| 14:10 Uhr

Momo am Staatstheater
Hilfe, Zeitdiebe schleichen in Cottbus herum!

Am Sonntag um 11 Uhr hat „Momo“, ein Märchen nach dem Roman von Michael Ende für alle ab sechs, in einer Fassung von Jörg Steinberg am Staatstheater Cottbus Premiere. Schauspieler verrieten der RUNDSCHAU, was ihnen persönlich und ihren Märchenfiguren die Zeit bedeutet. Denn seltsame grau gekleidete Herren sind unterwegs, die es auf die Zeit abgesehen haben.⇥Fotos: Marlies Kross

Ariadne Pabst

spielt Momo, die den Menschen
ihre von den „grauen Herren“
gestohlene Zeit zurückbringt.

FOTO: Kross

Zeit zu haben, mich auf die Dinge, die mir am Herzen liegen, einzulassen, ist im Alltagstrubel ein echtes Geschenk. Mich erschreckt es, wie sehr „die grauen Herren“ von unserer Gesellschaft Besitz ergriffen haben und dass auch in mir ein kleiner grauer Herr wohnt, der mich hetzen lässt. Viel zu oft kommen dabei die Belange meiner Familie zu kurz. Zu wissen, dass es ihn gibt, ist vielleicht ein Anfang, mit ihm umzugehen.

Rolf-Jürgen Gebert

spielt den Straßenkehrer Beppo,
der mit Momo befreundet ist
und das sehr genießt.

FOTO: Kross

Meine Figur hat ihren eigenen Lebensrhythmus, empfindet die Geschäftigkeit, das Für-einander-keine-Zeit-Haben als „nichts Gutes“. Seine Haltung, anzufangen und immer nur auf den nächsten Schritt zu achten, hat mir selbst geholfen, auch große Herausforderungen zu bewältigen. Mir macht es auch Freude, einen alten Mann zu spielen, der die Freundschaft zu einem Kind genießt. Einfach so!

David Kramer

spielt die Schildkröte Kassiopeia, eine Vertraute Meister Horas,
die nicht blind durchs Leben rast.

Kassiopeia kann genau eine halbe Stunde in die Zukunft gucken. Was für ein unrealistischer Menschheitstraum, dachte ich, bis ich bei den Proben hinter ihr Geheimnis kam: Kassiopeia nimmt sich Zeit für ihr Leben. Sie ist nur scheinbar langsam, doch sieht so Gefahren schneller. Anders als der, der blind durchs Leben rast. Wer in die Zukunft gucken will, muss sich Zeit nehmen für die Gegenwart.

FOTO: Kross

Maja Lehrer

spielt die Puppe Bibigirl –
ein Geschenk der „grauen Herren“, um Momo abzulenken.

FOTO: Kross

Die Puppe Bibigirl ist Spiegelbild einer Gesellschaft, die immer oberflächlicher wird. Sexy ist das neue klug. In ihrer Welt gibt es nichts Echtes, nichts worauf man sich verlassen kann. Sie will alles haben, aber nichts dafür tun. Zeit spielt für sie keine Rolle. Die Zeit, die ich selbst auf dieser Welt habe, ist für mich ein wertvolles Geschenk. Jeder Moment, erscheint er noch so alltäglich und grau, hat es verdient, gefeiert zu werden.

Maxim Agné

spielt Fremdenführer Gigi,
ein enger Freund Momos
und angehender Superstar.

FOTO: Kross

Gigi ist die Zeit eigentlich egal. Er erfindet lieber Musik, wo immer er steht und geht. Dabei denkt er nicht an die Zeit, sondern lebt nur im Moment. Manchmal bin ich ihm da gar nicht so unähnlich. Durch Gigi habe ich wieder besser verstehen gelernt, dass die Zeit kein „Feind“ ist, sondern dass die schönsten Momente des Lebens eben genau darin bestehen, gerade nicht an morgen oder gestern zu denken.

Susann Thiede

spielt Meister Hora,
den Verwalter der Zeit, der anhalten kann, was nicht anhaltbar ist.

FOTO: Kross

Manchmal möchte ich „zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!“ Meister Hora kann die Zeit anhalten. Um sein Nirgendhaus läuft die Zeit rückwärts. In unserer Welt gibt es keinen Meister Hora. Wir können die Zeit nicht festhalten, nichts zurücknehmen, nichts wiederholen. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir nur kurz auf der Erde sein dürfen. Carpe Diem. „Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“