Der 1936 in Berlin geborene Reimann, der heute 70 Jahre alt wird, verschrieb sich dem Lied und dem Musiktheater. Mit seinen Opern "Lear" und "Melusine", seinen Liederzyklen und seiner Ballettmusik gehört Reimann zu den meist aufgeführten zeitgenössischen Komponisten der Bundesrepublik.
Reimann, der aus einem musikalischen Elternhaus in Berlin stammt, studierte nach dem Abitur 1955 in Berlin bei Ernst Pepping und Boris Blacher Kompositionslehre. Gleichzeitig erarbeitete er sich einen Namen als Konzertpianist und Liedbegleiter. In der Klasse seiner Mutter, die an der Berliner Musikhochschule das Liedfach unterrichtete, lernte er Sänger wie Dietrich Fischer-Dieskau und Brigitte Fassbender kennen, die er später begleitete und für die er einen Großteil seiner Lieder schrieb.
Reimanns erstes Klavierkonzert wurde 1962 unter Leitung von Hans Werner Henze uraufgeführt. Zwei Jahre später schrieb er mit "Traumspiel" nach einer literarischen Vorlage von August Strindberg seine erste Oper. Kritiker sprachen von der "hermetischen Abgeschlossenheit" der Tonsprache, die sich aber immer mit überraschenden Klängen lichte.
Während sich viele seiner Kollegen den Experimenten der seriellen Musik hingaben, lehnte Reimann den Zwang der Avantgarde ab. "Ich fand, das bin ich nicht." Er habe sich deshalb außerhalb der großen Strömungen der Neuen Musik bewegt.
Mit seinen Liedkompositionen wurde Reimann zu einem der zentralen Vertreter dieser Gattung in Deutschland im 20. Jahrhundert. Dazu gehören die "Fünf Gedichte von Paul Celan" (1960), die er für Fischer-Dieskau schrieb. Es folgten weitere sieben Liederzyklen, meist für Sopran- oder Baritonstimme, für die Reimann unter anderem Texte von Hölderlin vertonte. Besonders nahe fühlt sich Reimann dem Komponisten Robert Schumann (1810-1856).
Zu Reimanns Opernerfolgen zählt die "Troades" nach einem Drama von Euripides, 1986 uraufgeführt. Die nach Kafkas Erzählung "Das Schloss" komponierte Oper nannten Kritiker "einen großen Wurf". Begeistert reagierte das Dresdner Publikum 1994 auch auf die "Melusine"-Uraufführung in der Semperoper. Zur Uraufführung des Jahres kürten Kritiker 2002 Reimanns siebte Oper "Ber narda Albas Haus" nach einem Text des spanischen Dichters Federico García Lorca.