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| 16:31 Uhr

Konzert
Früher Pink-Floyd-Zauber in Berlin

Berlin. Von Gunnar Leue

So viel stellte der Drummer am Sonntagabend im Berliner Tempodrom gleich mal klar: Das hier ist nicht Australien Pink Floyd Show. Natürlich nicht, denn bei der sitzt ja kein echtes Pink-Floyd-Mitglied am Schlagzeug im Gegensatz zu dieser Band namens Saucerful of Secrets, die nach dem zweiten Floyd-Album von 1968 benannt ist. Gründer und prominentestes Mitglied dieser erst vor wenigen Monaten aus der Taufe Gehobenen ist Nick Mason, der an genau diesem Album vor 50 Jahren mitgewirkt hat. Der 74-Jährige gehört zu den drei noch lebenden Pink Floyd-Musikern, die sich unter diesem berühmtesten Namen der Rockgeschichte jedoch nicht mehr zum gemeinsamen Musikmachen versammeln. Mason würde ja gern, aber die Herren David Gilmore und Roger Waters sind doch zu sehr verstritten, als dass eine Reunion noch mal zustande käme. Sie touren lieber für sich, und zwar jeder mit den Monsterhits aus der Floydschen Welteroberungsphase ab 1973.

Was macht also der immer noch spiellustige Nick Mason? Er widmet sich der Vorphase, als Pink Floyd-Musik noch Sperrigkeit mit elegischer Psychedelic verbanden. In Songs wie „Atom Heart Mother“, oder „Arnold Lane““, mit denen die frühen Floyds von 1967 bis 1972 zu Pionieren des Progressive Rock avancierten. Es ist eine Phase, die für etliche Floyd-Fans geradezu mystisch umwabert ist, was besonders an einem Mann liegt, der als Geist, Seele und Spukgestalt durch die frühe Floydära schwebte: Syd Barrett. Auf ihn passte die Floskel von Genie und Wahnsinn wie ein LSD-Trip zu einer Psychoreise mit Sounduntermalung – und zwar von ihm. Aus dem 1967er-Album „The Piper at the Gates of Dawn“ spielte Masons hervorragende Band – zu der unter anderen der Ex-Spandau Ballett-Gitarrist Gary Kemp und Bassist Guy Pratt, der oft mit Gilmour oder Waters tourte, gehören – die Klassiker „Interstellar Overdrive“ und „Astronomy Domine“. Der Hinweis auf den kaum zu überschätzenden Einfluss Barretts, der aus dem Bandkosmos irgendwann irgendwie verschwand und 2006 gestorben ist, schien seinem alten Freund Mason sehr wichtig. Und das Publikum war ihm dafür mehr als dankbar, das Konzert eine unprätentiöse Feier zwischen Nostalgie und Erkenntnis, dass diese Musik noch heute ihren Zauber verströmt.