Den Schlusspunkt für 2006 setzte er am Mittwoch im Admiralspalast an der Friedrichstraße mit einem riskanten Spagat zwischen Operette und Big-Band-Jazz mit der Schauspielerin Katja Riemann als Sängerin und dem Capital Dance Orchestra unter dem Motto "Stars Go Swing".
Ganz so schwungvoll läuft es bei Heesters rein körperlich natürlich nicht mehr, er muss von seiner Frau Simone Rethel-Heesters und seinem Pianisten Uli Kofler gestützt auf die Bühne geführt werden, um dann an den Flügel gelehnt sein beachtliches Programm vor und nach der Pause zu absolvieren. "Ich weiß was Sie denken, der Heesters kann das nicht mehr alleine", spricht der 103-Jährige gleich freimütig das um seine Standfestigkeit und Gesundheit besorgte Publikum direkt an. "Es sind die Augen! Ich sehe die Requisiten auf der Bühne nicht mehr. Das ist nicht leicht. Aber jetzt singe ich wieder!"
Und die Film- und Operettenlegende aus alten Ufa-Zeiten singt mit immer noch schmetternde Stimme seine Klassiker wie "Man müsste Klavier spielen können" und natürlich das Lied des Grafen Danilo "Heut' geh ich ins Maxim" aus der "Lustigen Witwe", mit der er in Vorkriegszeiten auf dieser Bühne Triumphe feierte. Aber da ist auch längst der innere Abstand da, wenn Heesters zwar an die "Sturm- und Drang-Zeiten" seiner Jugend erinnert und dann meint: "Wozu brauch' ich noch den 17-jährigen Schwung. Wie schwer hat's ein junger Springinsfeld. Die Sorge, ob du der Beste bist - ein Glück, dass auch das vorüber ist."
Katja Riemann hält mit ihren schmissigen Songs aus Amerikas Swing-Repertoire kräftig dagegen mit moderneren Klassikern wie "Let's do it, let's fall in Love". Mit immer wieder wechselnden raffinierten, meist schulterfreien Kleidern verleitet die Schauspielerin ("Der bewegte Mann", "Rosenstraße") auch den einen oder anderen der etwas gesetzten Herrn im Saal, zum Opernglas zu greifen. Natürlich gibt es für Riemann eine rote Rose beim Schlussapplaus, aber auch für den 103-jährigen standhaften Herrn an ihrer Seite, dem seine Frau auch die Heesters-Requisiten wie Seidenschal, weiße Handschuhe, Zylinder und Stock auf die Bühne gebracht hat.
Der Spagat zwischen Operettenseligkeit und Big-Band-Swing ging halbwegs glatt an diesem Abend, auch wenn Heesters seit langem erstmals wieder mit großer Orchesterbegleitung aufgetreten ist und zuvor auf einer Pressekonferenz auch sagte: "Ich höre immer von Swing. Das ist schön, hat aber nichts mit mir zu tun." Hatte es auch nicht, der Abend hatte wundersame zwei eigene Teile, die auch irgendwie nichts miteinander zu tun hatten. Mutig war es.