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| 17:42 Uhr

Zivilgesellschaft
Zensurversuche und öffentlicher Druck

Die Potemkinsche Treppe in Odessa. Durch Sergei Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) wurde sie zur wahrscheinlich berühmtesten Treppe der Welt.
Die Potemkinsche Treppe in Odessa. Durch Sergei Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) wurde sie zur wahrscheinlich berühmtesten Treppe der Welt. FOTO: Odessaukrain/wikipedia.de
Cottbus/Odessa . Netzwerktreffen „Filmfestivals zwischen zivilgesellschaftlichen Werten und Politik“ in Odessa und Cottbus.

Nachrichten über den Hausarrest für den russischen Regisseur Kyrill Srebrennikov oder die andauernde Haftstrafe für den ukrainischen Filmemacher Oleg Sentsov bestimmen die Wahrnehmung über die Situation von Filmschaffenden in verschiedenen Ländern Osteuropas. Derartige Meldungen zeigen, dass Filmschaffende in den Ländern der Östlichen Partnerschaft (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldau, Ukraine, Weißrussland) und Russland weiterhin unter Druck stehen.

Vor diesem Hintergrund laden das Filmfestival Cottbus und das gegenwärtig stattfindende Odesa International Film Festival heute und morgen in Odesa sowie im November in Cottbus zum wiederholten Male zu einem Netzwerktreffen mit Filmfestivals, Filmemachern und Journalisten aus Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, der Republik Moldau, der Ukraine und Russland ein. „Die zivilgesellschaftliche und politische Kultur sowie die kultur- und geopolitischen Voraussetzungen in und zwischen diesen Ländern könnten dabei kaum unterschiedlicher und widersprüchlicher  sein“, teilt das Filmfestival Cottbus mit. 
Die Länder der Östlichen Partnerschaft und Russland stehen ganz verschiedenen Herausforderungen gegenüber, wenn es um die Auseinandersetzung mit zivilgesellschaftlichen Themen und das kritische Hinterfragen der politischen Kultur geht. Die Netzwerktreffen „Filmfestivals zwischen zivilgesellschaftlichen Werten und Politik“ in Odessa und Cottbus sind dabei eine wichtige Plattform zum Austausch. In Odessa findet dieser im Rahmen einer Konferenz, bei Filmvorführungen und einem Journalisten-Workshop statt.

„Die Konferenz bietet den teilnehmenden Filmfestivals, Filmemachern und Journalisten die Gelegenheit, sich über den unterschiedlichen Umgang mit zivilgesellschaftlichen Fragestellungen in ihren Ländern auszutauschen“, erläutert Bernd Buder, Programmdirektor des Cottbuser Filmfestivals.
Die Netzwerkteilnehmer widmen sich dem Thema „Zensurversuche und öffentlicher Druck durch populistische Akteure aus dem vorpolitischen Raum” sowie der Marktkonzentration russischer Verleiher, die internationale Filme ausschließlich in russischer Sprache zur Verfügung stellen. „Die erste Auflage des Projektes, die 2017 ebenfalls in Odessa und Cottbus stattfand, zeigte den immensen Bedarf der Teilnehmer, sich zu diesen Themen auszutauschen. Vor allem Fragen nach dem praktischen Umgang mit den angesprochenen Problemen und der Wunsch nach einer nachhaltigen gegenseitigen, vertrauensvollen Unterstützung standen und stehen im Vordergrund“, ergänzt Bernd Buder.

Flankiert wird das Netzwerktreffen von öffentlichen Filmvorführungen, in deren Anschluss die Filmemacher mit dem Publikum diskutieren. „Mit der Vorführung und Diskussion von Filmen werden die Filmschaffenden zu Multiplikatoren des zivilgesellschaftlichen Diskurses, indem sie öffentlich Herausforderungen und Perspektiven erörtern“, sagt Julia Sinkyevich, Leiterin des Odesa International Film Festival.

Ein Workshop für junge Filmkritiker aus den beteiligten Ländern, die beispielhaft über die Konferenz und die in diesem Rahmen gezeigten Filme berichten, ergänzt erstmals das Programm. Julia Sinkyevich betont: „Es ist wichtig, unabhängigen Filmjournalismus in den Ländern der Östlichen Partnerschaft und Russland zu fördern und die Journalisten zu ermutigen. Der Workshop ermöglicht ihnen, ein länderübergreifendes Netzwerk zu bilden und sich auszutauschen.“

Das Netzwerktreffen „Filmfestivals zwischen zivilgesellschaftlichen Werten und Politik“ findet im Rahmen des diesjährigen 28. Filmfestivals Cottbus (6.-11. November) seine Fortsetzung. Das Projekt wird organisiert vom Filmfestival Cottbus in Zusammenarbeit mit dem Odesa International Film Festival, das derzeit seine 9. Auflage erlebt (13.-21. Juli) und wird unterstützt vom Auswärtigen Amt in Berlin.