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| 16:56 Uhr

Kultur-Macher
Im Wartezimmer der Kunst

Peter Löwe ist auch zu Hause von Kunst umgeben. Foto: Ida Kretzschmar
Peter Löwe ist auch zu Hause von Kunst umgeben. Foto: Ida Kretzschmar FOTO: LR / Ida Kretzschmar
Cottbus . Es gibt sie überall in der Region, die Kultur-Macher, die mit ihrem Engagement dafür sorgen, das Leben lebenswerter zu machen. Peter Löwe gestaltet seit 30 Jahren die „Kleine Galerie“ in Goyatz am Schwielochsee. Von Ida Kretzschmar

Es ist kaum noch zu hören, dass Peter Löwe in Dresden geboren wurde. Aber es ist noch zu sehen. Ansichten aus dem alten Dresden hängen an den Wänden seines Hauses in Goyatz – neben Kunstwerken, die ihn an manch schöne Ausstellung am Schwielochsee erinnern.

Vor 30 Jahren gründete der Lehrer die „Kleine Galerie“ in Goyatz. 1959 schon war er aus der Elbmetropole in den Altkreis Lübben gekommen, wurde 1971 Schulleiter in Goyatz.

Sein Kunstsinn aber wurde bereits in Dresden geweckt. Der Vater war im Krieg gefallen, die Mutter früh gestorben, so war Peter Löwe zeitig auf sich allein gestellt. „Ich bin ziemlich unabhängig aufgewachsen“, erinnert er sich, und auch daran, wie ihn die Kunststadt geprägt hat, er sich schon als Jugendlicher für Ausstellungen interessierte und ihm der Umgang mit Kunst früh vertraut war.

Ein Brennofen auf seinem Grundstück kündet auch davon, dass der heute 78-Jährige sich selbst gern künstlerisch betätigt. Töpfern ist seine Liebhaberei. Einige seiner schönsten Stücke im Haus erzählen davon.

So etwas spricht sich natürlich herum. Und so war es kein Zufall, dass er vor mehr als 30 Jahren gefragt wurde, ob er den Vorsitz der Ortsgruppe des Kulturbundes übernehmen wolle. Es gab darin schon eifrige Philatelisten, Kakteenfreunde, Numismatiker... „Wenn ich eine Galerie machen darf, sage ich zu“, setzte er den Fragenden die Pistole auf die Brust. Und er hatte Erfolg mit seinem kleinen Erpressungsversuch. Am 6. Mai 1988 wurde die „Kleine Galerie“ in der Arztpraxis des Ortes eröffnet.

„Die Idee war, Leute vom Land mit Kunst vertraut zu machen. Ihnen zu zeigen: Kunstgenuss ist nichts Elitäres, sondern gehört zum Alltag. Und außerdem kann Kunst im Wartezimmer auch von den Leiden ablenken und so zur Genesung beitragen“, schmunzelt der 78-Jährige.

Der Allgemeinmediziner Dr. Klaus Ulrich, heute längst im Ruhestand, hat die Idee von Anfang an mit unterstützt. „Er interessiert sich nicht nur für die Ausstellungen, er sponsert auch alles, was damit zusammenhängt“, freut sich Peter Löwe, der die „Kleine Galerie“ über die Wende rettete. Vom Kulturbund war da kein Geld mehr zu erwarten. „Aber ich bin kein Mensch, der alles einfach hinwirft, wenn sich der Wind dreht. Da muss man besonnen bleiben. Anfangs kam wenigstens noch Hilfe vom Landratsamt, dann sprang Dr. Ulrich in die Bresche für Unkosten wie Porto und Vernissage. Und ich arbeite einfach ehrenamtlich weiter“, sagt er, ohne großes Gewese darum zu machen.

In den Räumen praktizieren heute Söhne und Schwiegertochter von Dr. Ulrich. Den Warteraum aber schmücken weiterhin wechselnde Kunstwerke. „Früher habe ich die Einladungskarten selbst kopiert, heute entwirft sie der Grafiker Sebastian Franzka aus Lübben. Die „Aquamediale 2013“ im Veranstaltungsjahr „Ludwig Leichhardt“ begleitete auch die „Kleine Galerie“ mit einer Ausstellung. „Herr Leichhardt geht“ hatte Franzka sie genannt. Drei Radierungen im Wohnzimmer von Peter Löwe erinnern noch daran. Ähnliches spukt ihnen nun für das Fontanejahr im Kopf herum.

Peter Löwe hat fein säuberlich Buch geführt, wie alles begann. Mit Arbeiten von Herbert Neugebauer aus Guhlen erwachte das Leben der „Kleinen Galerie“. Der Künstler war bekannt durch seine Aquarelle und Postkarten, die er für den Planet-Verlag entworfen hatte. Fünf bis sechs Ausstellungen kamen jedes Jahr dazu. An die Bilder des Cottbuser Malers Gerhard Knabe erinnert er sich gern oder an die des Dresdner Keramikers Dieter Graupner, der auch malte, mit seiner Kunst am Bau aber überall viele Spuren hinterließ. Im Gedächtnis bleiben ihm die sensiblen Fotografien von Sybille Traube, aber auch die verspielten von Andreas Lehmann aus Lübben. Der Konzeptkünstler Jürgen Mau, der aus Hamburg nach Giesensdorf hier um die Ecke zog, zeigte hier seine ungewöhnlichen Arbeiten wie auch der aus Hoyerswerda stammende Enrico Verworner, der beim Festival of Light Berlin zum Leuchten bringt.

Aber eigentlich mag Peter Löwe keine Schau besonders hervorheben. Denn nicht nur die Werke von Berufskünstlern gehören für ihn in das Wartezimmer der Kunst, genauso akribisch bereitet er die Ausstellungen von Laienkünstlern vor. Gerade ist die 146. Schau in der „Kleinen Galerie“ eröffnet worden

Vielfalt ist ihm wichtig. Nur eine Bedingung gibt es, die er an die Künstler stellt: Ausgestellt werden kann nur, was an die Wände passt“. Deshalb gab es übrigens bislang auch hier noch keine Ausstellung der Töpferkunst von Peter Löwe. Vielleicht findet sich da irgendwann eine Ausnahmeregelung.

„Die Kleine Galerie ist mir ans Herz gewachsen. Ich würde mich freuen, wenn jemand dafür sorgt, dass sie noch lange weiterleben kann“, hofft er darauf, auch Jüngere mit seinem Enthusiasmus anzustecken. Bis zur 150. Ausstellung aber will Peter Löwe auf alle Fälle noch selbst weiterstrampeln für dieses Wartezimmer der Kunst. Er weiß wie’s geht. Erst im Sommer ist der leidenschaftliche Radfahrer 570 Kilometer am Rhein entlang geradelt.

Bis 5. Oktober sind Fotografien von Joachim Schützel „Spreewelten – Landschaften und Pflanzen“ in der Kleinen Galerie in Goyatz, Dorfstraße 2, zu sehen. Danach stellt Gabriele Klose, Galeristin im „Packschuppen“ Glashütte, ihre Bilder aus.