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| 02:38 Uhr

Museen erzählen Sammlungsgeschichten

"Schlaglichter"-Kuratoren Herbert Schirmer, Ulrike Kremeier und Armin Hauer (v.l.) vor Harald Metzkes' "Polytechnischer Unterricht" im Kunstmuseum dkw. Cottbus.
"Schlaglichter"-Kuratoren Herbert Schirmer, Ulrike Kremeier und Armin Hauer (v.l.) vor Harald Metzkes' "Polytechnischer Unterricht" im Kunstmuseum dkw. Cottbus. FOTO: dpa
Cottbus. "Schlaglichter. Sammlungsgeschichte(n)" heißen drei Ausstellungen, die ab dem Wochenende im dkw. Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, im Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder) und im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR Eisenhüttenstadt bis Mitte April zu sehen sein werden. Ida Kretzschmar

Es ist ein Kunstwerk-wechsle-dich vor der für den Sommer geplanten Fusion zu einem Brandenburgischen Landeskunstmuseum an den zwei Standorten Cottbus und Frankfurt (Oder). Zum besseren Kennenlernen der Werke des jeweils anderen, aber auch zum besseren Verständnis der Sammlungsgeschichte und der kulturhistorischen Hintergründe, wie die Leiterin des Kunstmuseums dkw. Cottbus, Ulrike Kremeier, unterstreicht, die mit Carmen Schliebe, Barbara Martin und Jörg Sperling zu den Kuratoren der Schau in Frankfurt gehört.

Anekdoten hinter dem Bild

In mehreren Räumen des Cottbuser Museums, das 1977 gegründet wurde, haben bereits Werke aus dem Frankfurter Museum, das bereit 1965 entstand, ihren Platz gefunden. 200 Arbeiten, Plastiken, Aquarelle, Malerei und Druckgrafiken sind zu sehen. "Eine Auswahl aus 11 000 Werken zu treffen, ist nicht so einfach", sagt MJK-Kurator Armin Hauser, der mehr über die Werke zu erzählen weiß, als sich auf den ersten Blick dem Betrachter erschließt. Da ist Harald Metzkes' Gemälde "Polytechnischer Unterricht" aus dem Jahr 1959. "Ein kunsthistorischer Zwitter", wie Hauer bemerkt. Sozialistischer Realismus, gepaart mit abstrahierenden, spätkubistischen Formen, damals als "bürgerlich-dekadent" eingestuft. Und doch kam es 1971 als Geschenk des Rates des Bezirkes Cottbus ins Frankfurter Museum. Eine Anekdote besagt, dass es vorher im Cottbuser Tierpark aufbewahrt wurde . . . So ist an jedem der ausgewählten Werke auch vermerkt, wie und wann es in die Sammlung kam. Im Katalog, der ab Februar wie das ganze Ausstellungsprojekt auch mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Spree-Neiße und der Sparkasse Oder-Spree möglich wird, gibt es noch Ausführlicheres dazu.

Manches, wie Mattheuers "Fenster II", 1966 entstanden und seit 1966 im Frankfurter Bestand, wanderte direkt aus dem Atelier ins Museum. Oft aber unterscheiden sich Entstehungsjahr und Ankaufsjahr. So geraten Grafiken von Käthe Kollwitz neben eine sozialistische Arbeiterpersönlichkeit von Willi Neubert, beide 1965 erworben. Weitere spannende Dialoge sind zu erwarten.

Indes sind 200 Kunstwerke aus Cottbus im Packhof und in der Rathaushalle in Frankfurt (Oder) zu sehen. In chronologischen Fünfjahresschnitten präsentiert sich Museums- wie Sammlungsentwicklung des Cottbuser Kunstmuseums. Schlaglichter werden hierbei vor allem auf Malerei, Fotografie und Plakat gelenkt. Kunst, die in DDR-Zeiten und nach der Wende zusammengetragen wurde.

Auftragswerke aus Beeskow

Etwas anders stellt sich das Kunstarchiv Beeskow dar, das 70 Werke in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) im Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR präsentiert. Kurator Herbert Schirmer macht deutlich, dass diese mit dem Wegfall der DDR zufällig zustande gekommene Sammlung nicht mit einem systematisch gewachsenen Museumsbestand zu vergleichen ist. Und doch setzen auch diese hauptsächlich in Auftragsarbeit entstandenen Werke bemerkenswerte Schlaglichter auf Kunst in der DDR, vom "sozialistischen neuen Menschentypus" bis zu kritischem Hinterfragen.

Ausstellungseröffnung im dkw. Cottbus am Freitag, 19.30 Uhr, ab 19 Uhr freier Zutritt in die Schau.

www.schlaglichter.net