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| 18:02 Uhr

Von A bis Z
Lieber otlitschno als Oguretz

Deutschland im WM-Taumel.
Deutschland im WM-Taumel. FOTO: dpa / Arno Burgi
Q. Peter Blochwitz buchstabiert das aktuelle Fußbal(l)phabet zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Von Peter Blochwitz

A wie Angst, Anstoß, Abseits, Argentinien, Abpfiff. Die Angst der Deutschen vor Argentinien sollte sich in Grenzen halten. Man traf auf die Gauchos zuletzt bei den Turnieren 1986, 1990, 2006, 2010 und 2014, und hat sie bis auf 1986 stets besiegt. Die DDR holte 1974 ein 1:1 heraus. Aber nicht übermütig werden! Nicht schon vor dem Anstoß frohlocken, erst nach dem Abpfiff! Wie schnell hat der Gegner ein Tor erzielt, das auch zählt, und wenn es dreimal Abseits war!

B wie Brasilien, Beckenbauer, Ballack, Ball. Große Nationen, großartige Spieler, die mit dem Ball  hervorragend umgehen konnten und können. Brasilien war bislang fünfmal Weltmeister, Deutschland hat vier Titel, noch Fragen? Die Aufgabe ist also klar.

C wie Confed-Cup. Die Mini-WM, die ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im Land des Gastgebers stattfindet, hat Deutschland 2017 ja gewonnen. Aber Vorsicht! Nie ist bisher ein Sieger des Confed-Cups ein  Jahr später auch Weltmeister geworden! Das C erinnert auch an CCCP, die russischen Buchstaben für die UdSSR. Auch heute noch sind Fan-Trikots mit diesem Schriftzug zu sehen.

D wie Da (Ja) und Dostoprimetschatjelnosti (Sehenswürdigkeiten). Von denen werden die Nationspieler wohl nicht viele zu Gesicht bekommen. D steht ebenso für  Drushba, also Freundschaft. Die hört auf dem Platz allerdings bekanntlich auf. Ruft der Trainer  unentwegt „dawai, dawai!“ will er den Spielern Beine machen.

E wie Elfmeterschießen. Normalerweise eine Disziplin, in der die Deutschen stark sind, vorzugsweise gegen E wie England. Immer eine spannende Angelegenheit. Ich kenne Leute, die sich für Fußball nicht sonderlich interessieren, aber sagen: Elfmeterschießen, das ist ja was, da gucke ich auch gerne hin. Könnten Fußballspiele nicht nur aus Elfmeterschießen bestehen?

F wie  Finale: Das Ziel. Mindestens!

G wie Gagarin (1934-1968), Juri. Der sowjetische Fliegerkosmonaut war 1961 der erste Mensch im All, der erste Popstar des Ostens. Wird bis heute als Nationalheld verehrt.

H wie Holland: Ohne Holland fahr‘n wir zur WM! H wie Handspiele im Strafraum. Können zu Elfmetern führen, sind also unbedingt zu vermeiden. Bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren in Frankreich haben die Deutschen diesen Grundsatz ja nicht so doll beherzigt und sind im  H  wie Halbfinale ausgeschieden.

I wie Italien. Der Angstgegner konnte  bei Turnieren erstmals bei der EM 2016  besiegt werden, Stichwort E wie Elfmeterschießen. Diesmal droht von den Italienern keine Gefahr, sie haben sich gar nicht qualifizieren können. Siehe H wie Holland.

J wie Jaschin, Lew (1929-1990) 1963 zu Europas Fußballer des Jahres gewählt, womit er bis heute der einzige Torhüter ist, dem diese Ehrung zuteil wurde. Das Werbeplakat für die Fußballweltmeisterschaft 2018  zeigt eine grafische Darstellung des „besten Torwarts der Fußballgeschichte“. Muss Manuel Neuer noch hinkommen.

K wie Korruption (Korruptzija). Im Weltfußballverband? In Russland? Im Sinne des WM-Friedens reden  wir lieber über Kanikuly, also Ferien, die sich die hoffentlich erfolgreichen Spieler nach dem Turnier redlich verdient haben.

L wie Luschniki-Stadion in Moskau. Mit 81 000  überdachten Sitzplätzen das größte  Fußballstadion Russlands. Erster Spielort für die Deutschen am Sonntag gegen Mexiko. Und das Endspielstadion, in dem Bundestrainer Löw, Joachim seine Mannschaft zur Titelverteidigung führen will.

M wie Matrjoschka, die man im Osten Deutschlands niemandem erklären muss, M wie  Mitfavorit und  Mannschaft. Andere Nationen haben schöne Spitznamen für ihre Nationalmannschaften: Die Pharaonen (Ägypten),  Socceroos (Australien),  Rote Teufel (Belgien), Three Lions (England), Grüne Falken (Saudi-Arabien), La Celeste (Die Himmelblauen, Uruguay). Die Deutschen: Die Mannschaft. Na ja.

N wie nitschewo (macht nichts), njet (nein), nu pogadi (na warte): Ebenfalls in Ostdeutschland wohlbekannt. Interessant: Der Wolf (nicht der Nu-Pogadi-Hase) ist Maskottchen der Weltmeisterschaft.

O wie Oguretz (Gurke). Wir erleben hoffentlich keine Gurken. Lieber hören wir ein  Otlitschno  (Ausgezeichnet).

P wie Parikmacherskaja, also Friseur. Für sehr viele Spieler wichtiger als die Leistung auf dem Platz.

Q  wie  uark. Siehe O wie Oguretz. Wollen wir nicht erleben. Aber nach diesen Vorbereitungsspielen...

R wie Rossija, also Russland und Ruki werch (Hände hoch!). Hoffentlich nur mit dem WM-Pokal.

S wie Sbornaja. Name der russsischen Auswahl. S wie  stoj (halt) spasibo (danke) und Slawa (Ruhm).  Soll unbedingt eingeheimst werden.

T wie Tschertschessow, Stanislaw (54). War 1993 bis 1995 Torhüter von Dynamo Dresden, ist jetzt  Nationaltrainer der Russen. Und T wie Titelverteidigung: Nur Italien (1934/1938) und Brasilien (1958/1962) konnten ihre WM-Titel erfolgreich verteidigen. Deutschland scheiterte bei allen bisherigen drei Versuchen (1958, 1978, 1994) schon vor dem Finale.

U wie Uschas: Grauen, Schrecken, Entsetzen. Beim Ausscheiden...

V wie Videobeweis. Sorgt schon in der Bundesliga für reichlich Diskussionsstoff.Garantiert auch bei der WM.

W wie Wodka. Sollte erst nach dem Finale getrunken werden. Wenn die Spieler nur W wie  Woksal  (Bahnhof) verstehen, macht der Trainer wohl was falsch.

X wie X-Beine. Fußballer haben eher O-Beine.

Y wie Yoga. Soll sehr helfen, was, Jogi?

Z wie Zauberfußball. Wer sieht den nicht gerne? Die Deutsche verstanden sich lange als Turnier-Mannschaft, die sich irgendwie durch die Endrunde tankte, nicht schön, aber effektiv.  Vom reinen Kampfspiel ist man weggekommen, andererseits: Was nützt der schönste Fußball, wenn er brotlose Kunst bleibt? Nachhaltig in Erinnerung bleiben die Niederländer, die 1974 eindeutig den schönsten, den attraktivsten Fußball spielten. Aber eben im Finale den effektiven Deutschen unterlagen…

Und  wie Zuversicht: Sind Sie der Meinung, dass die deutsche Mannschaft erneut den Titel holt? Sind Sie das wirklich?

Matroschka2
Matroschka2 FOTO: fotolia / mspoint