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| 02:41 Uhr

Mutiges Bekenntnis

Mit seinem autobiografischen Roman "Rabenliebe" sorgte Peter Wawerzinek 2010 für Aufsehen. Die berührende Geschichte des kleinen Jungen, der von seiner Mutter als Waise in der DDR zurückgelassen wird, gewann den renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Nada Weigelt

Jetzt hat der 59-jährige Autor aus Berlin mit "Schluckspecht" eine Art Fortsetzung seiner Lebensgeschichte vorgelegt - ein erschütterndes und doch auch versöhnliches Porträt eines Mannes, der am Alkohol fast zerbricht. Schonungslos offen berichtet der Ich-Erzähler, wie sein Leben nach dem ersten Nippen an den Likörgläsern der Ziehmutter ("Tante Luci") auf eine "abwärtsführende Rutschbahn in Flaschenhalsgrün" gerät: Erst ist es die selbstgebraute "Schwarze Johanna", später Bier, Wein, Schnaps, alles. Er trinkt sich ins Koma und träumt von "richtigen Eltern", bis das Leben nur noch aus wüsten Runden mit den Saufkumpanen, zerbrochenen Beziehungen und Gewaltausbrüchen besteht. "Lauter kleine Hilferufe. Ich wollte nicht nur zur Tür hinausgeworfen werden, ich wollte gerettet werden."

Peter Wawerzinek: Schluckspecht. Galiani Verlag Berlin 2014, 340 Seiten, 19,99 Euro.