Sie gastieren am Freitag im Kunstmuseum Dieselkraftwerk - mit was für einem Programm?

Mit einer Mischung aus bekannten Titeln und Eigenkompositionen von meiner Tochter und mir. Swing-Titel sind dabei, die wir auf unsere Weise spielen, manchmal geht es auch "crossover" Richtung Pop, wenn die Songs meiner Tochter ins Spiel kommen. "Lets do it" von Cole Porter wird zu hören sein, "Erinnerung" von mir und "Macho Boy” von Axinia.

Hat sich Ihre Tochter eigentlich auch ganz dem Jazz verschrieben?

Jazz ist ja ein sehr weitläufiger Begriff und die Grenzen sind heute eher fließend. Sie singt in unseren Programmen alle Jazz-Titel, wo Ihre Fähigkeit zu improvisieren, zu "scatten",zum Tragen kommt. Ihre eigenen Titel bewegen sich mitunter schon Richtung Pop, der seinen Ursprung ja auch im Jazz hat. Axinia hat eine starke "personality", ein ganz eigenes Timbre und auch eine ganz eigene musikalische Ausdrucksweise in ihren Kompositionen und im Klavier-Voicing (Harmonisieren). Es macht immer wieder Freude mit ihr.

Das klingt nach stolzem Vater, der sich darüber freut, dass seine Tochter in den eigenen Fußstapfen wandelt.

Das kann man sagen. Obwohl wir zusammenlebten, wusste ich lange nicht, dass sie sich so intensiv mit Musik beschäftigt, und war ziemlich verblüfft, als ich sie dann im West-Berliner Jazzclub "Flöz" erlebte. Ganz sicher ist sie durch meine Frau Gipsy, die in der DDR als Chanson-Sängerin sehr bekannt war und durch mich angeregt worden, selbst Musik zu machen. Wir hatten sie schon früh Klavier-, später auch Gesangsunterricht nehmen lassen, weil sie Freude daran hatte. Ihren Weg gewählt, hat sie aber alleine.

Peitz, ganz in der Nähe von Cottbus, war schon zu DDR-Zeiten eine Hochburg des Jazz - mit legendären Veranstaltungen. Woran erinnern Sie sich?

Letztes Jahr, am 14. Mai, hatten wir nach 30 Jahren wieder ein Konzert in Peitz, veranstaltet vom Ulli Blobel mit einigen wesentlichen Gruppen und Solisten aus den Gründerjahren. Ulli hatte diese Spielstätte damals zusammen mit seinem Partner Jimmy Metag ins Leben gerufen und zur Blüte gebracht. Ich war mit meinem neuen Quartett dort.

Peitz war was Besonderes. Wenn damals in Berlin Unter den Linden drei Männer mit langen Haaren und Parka zusammenstanden, wurden gleich die Personalausweise kontrolliert. In Peitz tauchten solche "Woodstock-Typen" massenhaft auf. Die Besucher, oft von weither angereist, schliefen auf Wiesen und in Scheunen. Von den Peitzern wurden sie freundlich aufgenommen. Die wurden akzeptiert, wahrscheinlich auch, weil Ulli Blobel und Peter Metag aus der Gegend waren, hat niemand was Unrechtes vermutet, was es ja auch nicht war. Außer, dass das mit allen Absichten der offiziellen Kulturpolitik nicht konform war.

Für die Musikentwicklung in der DDR hat das Festival viel gebracht, auch über die DDR hinaus, vor allem die Begegnung von Musikern aus Ost und West.

Was war das überhaupt mit dem Jazz, warum wurde der so beäugt?

Jazz war verpönt bei den Genossen, weil sie den amerikanischen General Eisenhower im Ohr hatten, der sagte: "Wenn wir den Osten nicht mit anderen Mitteln erobern können, dann wird das der Jazz tun!"

Die Genossen hatten was von Rock'n'Roll gehört und dass bei den Rolling Stones in Westberlin die Waldbühne zerlegt wurde - sie hatten Angst, dass sich die "Imperialistische Unkultur" auch hier breitmacht. Als ich 1977 meinen ersten Internationalen Jazz-Workshop im Palast der Republik organisierte, waren zum Konzert die ersten zwei Reihen von Stasileuten besetzt. Als sie merkten, dass keine Palastrevolution stattfand, waren sie verschwunden.

Sie sind 1983 nach Toronto ausgewandert - aus politischen Gründen?

Ja, ich habe den Antrag auch so eindeutig formuliert. Ich war ja angesehen in der DDR, aber ich konnte nicht damit leben, dass manche Leute so extrem bevorzugt wurden, nur weil sie sich mit den Mächtigen gemein machten, zum Beispiel in den Westen reisen durften, nicht nur zum Konzertieren, während Freunde nicht mal zu Ihren Eltern ans Totenbett durften. Man legte mir des Öfteren nahe, in die Partei einzutreten und stellte mir höchste Auszeichnungen in Aussicht, woran mir aber um diesen Preis nichts lag. Außerdem wollten wir, dass Axinia ohne die Einschränkungen und Bevormundungen des Staates aufwächst. Eins kam zum anderen. Mein zehn Jahre älterer Bruder in Kanada hätte mich schon 1960 gern bei sich in Toronto gesehen. Dort sind wir dann nach allerhand Schikanen und Zurücklassung unserer Habe hingezogen. Nach einigen Jahren gingen wir nach West-Berlin.

Ihr Konzert findet ja im Rahmenprogramm der Fotoausstellung "Ostzeit" statt. Haben Sie einen Bezug zu den Künstlern der Agentur "Ostkreuz"?

Im Moment noch nicht, aber ich bin gespannt und lasse mich gern inspirieren..

Mit Friedhelm Schönfelder sprach Renate Marschall

Karten für 10 Euro, mit Ausstellungsbesuch 12,50 Euro, sind im dkw erhältlich, Reservierungen unter Tel. 0355/49 49 40 40.