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Mord – immer eine Option?

König Gunther (Robert Eder/M,) will Brunhild (Eva Geiler) erobern. Drachentöter Siegfried (Tom Bartels) hilft und muss dafür sterben.
König Gunther (Robert Eder/M,) will Brunhild (Eva Geiler) erobern. Drachentöter Siegfried (Tom Bartels) hilft und muss dafür sterben. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Was die Nornen da nur schwätzen von Unheil. Friedlich geht es in dem von Sandrine Hutinet inszenierten zweiten Teil "Mord" zu – zunächst. Renate Marschall

Jeder hat seinen Platz gefunden am Nibelungen-Hof in Worms: König Gunther und seine Brüder Gernot und Giselher geben sich den schönen Dingen des Lebens hin. Deren Schwester Kriemhild, ein Blondchen in Pink, ist mit Mädchenkram beschäftigt. Einzig Hagen von Tronje, treuer Gefolgsmann der Nibelungen, hat die Geschicke des Landes im Blick, er ist der eigentliche Herrscher und ein ausgebuffter Manipulator. Und auch die scheinbar unbesiegbare Brunhild im fernen Island ist ganz zufrieden. Doch Wandel naht.

Aus den Niederlanden kommend sucht Siegfried, übermütiger Haudrauf, bei den Nibelungen eine Aufgabe. Nebenbei verliebt er sich in Kriemhild. Gunther kommt der naive Fremde gerade recht. Er will um Brunhild freien, aber die Kräfte reichen nicht. Mittels einer List wird ihm Siegfried die Braut heimholen. Das Unglück schlüpft gleich mit herein. Brunhild fühlt sich fremd in dieser bunten Welt. Nur Siegfried wäre ihr ebenbürtig gewesen, das ahnt Brunhild, aber der hatte sie verschmäht. Sie hasst Kriemhild, Siegfried und eigentlich auch alle anderen. Als sie dann noch durch Kriemhild erfährt, wie sie betrogen wurde, sinnt sie auf Rache, die ihr Hagen aus purem Eigennutz erfüllt. Dieser niederländische Recke hat ihm den Rang abgelaufen, sein Tod soll alles wieder ins Lot bringen und ist doch der Anfang vom Ende.

Und wer ist schuld? Die schicksalhaften Nornen oder doch eher die Menschen mit ihren Egoismen? Das Fremde, das Veränderung bringt? All das ist in Friedrich Hebbels ersten beiden Akten seines Stückes, das er Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Zeit gravierender gesellschaftlicher Umbrüche in Deutschland schrieb, zu finden und noch mehr. Sandrine Hutinet erzählt das vielschichtig, mit großer Sensibilität für die Psychologie der einzelnen Figuren und ohne aufdringliche Aktualisierung durchaus heutig. Die Typen kennen wir und auch die Triebkräfte für Politik. Nur, dass es kein deutsches Trauerspiel mehr ist, sondern global. Zu erleben war eine Riege hervorragender Schauspieler, deren fantasievolle Kostüme (Jenny Schall) charakterisierten. Mit dem Bühnenbild schuf Stephan Fernau einen variablen Spielort im Irgendwann und Irgendwo.

Fazit: Ein gelungener Abend, der viel darüber erzählt, woher das Unheil auf der Welt kommt, kreativ, teils überraschend, mit viel Denkvergnügen. Etwas fehlte das gewohnte Spektakulum Drumherum.