork die Ausstellung zur Vernissage. Die gezeigten Arbeiten von Martin Peitzberg alias Paul Meuro belegen eindrucksvoll die Aussagen „interessant“ und „vielseitig“. Beim ersten Gang entlang der Bilder und Objekte kann sich der Betrachter nicht entscheiden. Sehe ich mir die realistischen Aquarelle, zum Beispiel Landschaftsdarstellungen der Region, zuerst an? Sind es die Aquarelle mit den eingefügten Kugelschreiberzeichnungen, die einen surrealistischen Eindruck vermitteln? Sind es die reinen Zeichnungen und Druckgrafiken oder die Beispiele für seine fantasievollen Objekte aus Hinterlassenschaften der Bergbauregion?

Egal wofür sich der jeweilige Betrachter entscheidet, er erlebt einen nicht auf einen bestimmten Stil und eine Form festlegbaren Künstler. Marin Peitzberg war experimentierfreudig und vielschichtig in seinen Ausdrucksweisen, aber trotz surrealistischer und abstrakter Elemente immer deutbar, ablesbar und verständlich mit seinen Sujets, wenn auch verschieden deutbar. Dafür stehen vor allem die von ihm bevorzugten Aquarelle in Kombination mit Kugelschreiberzeichnungen und reingetropften Farbnuancen oder gefrorene Wassertropfen und Streifen.

Da ist zum Beispiel ,,Dresden Februar 1945“ von 1985, das hinter der Zerstörung die unzerstörbare Schönheit der Stadt ahnen lässt. Auf seine Weise politisch zeigt sich Peitzberg mit der Aquarell-Zeichnung Kombination „Falkland-Konflikt“ von 1981/82 in bizarrer Gestaltung. Trotz aller Unterschiedlichkeit in der Wirkung kann sich der Betrachter weder dem 1990 aquarellierten „Park Bad Muskau“ in impressionistischer Manier entziehen wie auch nicht dem angriffslustigen „Kamikaze Rotfeuerfisch“ als Aquarell-Kohlearbeit. Martin Peitzberg konnte aber auch ganz direkt: so mit der Aquatintaradierung „Tagebaumonster“ von 1987.

Ironie und skurrile Verweise auf Zeiterscheinungen sind typisch für Peitzberg. „Verrückte Zeit, verrückte Leute“ nennt er 1969 die Zeichnung eines jungen Mannes, der dem Wunschbild sozialistischer Jugendlicher gar nicht entsprach.

Dem Wunschbild entsprach Martin Peitzberg als Mensch und Künstler wohl auch nicht. Konnte er während seiner NVA-Dienstzeit seine künstlerischen Fähigkeiten noch ausprobieren und entwickeln, so verwehrte man dem gelernten Schlosser anschließend das angestrebte Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Das lag nicht am mangelnden Talent, das wies er als einer der aussagestärksten Amateurkünstler später bei zahlreichen Ausstellungen in der DDR und in verschiedenen Ländern nach.

Immerhin konnte er, der als Individualist immer wieder aneckte, Ende der 70er-Jahre ein Abendstudium an der Hochschule Bildender Künstler in Dresden absolvieren.

„Tiefseetaumler“ heißt eine Specksteinarbeit von 1990 von ihm. Synonym auch für Peitzberg alias Meuro. War er bis zur Wende als Werbegrafiker tätig, so verlor er danach seinen Arbeitsplatz und schlug sich mit verschiedenen Tätigkeiten wie Gartenbau durch. Er blieb der Individualist. Auch als korrespondierendes Mitglied der Ateliergemeinschaft „Der Hof“ in Senftenberg. „Seine genialen Aquarelle und Kugelschreiberzeichnungen, oft als Kombination, waren sehr gefragt“, erinnert sich Bernd Gork und auch an die Episode, wie mit zahlreichen dieser Arbeiten nach Österreich gefahren und zurück mit reichlich Wein gekommen wurde.

Im November 2011 konnte Martin Peitzberg im Industriepark Lauta seine letzte Einzelausstellung eröffnen, schon im März 2012 riss ihn eine schwere Erkrankung aus dem Leben. Die Ausstellung im Schloss Senftenberg ist eine Entdeckungsreise wert und vielleicht führt sie dazu, auf viele weitere Arbeiten zu stoßen, die in ganz unterschiedlichem privaten Besitz sind, wie Bernd Gork vermutet.