ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Noch immer „Blondogamist“

Mantamähne, Sonnenbrille, aufgeknöpftes Hemd mit Goldkettchen, Pelzmantel über der Schulter, Blondine an der Hand – Rod Stewart war die Verkörperung der 70er Jahre. Von Christoph Driessen

Für die Ilja-Richter-Generation gehören Hits wie "Sailing" und "Da Ya Think I'm Sexy" zum Soundtrack ihrer Jugend. Heute wird der britische Rocksänger 60, und er hat immer noch die gleiche Frisur wie damals und auf den ersten Blick sogar immer noch die gleiche Blondine neben sich. Jeder andere würde sich lächerlich machen. Rod darf bleiben, wie er ist.
Das heißt, ganz so stimmt es auch nicht. Es hat sich schon etwas geändert: "Wenn man 23 ist, will man einfach nur mit jeder ins Bett. Jetzt will ich mit meinen Kindern und meiner wunderbaren Freundin zusammen sein." Der "Serien-Blondogamist" ("The Times") hat fünf Kinder aus drei Beziehungen und ist zurzeit mit der Fotografin Penny Lancaster zusammen, die anfangs nicht so blond war, jetzt aber schon. Der Legende zufolge leben in seinem Hauptwohnort Los Angeles alle seine Kinder und deren Mütter nicht weiter als fünf Autominuten von ihm entfernt. Mit allen Ex-Partnerinnen unterhalte er noch ein gutes Arbeitsverhältnis, beteuert der Mann, dem ein Musikmagazin einmal das Frauenbild eines Neandertalers unterstellte.
Seit einiger Zeit ist Reibeisen-Rod wieder ganz oben. Im Oktober belegte er mit seinem Album "Stardust. . . The Great American Songbook Volume III" erstmals seit 25 Jahren wieder den Spitzenplatz der US-Charts. "Ein Mann von zweifelhaftem Geschmack auf fast allen Gebieten - außer dem der Popmusik", so beschreibt ihn der "Independent". Früher, als er sich auf der Bühne noch in Satin und Leopardenfell hüllte, hätte er nach eigenem Bekunden nie gedacht, dass er noch im Rentenalter Erfolg haben könnte. Erst als er vor einigen Jahren ein Konzert von Tom Jones besucht habe, sei ihm überhaupt klar geworden: "Der Mann ist 60, so alt kann man werden."
Der geborene Showman, der nach eigenem Bekunden früher täglich "Stunden vor dem Spiegel" verbrachte, was ihm den Beinamen "Rod der Eitle" eintrug, trainiert auch heute noch fast täglich im Fitness-Studio oder auf dem Fußballplatz. Daheim in England hat er sein eigenes Feld, komplett mit Duschen und Umkleidekabinen. Frauen und Fußball, so sagt er noch heute in jedem zweiten Interview, seien seine beiden Hauptinteressengebiete.