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Plakate, in denen es um die Welt geht

Kuratorin Barbara Martin bei der Auswahl der Plakate im Kunstmuseum Dieselkraftwerk. Foto: Michael Helbig/mih1
Kuratorin Barbara Martin bei der Auswahl der Plakate im Kunstmuseum Dieselkraftwerk. Foto: Michael Helbig/mih1 FOTO: Michael Helbig/mih1
„Es geht um die Welt“ ist der Titel einer internationalen Plakatausstellung, die am Sonntag um 11 Uhr im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk öffnet. Die etwa 130 Arbeiten widmen sich dem Thema Natur und Umwelt. Kuratorin Barbara Martin hat sie ausgewählt.

Die Ausstellung heißt "Es geht um die Welt" - geht es wirklich um die Welt?

Sie spielen auf den Doppelsinn des Titels an, der sich in der Ausstellung auch erfüllt. Es geht um die Welt - um unsere Umwelt. Und dieses Umweltthema ist eins, das um die Welt geht, also alle betrifft. Deshalb habe ich auch versucht, für diese Ausstellung Plakate aus aller Welt nach Cottbus zu holen.

Welche der Plakate haben den weitesten Weg hinter sich?

Auf den Kilometer ist das schwer zu sagen, aber es sind Arbeiten aus Japan, China, Mexiko, Armenien, Israel, Russland, Spanien, den USA dabei. Aber natürlich auch welche, die keinen so weiten Weg hatten - aus Finnland, Frankreich, der Schweiz, Polen, Slowakei, Dänemark, Österreich. Die Ausstellung ist also tatsächlich international.

Wie sind die Plakate zu Ihnen gekommen?

Ein geringer Teil stammt aus unserem Fundus. Die anderen kamen per Post. Wir haben Künstler eingeladen, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Die meisten haben angenommen.

War die eine oder andere Reise vielleicht auch abenteuerlich?

Wie abenteuerlich die Wege waren, weiß ich nicht. Zumindest gab es bei Sendungen aus Ländern, die nicht zu den Mitgliedsländern der EU zählen, Schwierigkeiten bei der Zollabfertigung in Deutschland. Aber es sind offenbar auch einige meiner Briefe nicht angekommen. Aus dem Iran hat sich der Künstler nicht gemeldet, aber auch aus Australien, Südkorea und der Türkei nicht.

Was ist das Besondere an Plakaten?

Sie sind ja im Unterschied zur Malerei ein angewandter Bereich der Kunst. Ihr Vorzug ist, dass sie sehr schnell auf Ereignisse reagieren können, vielfältig einsetzbar sind und ein größeres Publikum ansprechen. Einige bildende Künstler sind manchmal zugleich Plakatkünstler, eben weil sie so die Möglichkeit haben, sich tagesaktuell zu äußern.

Das Thema der Ausstellung ist Umwelt. Wie verschieden sind die Blickwinkel?

Die Handschriften sind natürlich sehr unterschiedlich, die Botschaft oft ähnlich, bezogen auf ein Thema - Fukushima zum Beispiel. Der eine Künstler arbeitet eher fotografisch, ein anderer illustrativ. Die Themen allerdings sind breit gefächert. Da geht es nicht nur um die natürliche, sondern auch um die soziokulturelle Umwelt. Die Künstler setzen sich mit dem Klimawandel genauso auseinander wie mit den schwindenden Wasser-, Luft- und Bodenressourcen, der Verschmutzung der Meere, der Erhaltung der Artenvielfalt und Migrationsproblemen.

In der Ausstellung werden Plakate aus den zurückliegenden zwanzig Jahren gezeigt. Haben Sie über diese Zeitspanne Veränderungen in Aussage und Ausdruck festgestellt?

Bei den Arbeiten dieser Ausstellung lässt sich das so nicht unbedingt feststellen, vielleicht ist der Ausdruck drastischer geworden. In unserer Ausstellung findet man Plakate, die sich auf konkrete Ereignisse beziehen, wie die Umweltkatastrophen der letzten Jahre, aber auch Plakate, die gewissermaßen zeitlos sind, denn viele der angesprochenen Probleme existieren ja nach wie vor.

Gibt es Themen, die neu aufgetaucht sind?

Eine Gruppe junger Künstler beschäftigt sich mit dem sozialen Umfeld in Städten, deren Umstrukturierung. Gerade in Berlin.

Ist denn, wenn man den Plakaten folgt, die Welt noch zu retten?

Wenn man ihnen folgen würde, wahrscheinlich. Natürlich können die Plakate nicht die Welt retten, aber sie machen aufmerksam. Das Bewusstsein für Umweltprobleme ist gewachsen. Das stimmt hoffnungsvoll.

Hat Sie eine Arbeit besonders berührt?

Eine schwierige Frage, bei so vielen interessanten, auch berührenden Arbeiten. Zum Beispiel gibt es von dem Schweizer Grafiker Melchior Imboden eine Plakatserie, die er "Face to Face" (von Angesicht zu Angesicht) nennt, sehr großformatige Arbeiten. Er hat vier Tierfotos genommen und darüber Buchstaben gesetzt - F, A, C, E - die Tiere schauen hindurch wie durch Gitter.

Was bedeutet es für die Sammlungen, diese Plakatkollektion in den Fundus aufnehmen zu können?

Das ist für uns sehr schön, weil es hier glückt, Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit zu vereinen. Das ist wegen unseres schmalen Budgets nicht so oft möglich. Dieser Zuwachs hält die Bestände aktuell, wir bleiben auf dem Laufenden, was die Plakatkunst betrifft und das Schaffen einzelner Künstler. Das Thema Umwelt passt gut in den Sammlungsschwerpunkt unseres Museums, der neben Landschaft und Raum auch Natur und Umwelt umfasst.

Mit Barbara Martin

sprach Renate Marschall

Zum Thema:

Veranstaltungen zur AusstellungEröffnung: Sonntag, 11 Uhr, zur Ausstellung Barbara Martin, Eintritt freiFührungen in "Es geht um die Welt" mit Barbara Martin am 16. Februar um 16.30 Uhr, am 11. März, 16 Uhr, am 3. April um 16.30 Uhr, am 15. April 16 UhrJazz im Diesel: am 25. Februar um 20 Uhr "Liquid Soul - Musik aus Luft und Wasser" mit Gert Anklam (Bariton- und Sopransaxofon, Sheng, Wasserstichorgel) und Beate Gatscha (Wasserstichorgel, Perkussion, Hang), Eintritt 10 Euro für das Konzert, 12,50 Euro für das Konzert mit Ausstellungsbesuch.