ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:55 Uhr

Staatstheater Cottbus
Zurück in die Zukunft – die neue Spielzeit

Aufbruchstimmung während der Pressekonferenz. Renè Serge Mund (Mitte) baut als Interims-Geschäftsführender Direktor auf Vertrauen.
Aufbruchstimmung während der Pressekonferenz. Renè Serge Mund (Mitte) baut als Interims-Geschäftsführender Direktor auf Vertrauen. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. „Mit Pauken und Trompeten“ wurde die Pressekonferenz des Staatstheaters Cottbus angekündigt. Nach dem Drama der vergangenen Wochen schwenkte der neue Geschäftsführende Direktor Renè Serge Mund kurzerhand um: „Mein Motto ist Vertrauen“.

Nach mehrmaligem Verschieben der Pressekonferenz hätte man am Donnerstag fast vergessen, den Journalisten Honig ums Maul zu schmieren. Dabei ist das doch mal endlich wieder eine köstliche Nachricht aus dem Staatstheater: Drei Bienenvölker umschwirren das Dach des Großen Hauses und sorgen für himmlischen Cottbuser Theaterhonig.

Aber was weitaus ermutigender ist: Auch ansonsten stehen die Zeichen auf Neuanfang. Das macht René Serge Mund, der am Montag zunächst einen Zweimonatsvertrag als Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters unterzeichnet hatte und seit Mittwoch auch den Vorstandsvorsitz der Brandenburgischen Kulturstiftung übernommen hat, gleich zu Beginn klar: „Ich habe zugesagt, weil ich absolutes Vertrauen in die Fähigkeiten der Sänger, Schauspieler, Musiker, Tänzer und auch aller anderen Mitarbeiter habe. Und ich weiß, dass ich das Vertrauen der Kollegen habe. Deshalb will ich alles tun, damit wir zuversichtlich in die Zukunft blicken können“, verspricht er und versichert: „Mein Motto ist schlicht und einfach Vertrauen.“

Nach den dramatischen Zerwürfnissen im Musiktheater, Beurlaubung des Generalmusikdirektors, Rücktritt des Intendanten und fristloser Kündigung des Geschäftsführenden Direktors soll nun endlich der Spielplan die Hauptrolle spielen. Was allerseits auch respektiert wird. Und doch bleiben Fragen und Assoziationen zu den Geschehnissen hinter der Bühne nicht aus: Etwa, wenn Schauspieldirektor Jo Fabian vom „Nirvana“, der nächsten Stückentwicklung spricht – ein Nachdenken über Zukunftssehnsüchte junger Menschen. Oder wenn Lukas Pohlmann, erster Dramaturg in der neuen Spielzeit, für „Theater als offenen Kommunikationsort“ plädiert und dann doch als Schauspieleinstieg „Brassed off – Mit Pauken und Trompeten“ ankündigt.

Die „Meistersinger“ sollten eigentlich im Mittelpunkt des Opernspielplans stehen. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen sei das kaum zu stemmen, deutet Serge Mund an. Bei Wagner aber sei es geblieben. Die schauer-romantische Oper „Der fliegende Holländer“ unter der Leitung von Alexander Merzyn steht nun auf dem Plan. Sie erzählt von Sehnsucht nach Ruhe und Halt. „Eingerahmt wird die Oper von Produktionen, die von der heiteren Seite auf die Welt blicken“, sagt Dramaturgin  Carola Böhnisch, die das Musiktheaterprogramm vorstellt.

Martin Schüler ist nicht zur Pressekonferenz gekommen, da es ja um die neue Spielzeit gehe, wie Dr. Serge Mund auf Nachfrage erklärt. Er werde wohl zunächst auch als Gastregisseur nicht präsent sein, wolle eine Atempause einlegen. Allerdings werde es wohl bei der Schüler-Inszenierung der „Effi Briest“-Oper bleiben. Man hoffe auch, dass die Sopranistin Liudmila Lokaichuk wie geplant die Titelpartie singen werde. Sie verlässt zum Ende dieser Spielzeit das Haus.

Dafür verstärken Rahel Brede und Martin Shalita die Opernsparte. Aus dem Schauspielensemble gehen Kristin Muthwill und Henning Strübbe nach Potsdam. Es kommen Lena Sophie Vix, Sophie Bock und Josephine Fabian als Elternzeitvertretung für Ariadne Pabst. Aus dem Ballett verabschieden sich Mikaël Champs und René Klötzer, dafür kommen Raffaele Scicchitano und Jhonatan Arias Gómez.

Das Ballett verzaubert in einer Uraufführung im Großen Haus mit „Alice im Wunderland“, wie Ballettchef Dirk Neumann verrät. In der Kammerbühne lädt „Casanova“ zu einem üppigen Tanzfest der Begegnungen.

Konzertdramaturg Bernhard Lenort macht auf ein anspruchsvolles Konzertprogramm neugierig mit  Komponistenporträts von Mozart, über Rossini, Bernstein bis Tschaikowski. Unter den Uraufführungen ragen drei längere „Brandenburgische Doppelkonzerte“ hervor, eine Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte, ermöglicht durch die Förderung im Programm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Das Philharmonische Orchester erhielt 450 000 Euro – eine bundesweite Wertschätzung für die Arbeit des Klangkörpers.

Apropos Wertschätzung: Der Förderverein unterstützte Theaterproduktionen in der vergangenen Spielzeit mit mehr als 23 000 Euro.

Wer allerdings den Takt bei den Konzerten in der neuen Spielzeit angeben wird, ist noch nicht in jedem Falle geklärt.

Das Deckblatt des Spielzeitheftes 2018/2019. Auch das Heft braucht jetzt eine Runderneuerung.
Das Deckblatt des Spielzeitheftes 2018/2019. Auch das Heft braucht jetzt eine Runderneuerung. FOTO: Staatstheater Cottbus
Premieren 4c
Premieren 4c FOTO: LR / Katrin Janetzko