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| 16:21 Uhr

Jubilar
Mit 75 wieder Mafioso – Robert De Niros Paraderolle

Robert De Niro schimpft während der Verleihung der 72. Tony Awards in der Radio City Music Hall über den US-Präsidenten Trump.
Robert De Niro schimpft während der Verleihung der 72. Tony Awards in der Radio City Music Hall über den US-Präsidenten Trump. FOTO: dpa / Michael Zorn
Los Angeles. ( Auch mit 75 Jahren hat es Robert De Niro als Mafioso noch drauf. Mit schmierig zurückgekämmten Haaren, offener Lederjacke und zwei Knarren in der Hand steht er über seinem Opfer – so wirbt ein Poster für den Mafiathriller „The Irishman“.

Mit De Niro, Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel hat Martin Scorsese ein altbewährtes Team zusammengetrommelt. Es ist der neunte gemeinsame Spielfilm der Altmeister De Niro und Scorsese, nach Klassikern wie „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“ und den Mafia-Dramen „Hexenkessel“, „Good Fellas“ und „Casino“.

De Niro verwandelt sich jetzt in den Auftragsmörder Frank ‚The Irishman‘ Sheeran, dem nachgesagt wird, mehr als 25 Morde begangen zu haben. Der Film ist im Kasten, 2019 soll er herauskommen. Mit digitaler Nachbearbeitung will Scorsese die Figuren für mehrere Zeitebenen um Jahrzehnte verjüngen.

De Niro, der am Freitag 75 Jahre alt wird, steht zu seinem Alter, zumindest auf der Leinwand. In der anzüglichen Hochzeits-Komödie „The Big Wedding“ (2013) mimte er einen alternden Schürzenjäger, der mit Potenzmitteln nachhelfen muss. Er haute in der Männer-Komödie „Last Vegas“ als alter Kauz auf den Putz. Als sexwütiger Großvater in „Dirty Grandpa“ (2016) überbot er sich dann mit derb-dämlichen Sprüchen. Als Comedy-Star machte De Niro zumindest kräftig Kasse. In der Erfolgskomödie „Reine Nervensache“ mimte er einen für die Psychiater-Couch reifen Mafiaboss. In „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und den zwei Hit-Sequels ist er der unmögliche Schwiegervater, in „Man lernt nie aus“ (2015) ein Rentner, der aus Langeweile Praktikant wird.

Diese Slapstickauftritte sind Welten von den Filmen entfernt, die De Niro zur Legende machten. Die Szenen, in denen er 1976 als einsamer „Taxi Driver“ durch New Yorks düstere Straßen fährt, sind Kult. Er spielt die Figur seines in den Wahn abdriftenden Helden so dicht, dass der Film gut 40 Jahre später nichts von seiner verstörenden Eindringlichkeit verloren hat.

De Niro gilt seither als einer der größten Schauspieler Hollywoods – ein Experte für Außenseiter, gebrochene Charaktere und Menschen am Rande der Gesellschaft. Völlig in seinen Figuren aufzugehen war De Niros besondere Kunst. Besonders in seinen frühen Arbeiten bereitete er sich mit unendlicher Akribie auf seine Rollen vor. Für den Film „Wie ein wilder Stier“ (1980), der die Lebensgeschichte des Boxers Jake La Motta erzählt, nahm er fast ein Jahr lang Unterricht bei der Boxlegende.

Die Mühe lohnte sich: Für das Boxer-Porträt wurde der Schauspieler mit einem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Schon 1975 hatte er für seinen Auftritt als Vito Corleone in „Der Pate II“ einen Oscar als bester Nebendarsteller erhalten. Die letzte seiner bisher sieben Oscar-Nominierungen holte er 2013 für seine Nebenrolle als Vater eines depressiven Sohnes in der Tragikomödie „Silver Linings“.

In New York lebt der sechsfache Vater mit seiner zweiten Frau,
Schauspielerin Grace Hightower.

De Niro hat sich längst als lautstarker Gegner von Donald Trump geoutet. Bei der Vergabe der Tony-Theaterpreise im Juni beleidigte er den US-Präsidenten auf offener Bühne. „Ich will nur eines sagen: Fuck Trump! Es kann nicht mehr heißen: Weg mit Trump! Es heißt Fuck Trump!“, wetterte der Schauspieler. In einer früheren Verbalattacke sprach er von seiner Bürgerpflicht, gegen „den Idioten“ Trump Stellung zu beziehen.

(dpa)