Von Peter Blochwitz

Der Meister ruft – und die  Stadthalle Cottbus ist am Donnerstag ausverkauft.  Wie auch die Lausitzhalle Hoyerswerda am Freitag. Aber Himmel, wie lange ist das denn her: „Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da?“ Ja, klar: 1987, da stand die Mauer noch, die dieser Song aber  locker überwunden hatte.  Sein Schöpfer Jürgen von der Lippe ist – wie sein Publikum –  tatsächlich ein wenig älter geworden und nimmt’s selbstverständlich mit Humor.

Das macht die Jugend ja auch, für die der 70-jährige Entertainer ein „Grabverweigerer mit Blutgruppe Nutella (eine Anspielung auf mein leichtes Übergewicht)“ ist. Aber das Alter hat auch sein Gutes: „Ich könnte zum Beispiel eine 30 Jahre jüngere Freundin haben, das könnte ein 40-Jähriger nicht! Tom Kaulitz wiederum hat eine 30 Jahre ältere Freundin – das wäre bei mir jetzt etwas schwierig ...“ Und dann gibt es ja noch die Grenzgänger zwischen jung und alt – etwa den 69-jährigen Peter Maffay, dessen Partnerinnen immer jünger werden. Maffay wird natürlich parodiert, ebenso Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer, das ist Standard. Wie auch der berlinernde Lederjacken-Stirnband-Kalle, der diesmal von seinen Erfahrungen im Flugzeug  berichtet: „Normalerweise reihert die ganze Reihe.“

Aber eine gewisse Nachdenklichkeit hat da schon Einzug gehalten: „Ich kann mich nicht so richtig entscheiden, was auf meinem Grabstein stehen soll: Ich bin ein Star,  holt mich hier raus! Oder: Gute Nacht, John-Boy! Oder doch: Gestatten Sie, dass ich liegenbleibe ...“

Jürgen von der Lippe, der Typ, der einem in der Kneipe Witze erzählt, wenn er nur einen Buchstaben bekommt: „B wie Bär: Ein Bär greift Ihre Frau an, was machen Sie? – Er hat sie angegriffen, da soll er sehen, wie er klarkommt!“  Das ist nicht immer politisch korrekt, aber darum hat sich Jürgen von der Lippe noch nie geschert. Wahrscheinlich liebt ihn das dauerfeixende Publikum auch gerade deshalb. Gesittete Hochkultur darf gern woanders stattfinden.

Apropos „politisch korrekt“. Wer ist das schon? Altkanzler Gerhard Schröder etwa? „Wie oft muss ein Mann heiraten, bis er rafft, dass das nicht sein Ding ist?“ Ist es in Ordnung, wenn man im „Spitzenschwitzverein“ über Analbleaching philosophiert? Egal, es gibt noch einen beruhigenden Satz für den Heimweg: „Sind Sie schon mal beim Sex eingeschlafen? Ist nicht schlimm. Nur das Wachwerden ist blöd!“  Dann kann man immer noch ein Liebeslied anstimmen: „Du bist die Muse, ich der Pampel ...“