Herr Staatsminister, welche Auswirkungen wird die Wirtschaftskrise auf die Kultur haben?

Das ist im Moment noch nicht abzusehen. Zur Panikstimmung gibt es keinen Anlass.

In den USA und anderen Ländern werden bereits Museen und Theater geschlossen. Befürchten Sie solche Folgen nicht auch in Deutschland?

Ich bin als Staatsminister nicht dafür da, Perspektivlosigkeit und Mutlosigkeit zu verbreiten. Im Vergleich zu den USA ist die Kultur in Deutschland auch ungleich günstiger dran. Von den 8,6 Milliarden Euro, die jährlich für die Kultur von privater und öffentlicher Hand geleistet werden, kommen allein 90 Prozent von den öffentlichen Händen. Das schafft Sicherheit und Stabilität. Und ich bin froh, dass wir in so einem System leben. Denn in Amerika ist es genau umgekehrt.

Aber es gilt: Zuerst wird bei der Kultur gespart. Sie haben angekündigt, Ihren Haushalt weiter steigern zu wollen. Werden Sie ihr Versprechen halten können?

Ich habe meine Ankündigungen bisher alle gehalten. In jedem meiner Amtsjahre wurde mein Haushalt erhöht, in nun drei Jahren um gut neun Prozent. Wir werden weiter zulegen, auch um Signale in der Krise zu setzen.

Das heißt aber nicht, dass Länder und Kommunen es Ihnen gleich tun werden.

Die Ausgaben für Kultur schwanken zwischen 0,8 und 1,6 Prozent eines Etats. Mit der Reduzierung von Kulturausgaben lässt sich ein Haushalt also nicht sanieren. Hinzu kommt: Allein im zweiten Konjunkturpaket sind für Infrastrukturmaßnahmen 3,5 Milliarden Euro vorgesehen. Ich appelliere an Kommunen und Länder, das Geld auch für kulturelle Bauten, für dringend benötigte Investitionen an Theatern und Kulturzentren auszugeben. Ich weiß, dass wir da in einem Wettbewerb mit anderen Einrichtungen stehen, zum Beispiel mit Bildungseinrichtungen. Die Kultur macht aber für viele das Leben erst erträglich.

Insbesondere der Film ist in Deutschland längst ein Wirtschaftsfaktor. Wie krisenfest ist die Branche?

Die kleineren und mittleren Produktionen werden zu einem wesentlichen Teil durch öffentliche Mittel finanziert. Das ist schon mal ein Vorteil. Ich war in Los Angeles in Verbindung mit der Oscar-Verleihung. Dort habe ich dieses Thema auch mit den großen Produzenten und Filmschaffenden besprochen. Die Stimmung mit Blick auf den Standort ist noch eine gute, auch wenn sich die Krise bemerkbar machen wird. Aus dem Kinobereich wird mir übrigens gesagt, dass gerade in kritischen Zeiten die Zahl der Besucher wächst, weil man sich eine Kinokarte eher leisten kann als eine für das Theater.

Ist das für Sie ein Rezept gegen die Krise, Eintrittspreise für Theater oder Museen zu senken, um so mehr Menschen anzulocken?

Ja. Sinkende Eintrittspreise könnten ein Ventil sein, um eine Besucherflaute zu verhindern. Mir ist diesbezüglich aber auch der Faktor kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. In der Krise umso mehr. Da gibt es schon positive Versuche von einigen Museen, für bestimmte Gruppen an bestimmten Tagen keinen Eintritt zu verlangen. Über die Frage der Belastungen der Haushalte solcher Museen und zusätzlicher Mittel wird dann zu reden sein.

Einige Kulturbereiche sind stark vom Sponsoring durch Unternehmen abhängig. Spüren Sie schon eine neue Zurückhaltung der Wirtschaft?

Der private Anteil ist besonders hoch bei Festivals oder Sonderausstellungen. Dass es zu Rückzügen von Unternehmen kommen wird, liegt auf der Hand. Aber wir können dies in Grenzen halten, weil die Wirtschaft um die Wirkung ihres Engagements weiß. Deswegen bin ich im Gespräch mit Sponsoren und Stiftungen. Und ich stoße auf positive Resonanz beim Werben darum, an den Kulturbereich nicht die Axt zu legen.

Mit Bernd Neumannsprach Hagen Strauß