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Lübbenau
Die Casa Nostra im Schloss Lübbenau

Schauspieler Joachim Król liest aus Petra Reskis Roman „Bei aller Liebe. Serena Vitales dritter Fall.“ Katarzyna Zorn (r.) vom Brandenburgischen Literaturbüro moderiert die Veranstaltung.
Schauspieler Joachim Król liest aus Petra Reskis Roman „Bei aller Liebe. Serena Vitales dritter Fall.“ Katarzyna Zorn (r.) vom Brandenburgischen Literaturbüro moderiert die Veranstaltung. FOTO: Peter Becker
Lübbenau. Die Mafia ist überall. Am Montag war von ihr im Schloss Lübbenau zu hören. In der Reihe Lausitzer Lesart stellte Petra Reski ihren neuen Roman vor. Schauspieler Joachim Król las daraus mit einer Stimme, dass man glaubte, dem Paten, Don Corleone, leibhaftig zu begegnen.

Natürlich bleibt der Pate an diesem Montagabend lieber im Dunkeln. Serena Vitales, die Antimafia-Staatsanwältin, steht im Rampenlicht. Petra Reski hat sie mit ihrem dritten Fall beauftragt.

Seit die Journalistin in Deutschland wegen ihrer Antimafia-Reportagen und Sachbücher in Grund und Boden geklagt und in Erfurt während einer Lesung bedroht wurde, hat sie sich auf Romane verlegt, berichtet sie im Gespräch mit Katarzyna Zorn vom Brandenburgischen Literaturbüro, das gemeinsam mit der LAUSITZER RUNDSCHAU und dem Schloss Lübbenau die beliebte Reihe Lausitzer Lesart veranstaltet. Hausherr Rochus Graf zu Lynar begrüßt die Literaturfreunde, die aus der ganzen Lausitz, aber auch aus Dresden und Berlin angereist sind.

Reskis Romane aber sind nicht eben weit entfernt von der Wirklichkeit. Pointiert beschreibt die Journalistin nicht nur die moderne Medienwelt. Vor allem die Verflechtung der Mafia bis in die höchsten politischen Ämter, Geldwäsche, Gewalt und Korruption weit über Italien hinaus spielen eine Rolle im Gespräch wie in ihren Büchern.

Die hartnäckige Staatsanwältin Serena scheint ihrer Erfinderin nicht unähnlich, selbst wenn Reski darauf hinweist, dass es für diese mehrere Vorbilder gibt. Eine Nervensäge ist sie, wenn es um die Dinge geht, die ihr wichtig sind. „Auch wenn man ihr diese Hartnäckigkeit nicht ansah, so zierlich wie sie war. So blond. So frisch gebügelt“, heißt es im Roman.

Hingebungsvoll, mit leisem Humor und Verve, liest Schauspieler Joachim Król, und es ist zu spüren, dass es Berührungspunkte zwischen Autorin und Vorleser gibt. Immerhin ermittelte er, bevor der gebürtige Cottbuser Uwe Kockisch die Rolle übernahm, als Commissario Brunetti in Venedig, wo Petra Reski heute lebt. Sie haben sich dort bei einem Interview kennengelernt und seither nicht mehr aus den Augen verloren. Beide stammen obendrein aus einer Bergarbeiterfamilie und haben polnische Wurzeln.

Króls Hörbücher sind legendär. Über eines schwärmte ein Kritiker sogar, dass es besser sei als der Roman des Nobelpreisträgers. Die sonore Stimme scheint geradezu geschaffen für die dunkle, unheimliche Mafiawelt. Beherzt springt er am Montagabend in die eine wie die andere Rolle und zwischen Italien und Deutschland hin und her. Mühelos kriegt er die Kurve, als am Niederrhein die Casa Nostra als Bollwerk gegen die Mafia gegründet wird. Oder soll da im Haus Europa nur die berüchtigte Cosa Nostra weißgewaschen werden? Ein Spendenkonto ist schon eingerichtet...

Zum Weiterlesen: Petra Reski: Bei aller Liebe. Serena Vitales dritter Fall. Verlag Hoffmann und Campe, 317 Seiten, 20 Euro