"Ich bin zutiefst irritiert in Bezug auf den unprofessionellen und völlig würdelosen Umgang der Bayreuther Festspiele mit der Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier und dem Darsteller Lance Ryan", teilte er in einer seiner seltenen öffentlichen Stellungnahmen mit. Er habe sogar überlegt, am Grünen Hügel das Handtuch zu werfen. Denn: "Wo Wagner drauf steht, muss vor allem Mensch drinnen sein."

Am Pult des altehrwürdigen Festspielhauses war der 1972 in Sibirien geborene Petrenko endgültig zu einem der begehrtesten Dirigenten überhaupt geworden. Seine Arbeiten sind kraftvoll und präzise. Seit 2013 ist der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper auch in Bayreuth gefeierter Dirigent von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" bei den Richard-Wagner-Festspielen. Kritiker und Publikum sind sich einig: "Er kann es einfach", sagte der geschasste Bayreuther "Siegfried"-Tenor Lance Ryan.

Petrenko gilt als unermüdlicher Perfektionist. Dazu passt auch, dass er sich - zum Ärger der Bayreuther Festspielleitung - schon vor der Debatte um Wagner-Pasquier und Ryan dazu entschloss, den vierteiligen "Ring" dort in diesem Jahr zum letzten Mal zu dirigieren, um sich auf seine Arbeit in München zu konzentrieren. "Es entspricht nicht Petrenkos akribischem Arbeitsstil und seinem zurückhaltenden Naturell, zeitgleich an mehreren Orten zu arbeiten", sagte der Sprecher der Festspiele, Peter Emmerich.

Nun soll Petrenko der Nachfolger von Sir Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern werden. Wann er dort jedoch als Chefdirigent anfangen wird, ist noch unklar. Sein derzeitiger Vertrag mit der Bayerischen Staatsoper läuft noch bis zum Jahr 2018.

Petrenko wurde als Sohn eines Geigers und einer Musikwissenschaftlerin geboren. Als Elfjähriger debütierte er als Pianist in seiner Heimatstadt Omsk mit dem Sinfonieorchester.