Edvard Grieg, der mit wildem weißen Haar und Schnauzbart auf alten Fotos aussieht wie ein Urvater von Albert Einstein, Albert Schweitzer und dem US-Schauspieler Christopher Lloyd in "Zurück in die Zukunft", starb am 4. September 1907 in seiner Geburtsstadt Bergen. Zehntausende Lands leute ehrten ihn beim Begräbnis auch als musikalischen Geburtshelfer der zwei Jahre zuvor erkämpften Unabhängigkeit von Schweden.
Im ewig verregneten Bergen steht am Todestag als Höhepunkt des Grieg-Jahres ein Konzert auf dem "Trollhügel" auf dem Programm, wo sich der Komponist der Romantik als gefeierter Star der internationalen Musikszene 1885 eine Prachtvilla mit Fjordaussicht hatte bauen lassen. Am 15. Juni 1843 war er in Norwegens zweitgrößter Stadt als Sohn einer Klavierlehrerin und eines Kaufmannes zur Welt gekommen.
Obwohl Grieg als Freund oder zumindest anerkannter Kollege von Zeitgenossen wie Antonin Dvorak, Anton Bruckner, Johannes Brahms und auch Richard Wagner galt, war er in der Heimat sehr lange umstritten. Weder wollte ihn das Osloer Nationaltheater als Kapellmeister, noch fand er einen norwegischen Musikverleger für sein später berühmt gewordenes Klavierkonzert in a-Moll.
Den Durchbruch schaffte der nur 1,56 Metern große Grieg 1863 in Kopenhagen. Zwei Jahre später begegnete er in Rom dem Dramatiker Henrik Ibsen (1828-1906), den die Norweger als ihren Nationaldichter ansehen. Griegs Suiten zu Ibsens Drama "Peer Gynt" gehören inzwischen zu immer wieder gespielten Orchesterklassikern. Ihre eingängigen Themen werden heute noch von Reklameproduzenten und Schöpfern elektronischer Musik immer wieder gern verwendet.
Dem Komponisten selbst missfiel die eigene Ibsen-Vertonung derart, dass er 1876 weder zu den Proben noch zur Uraufführung erschien und die Noten nicht drucken lassen wollte. "Es klingt nach Kuhfladen und Selbstbeweihräucherung", urteilte er. Das sehen seine Nachkommen inzwischen aber doch ganz anders. Im vergangenen Jahr, zum 100. Todestag von Ibsen, setzten die Norweger "Peer Gynt" mit der romantischen Musik Griegs an Originalschauplätzen vor den Pyramiden im ägyptischen Gizeh pompös in Szene.
Als wichtigste musikalische Leistung des Komponisten gilt seine Integration traditioneller norwegischer Volksmusik in klassische Kompositionen. "Ich liebe Norwegen, gerade weil es so arm ist", sagte Grieg über seine Heimat - inzwischen dank Öl und Gas in der Nordsee eines der reichsten Länder der Welt. Grieg starb im Krankenhaus von Bergen mit 64 Jahren, gezeichnet auch von den Folgen eines harten Tourneelebens.