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Musikfest Berlin rückt Monteverdi in Fokus

Berlin. Mit großer Erwartung sehen Musikinteressenten dem diesjährigen Berliner Musikfest im September entgegen. Nicht nur die vielgestaltige Programmpalette mit mehr als 80 Werken von rund 40 Komponisten, gestaltet von 20 Instrumental- und Vokalensembles sowie zahlreichen Solisten, vermag da zu fesseln. Dietrich Bretz

Immer wieder werden auch Kompositionen ins Blickfeld gerückt, die im Musikalltag im Schatten stehen.

Ein gar seltener Gast in unserem Musikleben ist der große Italiener Claudio Monteverdi (1567-1643), zweifellos der bedeutendste Komponist des Frühbarock. Er bestimmte den bahnbrechenden Wandel der Musik von der Spätrenaissance zum Frühbarock maßgeblich. Seine 1607 in Mantua aus der Taufe gehobene Favola in Musica "L'Orfeo" ist als erste Oper in die Musikgeschichte eingegangen.

Die Vielfalt menschlicher Gefühle in ihrem Widerstreit bildet die Substanz auch in Monteverdis späten Musikdramen "Die Heimkehr des Odysseus" (1641) und "Die Krönung der Poppea" (1642). Mit diesen drei erhaltenen Opern ist der renommierte Dirigent John Eliot Gardiner zusammen mit dem Montreverdi Choir und den English Baroque Soloists sowie einem Solistenaufgebot von Spezialisten für frühbarocke Vokalmusik derzeit auf einer Welttournee unterwegs. Ein Glücksfall, dass die Gardiner-Truppe mit einer halbszenischen Aufführung der drei Opern auch beim Berliner Musikfest gastiert.

In dem imposanten Orchesterreigen des Festivals steht das Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter Daniele Gatti an vorderster Stelle. Wobei die Musiker Bruckners 9. Sinfonie mit Wolfgang Rihms "In-Schrift" für Orchester konfrontieren. Für einen anderen Rihm, dessen 2. Klavierkonzert, engagieren sich der Pianist Tzimon Barto und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin mit Christoph Eschenbach am Pult. Mit gleich zwei Programmen werden die Berliner Philharmoniker interpretatorische Maßstäbe setzen - zum einen mit Bartoks 2. Violinkonzert (Gil Shaham) und Sibelius' 2. Sinfonie in Susanna Mälkkis Deutung, zum anderen mit Hans Pfitzners "Palestrina"-Vorspielen und Bruckners "Romantischer" unter Marek Janowski. Thematisch weit gefächert zeigt sich das im Antrittskonzert von Vladimir Jurowski als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Beethovens 5. Sinfonie und Schönbergs Violinkonzert (Christian Tetzlaff) korrespondieren da ebenso miteinander wie Luigi Nonos Opus "Julius Fucik" und Isang Yuns "Dimensionen" für Orchester. Isang Yun, dem vor 100 Jahren geborenen und 1995 verstorbenen, mit Berlin so eng verbundenen koreanischen Komponisten, ist eine Porträtreihe gewidmet.

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