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Physik wie Poesie

Die Schönheit von Gleichungen muss sich einem nicht erschließen, um Jérôme Ferraris Roman "Das Prinzip" genießen zu können. Titelgebend ist eines der Grundprinzipien der Quantenmechanik, die Unschärferelation, die der Physiker Werner Heisenberg 1927 entdeckte und mit der er die Erkenntnisgrenzen der Naturwissenschaften empirisch nachwies. Doreen Mildner

Der Erzähler scheitert in einer Prüfung zunächst an dem Prinzip, das das Buch durchzieht und das ihn Jahre später fasziniert. Ins Zentrum des Romans rückt Ferrari Leben und Wirken des Wissenschaftlers Werner Heisenberg, der 1932 mit dem Physik-Nobelpreis für die Begründung der Quantenmechanik ausgezeichnet wurde. Den Leser erwartet aber weder eine klassische Biografie noch ein Physikbuch. Indem Ferrari, der nicht nur Autor, sondern auch Philosophielehrer ist, seinen Erzähler in metaphorischer Sprache und direkter Anrede zu Heisenberg sprechen lässt, schafft er vielmehr ein dichtes poetisches Porträt des Physikgenies.

Wer empfänglich für diese lyrische Sprache ist, den wird das Buch in einen Sog ziehen.

Jérôme Ferrari: Das Prinzip. Secession Verlag für Literatur, 130 Seiten, 19,95 Euro