Fans dürften lange auf diesen Moment gewartet haben: Der britische Sänger Peter Gabriel, Jahrgang 1950, beendet seinen Rocker-Ruhestand und geht noch einmal auf Europatournee. Fünf Konzerte für das Jahr 2023 gab der einstige Genesis-Frontmann auf seiner eigenen Website allein für Deutschland bekannt.
Dies sind die Termine: 26. Mai: Waldbühne Berlin; 28. Mai: Königsplatz München; 10. Juni: Lanxess Arena Köln; 12. Juni: Barclays Arena Hamburg; 13. Juni: Festhalle Frankfurt am Main
Der Vorverkauf in Deutschland soll nach Angaben von Virgin Music am 11. November eröffnet werden. Insgesamt wurden europaweit 22 Konzerttermine angekündigt. Unter anderem führt die Tournee nach Skandinavien, nach Italien und Frankreich, aber auch Stationen in Großbritannien sind anberaumt.
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Neues Album mit Zwei-Buchstaben-Titel
Dass der Rockrentner Peter Gabriel es nach vielen ruhigen Jahren noch einmal so richtig wissen will, deutet indessen eine Nachricht an, die ob der Konzertankündigungen ins zweite Glied zu rutschen droht: Nebenbei teilte Gabriel mit, dass es mit „i/o“ auch ein neues Album geben wird, auf dem neues Songmaterial veröffentlicht werden soll.
„Es ist eine Weile her und jetzt bin ich umgeben von einer ganzen Menge neuer Songs“, lässt der überwiegend im südenglischen Bath lebende Gabriel seine Anhänger wissen. Er sei aufgeregt, sie mit „on the road“ zu nehmen. Neben den neuen Songs stünden aber auch „Klassiker, Fan Favourites und Unerwartetes“ auf der Setlist. So heißt es in der Ankündigung von Virgin Music.
Mit dem Titel „i/o“ greift Gabriel eine Tradition auf, die er 1986 mit dem Hit-Album „So“ begonnen hatte: Seither trägt jedes seiner regulären Alben lediglich eine Kombination aus zwei Buchstaben als Titel. Auf „So“ folgte 1992 „Us“, in dem es tatsächlich um zwischenmenschliche Beziehungen ging. 2002 folgte „Up“. „i/o“ ist eina Abkürzung aus der Informatik. Sie steht für „Input/Output“ und bezeichnet die Verbindung einer Einheit oder eines Gerätes mit seiner Umgebung.
Das soziale Gewissen der Rockmusik
Und danach? Außer Live-Auftritten und Überarbeitungen eigener wie gecoverter Songs in orchestralen Arrangements („Scratch My Back“, „New Blood“) kam nicht mehr viel. Allenfalls veröffentlichte er als Solokünstler einzelne Songs und Kollaborationen mit anderen Interpreten, nie mehr jedoch ein komplett neues Album.
Für diese lange Kreativpause gibt es allerdings Gründe. Bereits in den frühen 1980er-Jahren hatte Gabriel ein Festival für Weltmusik mit dem Titel WOMAD („World of Music, Arts and Dance“) aus der Taufe gehoben. Daraus erwuchs eine eigene Plattenfirma und ein Studio-Komplex in der südenglischen Stadt Bath, die Real World Studios.
Mit zahlreichen Veranstaltungen und Vorträgen setzte Gabriel sich fortan für globale Gerechtigkeit, gegen Umweltzerstörung und für den Schutz kultureller Minderheiten ein. Er ist Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation „Witness“. Für seine eigene Arbeit als Musiker blieb schlicht kaum noch Zeit.
Von der Schülerband Genesis zum Solo-Performer
Seine Anfänge als Musiker erlebte Peter Gabriel als Sänger bei der britischen Progressive-Band Genesis, die er in den 1960er-Jahren als Schüler an dem Elite-Internat Charterhouse Boarding School im südenglischen Godalming gründete. Bis 1975 blieb er bei der Band.
Nach seinem Ausstieg – als Gründe für die Trennung gab er später häufig die Geburt seiner ersten Tochter und den Wunsch nach mehr Raum für seinen kreativen Schaffensdrang an – übernahm der damalige Schlagzeuger Phil Collins das Mikrofon. Kurioser Dreh der Geschichte: Obwohl viele Genesis-Fans noch jahrelang seinen Abgang betrauern sollten, hob die Band kommerziell danach erst richtig ab und wurde zu einer der erfolgreichsten Bands der 1980er-Jahre.
Und Gabriel selbst? Schon mit seinen vier ersten, selbstbetitelten Soloalben konnte er sich ab 1977 eine Reputation als anspruchsvoller Komponist im Grenzbereich zwischen Rock, Progressive und dem aufkommenden Wave-Pop erarbeiten. Frühe Hits waren „Solsbury Hill“, „I Don`t Remember“, „Games Without Frontiers“ und das dem unter mysteriösen Umständen in Haft verstorbenen südafrikanischen Bürgerrechtler Stephen Biko gewidmete Stück „Biko“.
Langjährige Mitstreiter an Bord
Auf seiner neuen Tournee durch Europa im Jahr 2023 wird Peter Gabriel gemäß Ankündigung erneut von einigen langjährigen Mitstreitern begleitet. Den Bass in seiner Band wird, wie schon seit seinem ersten Soloalbum aus dem Jahr 1977, der US-amerikanische Virtuose Toni Levin spielen, der bereits 76 Jahre alt ist. Die Gitarre spielt wieder der Brite David Rhodes, dabei seit 1980.
Der Franzose Manu Katché, mit dem Gabriel erstmals 1985 zusammenarbeitete, wird erneut am Schlagzeug sitzen.
Eine Kuriosität der Tournee-Ankündigung: Der 8. November, an dem Peter Gabriel seine Comeback-Nachricht mitteilen ließ, ist im Kalender der orthodoxen Kirche der Tag des Heiligen Erzengels Gabriels. Ob beabsichtigt oder nicht, das sei mal dahingestellt.
Info: https://petergabriel.com