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| 16:56 Uhr

Geburstagskonzerte
Modern Soul zum „50.“

Modern Soul feierte gestern in Guben.
Modern Soul feierte gestern in Guben. FOTO: Lutz Mueller-Bohlen
Guben. Band gibt Geburtstagskonzerte in Berlin, Guben und Neuruppin. Von Thomas Klatt

Stern Meißen haben die 50 schon hinter sich, die verbliebenen Musiker von Renft auch, die Magdeburger Klosterbrüder sind sogar noch ein paar Jahre älter. Wer hätte vor 50 Jahren gedacht, dass es einige der Bands, die damals in der DDR gegründet wurden, heute noch geben würde?

Dem 50. Geburtstag sieht auch die Modern Soul Band entgegen. Gegründet wurde sie 1968 von Gerhard Laartz, den alle seit jeher nur „Hugo“ nennen und dem Bassisten Eugen Hahn, dem heutigen Chef des legendären Jazzclubs in Frankfurt am Main. „Eigentlich hatte ich ja damals ne Beatband, wie wir damals sagten. „Aber wie das so war, wurden die Music-Stromers wegen dekadenter Musik und wegen ihres Auftretens verboten.“

Musiker wie Herbert Dreilich, Wolfgang „Eddie“ Greiser seien dann zu anderen Bands gegangen. Der Moment, eine Soulband zu gründen, war günstig. Die Soulwelle schwappte gerade aus den USA herüber. Die Musik von Wilson Pickett, James Brown und Otis Redding war auch im Osten beliebt.

Ein Jahr später sang Joe Cocker in Woodstock. Alle spürten: da kochte was. Auch politisch. Der Soul war damals in den USA die Musik der Schwarzen, sie kämpften um Anerkennung und gegen Diskriminierung. „Wir haben versucht, das musikalisch nachzuempfinden, dit war unser Ding“, sagt Laartz, der gar nicht erst versucht, aus seinem Berliner Dialekt ein Geheimnis zu machen. „Nach uns haben einige Bands wie College, Stern Meißen, Pantha Rhei (unter anderem mit Veronika Fischer) und Sok auch mit Bläserbesetzungen experimentiert“, so Laartz „Aber wir waren die Ersten und sind es wohl in dieser Art geblieben.“ Laartz hatte sich Musiker geholt wie den Posaunisten Conny Bauer und den Sänger Klaus Nowordworski, die den typischen Sound jener Jahre mitbestimmten.

Der war schon immer etwas Besonders. „Handgemachter Soul eben“, so Hugo. Den Bläsersatz hat er seit jeher nur mit Trompete, Posaune und Saxofon  besetzt. Mehr „Blech“ wollte er nicht. Es sollte ja nicht wie ein Tanzorchester klingen. In 50 Jahren haben viele Musiker mit und bei „Modern“ gespielt, wie die Band damals bei den Fans hieß, als sie an jedem Wochenende in den Klubs, Gaststätten und Kneipen des Landes auftrat und ähnlich wie die Bluesbands eine große Fangemeinde hinter sich herzog.

Regine Dobberschütz, Veronika Fischer, Uschi Brüning, Klaus Lenz mit seiner Bigband, Uwe Hassbecker, Hansi Biebl und Christian Schmidt, der Sänger mit der Cockerstimme, sind nur einige der Weggefährten. Fast 100 Musiker in 50 Jahren müssen es gewesen sein, erinnert sich Laartz, der seit 50 Jahren auch Chef der Band ist. Er schreibt, komponiert und arrangiert das meiste selbst.

Wie kann man über so viele Jahre eine Band zusammenhalten? Mit großer Strenge und scharfen Ansagen? „Na eher mit viel Reden, Diplomatie und Organisation“, sagt Laartz. Disziplin müsse natürlich auch sein. „Und ne Menge Arbeit haste als Bandchef sowieso“, sagt Laartz, der nach dem 50. Geburtstag der Band bald darauf seinen eigenen 78. anhängen kann.

Ob die alten, treuen Fans nicht manchmal enttäuscht sind, weil im Gegensatz zu früher kaum noch Titel gecovert werden? Es stimme schon, viele eigene Songs seien jetzt in deutscher Sprache, aber das sei doch gewollt, sagt Laartz. Man muss doch nicht wie früher die Band Chicago nachspielen. Heute kann jeder Chicago live erleben. „Aber wir haben ein schönes Soul-Medley in Erinnerung an die alten Zeiten im Programm“. Und zur Erinnerung an damals habe er noch eine „Reminiszenz an Chicago mit vielen musikalischen Zitaten wie „25 or 6 to 4“ komponiert.

Mit der jetzigen Besetzung ist Hugo Laartz, der Keyboarder, zufrieden. Da sind der Sänger und Show-man Dirk Lorenz, der Trompeter Ferry Grott, die Saxofonistin Mercedes Wendler, Posaunist Stephan Bohm, Bassist Jörg Dobersch, Gitarrist „Nick“ Nicklisch und der Schlagzeuger Mathias Fuhrman.

Zu den Geburtstagskonzerten stehen wie schon zum „40.“ eine Reihe guter Freunde auf der Bühne. Das war in Berlin und auch gestern in Guben so. Für heute Abend in Neuruppin haben sich Brüning, Dobberschütz, Lenz, Bauer, Kotowski und Pabst von der Jonathan Blues Band angekündigt.