Die Arbeiten von 1951 bis in die Gegenwart vermitteln ein eindrucksvolles Kunst- und Lebenspanorama des Friedrich Stowasser (mit bürgerlichem Namen), dessen Werk ebenso naiv und geheimnisvoll wie brillant seinen Platz in der Ästhetik des neuen Jahrhunderts behauptet. Das Prinzip heißt Natur, die Wirkung erwächst aus einer magischen Kraft von Farbe und Form.
Friedensreich Hundertwassers Bilderreservoir ist der ganze Kosmos in seinem rational nicht zu erfassenden Zauber. Will man für dieses Werk einen Generalnenner formulieren, so wäre es: Suche nach dem Paradies im Diesseits. „Testament in Gelb“ , „Good Morning City“ , „Ein Regentag“ , „Abschied aus Afrika“ oder „Mädchenfund im Gras“ heißen die Bilder.
Sie sind ein Korrektiv zur strukturierten Lebenswelt, zum geometrisch-nüchternen Raum und einer Wahrnehmung, die sich mehrheitlich aus dem Vorrat des Fernsehbildschirms bedient.

Wanderer durch die Zeiten
Farbpracht pur, Träume und Tränen, Wälder und Schluchten, Mythen und Erlebtes, Gesichter und Menschen, Bäume und Seelen, Blumen und das Auge Gottes, das Gras und die blinde Venus, ein Haus und das Blut der Flüsse sind in diesen Holzschnitten, Lithographien und Postern aufbewahrt. Friedensreich ist ein Wanderer durch die Zeiten des Jahrs, durch den grünen Garten Neuseelands und über das Meer. Seine Bilder haben die Kraft, den Betrachter auf diese Reise mitzunehmen.
Vor 13 Jahren sagte Hundertwasser in einem RUNDSCHAU-Interview auf die Frage nach den benötigten Arbeitsbedingungen und erträumten Resultaten: „Ein Baum vor dem Fenster“ und „Es ist die Pflicht des Sehenden, nicht nur schöne Auswege zu produzieren und geheim zu halten, sondern möglichst vielen Menschen vorzuleben“ . Er hat es lebenslang getan. Hier ist auch einer der Gründe erkennbar, warum er erstmals Grafik-editionen in sagenhafter Auflage von 10 000 Stück drucken ließ. Die bei der BASF gezeigte kleine Kollektion bezeugt aufs Neue seine Idee von Kunst als elementare Fantasie und Brücke vom Diesseits ins Jenseits. Diese Bilder zielen auf die „dritte Haut“ , die Wohnung, das Haus des Menschen. Kaum ein Akteur in der Kunstszene des 20. Jahrhunderts hat sein Ohr so dicht an der Erde gehabt und den vorgefundenen urbanen Raum so radikal infrage gestellt wie Friedensreich Hundertwasser.

Malerei mit religiöser Dimension
Seine Malerei und Grafik haben eine religiöse Dimension, ohne auf dem Kirchenpfad zu sein. Es ist eine Philosophie des glücklichen Daseins. „Green Power. Proof“ (1975) zeigt, worum es wirklich geht: Mensch und Natur in Balance, nicht befangen im Überfluss Die Wüste, benetzt von Leben spendenden Regentropfen, das grüne Gesicht der Allnatur zwischen den Häuserzeilen in Grün und Rot, Gelb, Blau und Ocker, und unten der rote Palisadenzaun als Schutz fürs Paradies. So lebt der Mensch, so lebt er nicht. Die Kunst Friedenreich Hundertwassers öffnet Wege zum Möglichen, lässt Ahnungen zu, die verschüttet scheinen unter den Ersatzbefriedigungen der Hightech-Zivilisation. Das Einfache ist der Punkt, um den sich alles dreht.

Die Ausstellung läuft bis zum 31. Januar 2007, geöffnet täglich von 12-18 Uhr, Katalog