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| 01:01 Uhr

Netzwerk organisierter Schwarzarbeit

München.. Mit Razzien in drei Ländern hat eine Sonderkommission des Zolls gestern ein kriminelles Netzwerk zur Beschäftigung von Schwarzarbeitern aufgedeckt.

Bei den Aktionen in Deutschland, Österreich und Ungarn wurden 134 Objekte durchsucht, fünf Hauptbeschuldigte verhaftet und zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen, teilte die Oberfinanzdirektion Köln in München mit. Die Beschuldigten sollen mit Billigarbeitskräften einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro erwirtschaftet haben.
Ihnen wird vorgeworfen, als kriminelle Vereinigung mindestens 1500 ungarische Arbeitnehmer in die Bundesrepublik eingeschleust und als Billigarbeitskräfte beschäftigt zu haben. Den Verdächtigen wird daherbesonds "Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung ausländischer Arbeitnehmer" vorgeworfen.
Bei schlechtesten Arbeitsbedingungen, ohne Urlaub und angemessene Bezahlung, sollen die Arbeiter vor allem in der Fleischverarbeitung, in der Metallverarbeitung und im Baugewerbe eingesetzt worden sein. Fast alle wurden den Angaben zufolge aufgespürt. Sie arbeiteten in Unternehmen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Allein im Münchner Schlachthof waren danach rund 100 ungarische Arbeitskräfte illegal beschäftigt worden. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand handelt es sich um einen der größten Verdachtsfälle von Wirtschaftskriminalität im Werkvertragsbereich", sagte der Sprecher der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls (FKS), Heinz Michael Horst, gestern in München.
Im Rahmen so genannter Werkverträge dürfen ausländische Unternehmen ihre Arbeitnehmer vorübergehend nach Deutschland schicken. Nach Ermittlungen der FKS handelt es sich aber bei den überprüften ungarischen Unternehmen, die die 1500 Billigarbeitskräfte nach Deutschland entsandten, um Scheinfirmen.
Der Schaden durch hinterzogene Sozialversicherungsabgaben und Steuern sei derzeit noch nicht abzuschätzen, sagte Horst. (dpa/mar)