Und auch musikalisch wird den auf Nico-Klänge geeichten Ohren einiges abverlangt. Violine, Cello, Klavier, E-Gitarre und Stimmlagen von Sopran über Mezzosopran bis Countertenor haben nur wenig mit den 60er Jahren gemein.
Die Sächsische Staatsoper Dresden hat dem Popstar nun ein Denkmal gesetzt. Am Donnerstagabend wurde die Uraufführung (Text: Werner Fritsch) in der "kleinen Szene" der Oper mit viel Beifall bedacht. Für Nico-Darstellerin Sabine Brohm (Sopran) gab es am Ende Bravo-Rufe. Musikalisch ließ die Aufführung unter Leitung des Komponisten kaum Wünsche offen. Und auch die Regie von Nina Gühlstorff (Bühnenbild und Kostüme: Volker Thiele) sorgte für einen kurzweiligen Opernabend. Schlag auf Schlag wurden auf engstem Raum Stationen aus dem Leben von Nico beleuchtet.
Nico hieß eigentlich Christa Päffgen und stammte aus Köln. Ihre Kindheit verbrachte sie in Lübbenau im Spreewald. Mit 17 begann sie eine Karriere als Model und arbeitete unter anderem für Coco Chanel. Den Namen Nico gab ihr ein Fotograf. Filmregisseur Fede rico Fellini ließ sie in seinem Klassiker "La Dolce Vita" mitspielen. Später landete sie in New York im Kreis um Andy Warhol. Musiker wie Bob Dylan oder Leonard Cohen widmeten der schönen Deutschen Songs. Jim Morrison (The Doors) wurde ihre große Liebe. Drogen begleiteten ihren Abstieg.
Werner Fritsch erzählt Nicos Geschichte rückwärts. Am 18. Juli 1988 starb die Künstlerin auf der Insel Ibiza an den Folgen eines Gehirnschlags. Ursprünglich war die "Sphinx aus Eis" ein Monolog für die Schauspielbühne. Für die Oper wurden nun drei Götter eingefügt, die Nicos Leben bestimmten. Aphrodite steht für ihre Schönheit und ist zugleich die Allegorie für die junge Künstlerin. Dionysos hat in Person des Doors-Sängers Morrison Rausch und Extase zu verkörpern, Persephone als Göttin der Unterwelt das selbstzerstörerische Leben der reifen Nico.
Für Meyers gehört Nico zur "Schattenseite der Popkultur". "Nico war immer dabei, war nah an den Quellen dran und ist doch irgendwie in Vergessenheit geraten." Dass sie als Kriegskind ihren eigenen Weg ging, bewundert der Komponist. Gühlstorff fasziniert Nicos Wandel vom Model zur Sängerin. "Sie wollte vom Objekt zum Subjekt werden." Mit ihrer "planvollen Zerstörung" stelle sie die dunkle Seite der Glamour-Welt dar. Songs und Instrumentalstücke lassen das Leben Nicos wie im Rausch vorbeiziehen. Musikalisch sind Anleihen aus der Minimal Music und sogar aus der Barockoper erkennbar. Nico selbst ist kurz per Tonband präsent: "Jim Morrison - he was my soul brother", sagt sie über ihren Seelenbruder.
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