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| 16:56 Uhr

"Mutti singt's euch noch mal vor"

Simone Beermann probt mit dem Männerchor Peitz.
Simone Beermann probt mit dem Männerchor Peitz. FOTO: Peter Krumpelt
Cottbus. Zum 23. Mal veranstalten der Niederlausitzer Sängerkreis und die Stadthalle Cottbus am 13. Dezember ihre "Lieder im Advent". Zu den rund 250 Mitwirkenden gehört der Männerchor des Sängerkreises mit etwa 50 Sängern aus Bad Muskau, Forst, Peitz und Spremberg – und einer Frau. Peter Blochwitz

Eine Frau leitet einen Männerchor, in diesem Fall obendrein einen Projektchor, der Sänger aus verschiedenen Ensembles vereint? "Selbstverständlich ist das nicht", erklärt Vera Schmidt, Vizepräsidentin des Brandenburgischen Chorverbandes. "Vor 20 Jahren war die gängige Meinung noch, dass das gar nicht geht. Und es gibt immer noch Männer, die das nicht wollen."

Simone Beermann, von der hier die Rede ist, lächelt. Die Diplomlehrerin für Musikerziehung, selbst seit 1984 Chorsängerin, leitet seit 2006 verschiedene Chöre, unter anderen den Männerchor Peitz. Die Männer hängen an ihr, haben Freude an der Probenarbeit, die sie mit Witzen und lockeren Sprüchen würzt. "Mutti singt's euch noch mal vor", spricht die 48-Jährige zu den Herren, die eindeutig nicht ihre Söhne sein könnten. Jedenfalls nicht vom Alter her. Andererseits . . . Auf die Frage, wie der Vergleich zu Frauenchören ausfällt, überrascht Simone Beermann mit der Aussage: "Ein Männerchor ist eine ganz eigene Pflanze, man muss anders proben als mit Frauen. Die Ansagen müssen klarer, detaillierter sein. Frauen sind disziplinierter bei den Proben, die Männer deutlich geschwätziger. Da muss ich schon mal die Ansage machen: ,Kann der Tenor jetzt mal ruhig sein, damit ich die Bässe besser verstehen kann?' Man muss liebevoll, aber konsequent arbeiten. Das ist eigentlich wie Kindererziehung." Der Autor dieser Zeilen, selbst mal Chorsänger, kommt ins Grübeln . . .

Wie kriegt man die Männer eigentlich nicht nur ,in den Griff', sondern dazu, dass sie begeistert von ihrer Chorleiterin sind? "Probenmethodik ist das eine, Psychologie ist wichtig, am wichtigsten aber Empathie", erläutert Brandenburgs Chorverband-Vizepräsidentin Vera Schmidt. "Ein Chorleiter, der die Menschen hinter den Tönen nicht erreicht, kann nicht erwarten, dass die Töne andere Menschen erreichen." Diese Fähigkeit hat Simone Beermann offensichtlich beziehungsweise -hörlich. Und manchmal, so Vera Schmidt weiter, "manchmal kann man's auch nicht erklären. Entweder man hat's oder man hat's nicht. Bei Frau Beermann war das schon zeitig zu sehen, mit 17, 18." Da war die gebürtige Sprembergerin Sängerin des Studentenchors am Institut für Lehrerbildung Cottbus.

Empathie, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit müssen münden in einen großen Spaß an der Sache, weiß Simone Beermann: "Es ist doch selbstverständlich, dass es den Sängern Freude machen soll. Das ist doch ihre Freizeit, ich sehe mich da als Dienstleister."

Und wie gut sie ihren Dienst versieht, wird das Publikum am 13. Dezember bei den "Liedern im Advent" der Niederlausitzer Chöre und Chorvereinigungen und ihrer Gäste in der Cottbuser Stadthalle erleben können.

Mitsingen ist natürlich wieder ausdrücklich erwünscht.

"Lieder im Advent", 13. Dezember, 15 Uhr, Stadthalle Cottbus. Tickets gibt es beim CottbusService in der Stadthalle, Tickettelefon 0355/75 42 444