Im Großen Haus sollen unter anderem der Brandschutz, die Elektroanlage sowie die Be- und Entlüftung auf modernen Stand gebracht werden. Die Toiletten bedürfen ebenso einer Erneuerung wie die Bestuhlung, die in der zweiten Bauphase ab Januar 2007 ausgetauscht werden soll. Dabei wird mehr Komfort angestrebt, weshalb 20 Stühle weniger als bisher zur Verfügung stehen werden, das Große Haus dann also noch 660 Plätze hat. Geplant ist außerdem, Logen nach historischem Vorbild wiederherzustellen.
Gerade die Sitzgelegenheiten waren in der Vergangenheit oft bemängelt worden. Jetzt will das Theater zunächst einen Musterstuhl ins Parkett einbauen - als Testmodell, zu dem die Zuschauer ihre Meinung äußern können. Was geschieht mit den alten Stühlen, die auf den ersten Blick gar nicht den Eindruck machen, als gehörten sie schon auf den Müll? Eine Versteigerung bietet sich an, Interesse sei von treuen Gästen des Theaters schon angemeldet worden, so Schüler.
Die Bauarbeiten sollen knapp 3,9 Millionen Euro kosten, finanziert aus europäischen, Bundes-, Landes- und städtischen Mitteln sowie aus dem Haushalt der Brandenburgischen Kulturstiftung. Martin Schüler hat den 100. Theatergeburtstag am 1. Oktober 2008 im Blick: „Bis dahin soll alles fertig sein und Zukunftsoptimismus ausstrahlen.“
Und bis dahin müssen nicht nur einige Anlagen erneuert werden, die noch aus dem Jahr 1908 stammen. Bis dahin will das Ensemble unter anderem im Cottbuser Stadthaus auftreten, das ja bis 1908 schon einmal ein Theater war.
Unter den Ausweichspielstätten sind noch einige weitere sehr interessante Orte für die Kunst. Etwa das Hochspannungs-Labor der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU), in dem am 6. Mai die Spannung noch ein wenig höher sein wird. Dann hat hier nämlich das Ballett „40 Tage“ Premiere. Die BTU stellt mit dem Lehrgebäude 9 eine weitere Spielstätte zur Verfügung. In dem Haus, jährlich Hauptaustragungsort des Festivals der bundesdeutschen Studentenkabaretts, war schon das erfolgreiche urbane Tanztheater „Street Elements“ zu erleben.
Eine zweite Premiere ist noch in dieser Saison auf der wichtigsten Interims-Spielstätte zu erwarten: „Der nackte Wahnsinn“ tobt ab 24. Mai im „Theater am Bonnaskenplatz“ , wie Intendant Martin Schüler das frühere Mehrzweck-Gebäude der Polizei nennt.
Für Konzerte kann zudem die rekonstruierte Oberkirche St. Nikolai genutzt werden. Wie bisher gibt es Aufführungen in der Kammerbühne und der Theaterscheune. Open-Air-Konzerte sind überdies auf dem Gelände der Theaterintendanz, dem Gerichtsplatz und auf dem Schillerplatz vorgesehen, der ebenfalls neu gestaltet wird.
Die Übergangs-Spielorte seien nicht einfach nur Provisorien, erklärt Martin Schüler. Ungewöhnliche Spielorte ließen auch ungewöhnliche Spielweisen erwarten Und die Chance, auch nach den Rekonstruktionsarbeiten die künstlerische Herausforderung öfter mal außerhalb des Großen Hauses zu suchen.