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| 13:09 Uhr

Der aktuelle Kinotipp
Leidensweg zu den Sternen

Ryan Gosling (r.) als Neil Armstrong in einer Szene des Films „Aufbruch zum Mond“.
Ryan Gosling (r.) als Neil Armstrong in einer Szene des Films „Aufbruch zum Mond“. FOTO: dpa / -
Frankfurt a.M. . Bei „Aufbruch zum Mond“ wird der Filmzuschauer für gut zwei Stunden zum Astronauten.

Gleich in den ersten Bildern wird der Zuschauer durchgerüttelt und -geschüttelt, als säße er selbst in einem Raumschiff, das unter dem Druck der Atmosphäre jeden Moment nachgeben könnte. Damien Chazelle überträgt die Erfahrungen des Weltraumfluges, den ohrenbetäubenden Maschinenlärm, die physische und psychische Belastung, die Einsamkeit und den Druck ganz direkt und unmittelbar ins Kino. Hier wird der Zuschauer für gut zwei Stunden zum Astronauten.

Vor allem die Mondsequenzen, aber auch die diversen Testflugszenen entwickeln dabei eine erhabene, lyrische Schönheit.

Wer in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1969 einst als Kind geweckt wurde, um den historischen Moment live mitzuerleben und damals nur eine diffuse Ahnung von der Größe des Moments hatte, der bekommt jetzt, fast 50 Jahre später, wirklich ein Gefühl für die komplizierten Abläufe, für all die kleinen und großen Probleme, die vor dem Aufbruch in dieses völlig neue Terrain zu bewältigen waren. Das könnte eine ziemlich trockene Angelegenheit sein, wenn Chazelle nicht diese besondere Fähigkeit hätte, den Zuschauer in seine extreme Wahrnehmung hineinzuziehen, in die niederschmetternden Ängste ebenso wie in die hochfliegende Euphorie.

Nachdem sich Chazelles Filme „Whiplash“ und „LaLaLand“ ganz aus seiner persönlichen Leidenschaft für die Musik speisten, verfilmt er mit „Aufbruch zum Mond“ jetzt erstmals ein fremdes Drehbuch, das Josh Singer, Autor unter anderem von „Spotlight“ und „Die Verlegerin“ nach dem Sachbuch „First Man: The Life of Neil Armstrong“ verfasst hat. Den ersten Flug zum Mond schildert der Film nicht als nationalen Triumph, sondern als persönlichen Leidensweg eines zerrissenen Helden. Auf die ikonische Szene, in der die amerikanische Flagge in den Mondboden geschlagen wird, wartet man jedenfalls vergeblich.

Stattdessen gibt es intime Momente menschlicher Unzulänglichkeit, beispielsweise wenn sich der von Ryan Gosling gespielte Neil Armstrong nur auf Druck seiner Frau (Claire Foy) von seinen beiden kleinen Söhnen verabschiedet und dabei in der für die Generation der Nachkriegsmänner typischen Gefühlsverkrüppelung keinerlei Nähe findet. „Noch Fragen?“ Im Grunde hält er auch vor den beiden Kindern nur eine Pressekonferenz ab.

In einem detaillierten Abriss der Jahre 1961 bis 1969 geht es in „Aufbruch zum Mond“ um den steinigen Weg zu den Sternen und die vielen organisatorischen, erfinderischen, aber auch menschlichen Etappen und Rückschläge auf dem Weg dorthin. Die größte Niederlage erlebt Neil Armstrong schon 1962, als seine kleine Tochter im Alter von zwei Jahren an einem Hirntumor stirbt.

Aufbruch zum Mond. Regie: Damien Chazelle. Mit: Ryan Gosling, Claire Foy, Jason Clarke, Kyle Chandler, Patrick Fugk, 141 Minuten, FSK: ab 12

(epd)