Der Raum ist ein Ereignis. Tritt man in den Betonkubus M 2 im Kunstmuseum Dieselkraftwerk, ist man in einer anderen Wirklichkeit, einer von Kunst geschaffenen. Ringsum nehmen großformatige Malereien den Besucher suggestiv in eine provozierend stille Welt auf. Die Bilder beherrschen souverän den Raum. Sie hängen nicht nur an Wänden, sie öffnen Wände in eine verblüffende, faszinierende künstlerische Wirklichkeit.

Ein erster Blick scheint banale Realitäten in den Bildern von Thoralf Knobloch zu entdecken. Doch die Zufälligkeiten einer Landschaft, eines Weges, eines Hauses, eines Gerätes, eines Haufens Holzabfall sind in strenger Bildkomposition zur Ordnung gebracht, in Form und Farbe mit Entschiedenheit ins Bild gestellt und darin in Zeitlosigkeit aufgehoben. Je strenger, je präziser die Form der Dinge erfasst wird, desto mehr öffnet sich der virtuelle Raum für den Betrachter, sich mit seinen Assoziationen darin zu finden.

Die über zwei Stockwerke verteilte Bildauswahl aus dem letzten Jahrzehnt des Schaffens von Thoralf Knobloch beginnt mit einer frühen Arbeit aus dem Jahr 2000, dem Fragment einer Hausfassade mit verschneitem Dach. Hier ringt er noch - Übermalungen sind deutlich zu sehen - um eine monochrome Farbgebung der Flächen. Dieses Suchen und Ausprobieren wiederholt sich in seiner ein Jahr später gemalten "Schaukel" mit dem flockigen Himmel und den getupften Blumen im Kontrast zur Form- und Farbentschiedenheit der Schaukel. Die Balance mit einer Dominanz monochromer Farbflächen ist gefunden - orientiert man sich an der Auswahl in der Ausstellung - im "Waldbad-Winter". Da findet sich eine sachliche Präzision des Gebäudes in sorgsamem Farbauftrag und ausgewogener Farbwahl. Und da stehen im Hintergrund farbig bewusst verwischte Kiefern. Doch noch ein Wort zu dem Gebäude. Bei aller konstruktiven Funktionalität des Baues im Bild ist es eine eigenständige Reduzierung des Technischen zum malerisch Konstruktiven hin.

Zum Kühnsten und geradezu Provokantesten seiner Bilder gehören die mitunter brutalen Senkrechten im Vordergrund seiner Kompositionen, so auch hier im "Waldbad-Winter" mit dem mächtigen Kiefernstamm. Die klotzige Stellung in der Komposition ist jedoch sensibel ausgewogen.

Diese Senkrechten versperren nicht den Blick, sondern ziehen ihn in den Bildraum. Ähnliches findet man immer wieder wie bei den "Verkehrszeichen" bis hin zu dem Stromleitungsmast.

Die faszinierendste Arbeit dürfte Knoblochs über zwei Meter breites Bild "Hinter den Scheunen" von 2003 sein. Er wagt es, mit einem schwarzen Schatten das untere Drittel des Bildes zu füllen, so kompakt, dass ein sicher zufällig entstandener winziger blauer Farbspritzer geradezu tröstlich darin wirkt. Das schwarze Formenkonstrukt des Vordergrundes korrespondiert mit der eigenwilligen Kontur der Dächer. Die Bilddynamik ist perfekt, letztlich erreicht durch das blaue Rechteck in der linken Bildhälfte, möglicherweise eine Tafel am Straßenrand, entscheidend als Teil eines künstlerisch funktionierenden Formorganismus'. Raum über den Scheunen schafft eine mehr angedeutete als ausgeführte Kiefer - wieder eine Senkrechte, leicht aus der Mitte gerückt. Man sieht den Weg einer die künstlerische Substanz steigernden Abstraktion, der die Lebensadern des Realen noch nicht abgetrennt worden sind.

Dem oberen Raum fehlt die Faszination der ersten Begegnung. Hier beweist Knobloch, wie man aus profanen Dingen ein künstlerisches Bild machen kann. Erst jetzt wird der Ausstellungstitel "Im Abseits" verständlich. Dabei spielen Anregungen durch eigene Fotografien eine Rolle. Es sind Motive, die der Malerei nicht wert scheinen. Knobloch schönt sie nicht, im Gegenteil, er verstärkt ihre Alltäglichkeit, ihre Trostlosigkeit wie in einem seiner Amerikabilder mit einem hohen Leitungsmast in karger Landschaft. Doch da ist immer wieder das sanfte helle Blau des Himmels. Sucht man nach Vergleichen, so kann man seine Landschaften als einen Edward Hopper im Sonnenlicht sehen. Beiden haben es ja Tankstellen in Amerika angetan. Bei aller Flächigkeit der Farbgebung pulsieren Knoblochs Malereien, nicht zuletzt durch das zarte Gespinst feiner Nadellinien, die sich gleich Nervenfasern durchs Bildgefüge ziehen. Jörg Sperling, Kurator der Cottbuser Ausstellung, zählt Thoralf Knobloch zur "namhaften Phalanx jüngerer ostdeutscher Maler aus Dresden und Leipzig, die unter großer Beachtung neue figürliche Positionen in die Gegenwartskunst setzen". Knobloch, Jahrgang 1962, begann sein Kunststudium 1988 an der Hochschule der Bildenden Künste in Dresden bei so namhaften Künstlerpersönlichkeiten und Professoren wie Elke Hopfe, Siegfried Klotz und dem hoch angesehenen Gerhard Kettner. Seinen Diplom-Abschluss machte er als Meisterschüler 1994 bei Ralf Kerbach.

Bis 1. Juli, Dienstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr, Cottbus dkw