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| 01:04 Uhr

„Mit Pop nichts am Hut“

Der „Holzmichl“ ist der Hit 2004. Am vergangenen Samstag wurden De Randfichten nun in Chemnitz mit der „Krone der Volksmusik“ ausgezeichnet. Frisch gekrönt sind sie dann am 13. Februar (18 Uhr) in der Stadthalle Cottbus zu erleben. Wir sprachen mit Michael Rostig über das Phänomen „Holzmichl“ , volkstümliche und Volksmusik. Foto: ddp


Ihr Lied vom Holzmichl ist die meistverkaufte Platte 2004. Haben Sie schon den Schock überwunden„
Die Single steuert auf Doppelplatin zu und das Album wurde auch vergoldet, das ist schon ein Riesenerfolg. Wir können uns den selber kaum erklären, er hat sich einfach so ergeben. Schließlich sind wir nicht daran gegangen und haben gesagt, jetzt versuchen wir mal das und das. Das Ganze hat uns ein bisschen auf dem linken Fuß erwischt.

Es gibt Schlimmeres, oder“
Allerdings.

Sie hatten als erste Volksmusiker Auftritte in den Teenager-Shows "Top of the Pops" und "The Dome". Wie haben die Popmusiker auf Sie reagiert„
Wir wurden einfach zur Kenntnis genommen. Jedenfalls haben wir keine negativen Erfahrungen gemacht, die kannten ja auch unsere Plattenumsätze.

Fühlen sie sich inzwischen eigentlich selber ein bisschen wie richtige Popstars“
Wir sind doch nur durch unsere "Holzmichl"-Verkaufszahlen im Popbereich gelandet. Wir kommen aber aus der Volksmusik und sehen uns auch weiterhin als Volksmusiker. Mit Pop haben wir nichts am Hut.

Und mit der volkstümelnden Musik, die in den diversen Musikantenstadls dominiert„
Die angebliche volkstümliche Musik wurde doch in den letzten Jahren völlig zerstört durch, wie wir sie nennen, gesungene Lieder im Dirndl. Was jetzt in den volkstümlichen Sendungen angeboten wird, ist teilweise nur noch Schlager. Wir fühlen uns in der traditionellen Volksmusik des Erzgebirges verwurzelt, wollen sie aber mit modernen musikalischen Mitteln populär machen.

Was unterscheidet denn Ihre Lieder von der volkstümlichen Heile-Welt-Musik“
Wir singen vor allem von dem, was wir im Alltag erleben und was die kleinen Leute hier im Leben wirklich bewegt. Wir stehen hinter unserer Musik.

Hat Ihr Erfolg der Volksmusik in ihrer Heimat im Erzgebirge neuen Zulauf gebracht„
Was wir machen, geht zwar bei den jungen Leuten mehr in Richtung Kult, aber ein bisschen ist das Interesse doch gestiegen. In unserem Publikum sahen wir früher nur über 50-Jährige. Jetzt ist es gemischt, es kommen auch viele jüngere Leute in unsere Konzerte, worüber wir uns sehr freuen.

Sie managen sich als Gruppe selber. Stimmt es, dass Sie keinen Manager finden konnten, weil Ihre Lieder nicht genug in die volkstümelnde Ecke passten“
Wir haben schon immer alles selbst in die Hand genommen und im Laufe der Jahre unsere Kontakte aufgebaut. Damit wir aber auch mal ins ZDF und die ARD kommen, hatten wir jemanden gesucht, der uns dabei hilft. Aber durch die Zusammenarbeit mit unserer Plattenfirma sind wir darauf jetzt nicht mehr angewiesen. Ansonsten machen wir alles alleine, vom Management bis zum Fanartikelverkauf und Catering. Inzwischen hängen sogar ein paar Arbeitsplätze an den Randfichten, denn unsere vielen Konzerte in der Region sind immer gut besucht.

Und nun wollen Sie das ganze Land live erobern„
Was heißt erobern. Wir werden gerufen, das ist ja das Schöne. Eigentlich sind wir immer nur unserem Ruf hinterhergelaufen. Wo wir hinkamen, kannten uns bereits alle. Anfang nächsten Jahres spielen wir sogar in der Dortmunder Westfalenhalle und selbst die Arena AufSchalke ist geplant. Das ist ja dort ein Bergbaugebiet wie das Erzgebirge, es passt also gut zusammen.

Wegen Ihrer Beharrlichkeit, mit der Sie sich über Jahre Schritt für Schritt den Erfolg erspielten, werden Sie teilweise als Vorzeige-Ossis hochstilisiert. Wie finden Sie das“
Wir betrachten uns als Vertreter aus dem Erzgebirge. Diese Ossi-Problematik wollen wir nicht so in den Vordergrund gestellt sehen, auch wenn wir im Osten die meisten Anhänger haben und sich tatsächlich viele dort freuen, dass eine Band aus dem Osten auch mal den Durchbruch geschafft hat.

Den "Holzmichl" gibt's neuerdings auch als groovige Party-Version von der österreichischen Combo Die Holzwürmer. Kriegen Sie da auch gute Laune?
Ich sehe es positiv, wenn soviel Interesse an dem Lied besteht. Hauptsache, es wird nicht verunstaltet.

Mit MICHAEL ROSTIG
sprach Gunnar Leue