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Neue Bühne Senftenberg fordert: "Brecht auf!"

Intendant Manuel Soubeyrand präsentiert das neue Spielzeitheft.
Intendant Manuel Soubeyrand präsentiert das neue Spielzeitheft. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Lust auf die kommende Spielzeit weckte am Mittwoch die Neue Bühne Senftenberg. Auf der Jahrespressekonferenz wurden die Highlights der neuen Theatersaison vorgestellt. Ida Kretzschmar

Mit einem wahren Fest der Sinne, des Denkens und des Vergnügens wird die neue Spielzeit am 19. September eingeläutet, macht Intendant Manuel Soubeyrand neugierig. Der unbekannte Brecht steht im Fokus des Spektakels.

Es ist dem Intendanten anzumerken, dass er sich selbst auch darauf freut, die scharfzüngige, komödiantische, auch erotische Ader des bedeutendsten Dichters des 20. Jahrhunderts vorzustellen.

Wobei er nicht nur darauf verweist, dass der seinerzeit einflussreichste deutschsprachige Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki Brechts Gedicht "Erinnerung an die Marie A." als das schönste Liebeslied bezeichnet hatte, das je in deutscher Sprache geschrieben wurde. Der Intendant rezitiert auch selbst aus dem Lied von der Moldau, ebenso bekannt als "Es wechseln die Zeiten", und verrät, dass Brecht fasziniert war von Jahrmärkten. Einen solchen wird man auch in Senftenberg erleben können.

"Drei - Zwo - Eins" heißt es an diesem genussvollen Theaterabend, bringt es Dramaturg Igor Holland-Moritz auf eine einfache Formel: drei Stücke, zwei Pausen, ein Fest. Wobei auch die Pausen mit überraschenden Brecht-Fragmenten gefüllt werden. "Mutter Courage und ihre Kinder" wird Manuel Soubeyrand inszenieren. "Das Stück passt in unsere Zeit mit den größten Flüchtlingsströmen weltweit", ist er überzeugt.

Hinzu kommen vier weitere Produktionen, unter denen, wie bei Spektakeln üblich, gewählt werden kann. Bei Baal kann man den jungen Brecht, den Bürgerschreck, erleben. Die Kleinbürgerhochzeit ist eine amüsante Milieustudie mit doppelbödigem, bösem Humor und klugem Wortwitz. Mit Puppenspieler Jan Mixsa findet man in Hannibal einen ganz eigenen Zugang zu einem frühen Brecht-Fragment, von dem dieser selbst meinte: "Tragisch und doch lustig." Und mit Lux in Tenebris kann man in die Abgründe des lustvollen Gewerbes abtauchen.

Alle vereint sind dann wieder im Brecht-Lieder-Abend "Tränen, Schnee und gestern Abend", den Bärbel Jaksch zusammengestellt hat, einst enge Spektakel-Mitarbeiterin von Christoph Schroth in Schwerin, bevor dieser in Cottbus Intendant wurde. Und auch die Brecht-Enkelinnen Jenny und Johanna Schall werden in Senftenberg ihre Handschrift hinterlassen, verrät Intendant Soubeyrand.

Überraschend und anregend auch die weiteren Spielplanproduktionen zum Lachen, Weinen und Nachdenken. Von Räuber Hotzenplotz bis zur turbulenten Ladies Night am Senftenberger See. Die Reihe Kabarett à la Carte wird weitergeführt. "Stimmen aus dem Exil" erklingen in einem deutsch-polnischen Theaterprojekt.

Mit Neuem und Bewährtem sollen wieder mehr Besucher ins Theater gelockt werden. Sind es derzeit, leicht rückläufig gegenüber den Vorjahren, etwa 63 000, werden in der neuen Spielzeit Besucherzahlen zwischen 65 000 bis 68 000 anvisiert, so Verwaltungsdirektorin Christa Mahl. Immer wieder geht es dabei um die Jugend: So wird im nächsten Jahr das "Bundestreffen der Jugendclubs an Theatern" vom 19. bis 24. Januar an der Neuen Bühne stattfinden. Außergewöhnliche Inszenierungen, prägende Workshops und lustvolle Diskussionen sind versprochen.

Zum Thema:
19. September: Brecht auf! Das Fest 14. November: Der Räuber Hotzenplotz 28. November: Die Mausefalle 5. Dezember: Heute Abend: Lola blau 16. Januar 2016: Wir waren 20. Februar 2016: Maria Stuart 25. Februar 2016: Die Kuh Rosmarie5. März 2016: Nellie Goodbye22. April 2016: Angstmän28. Mai 2016: Ladies Night, Amphitheater