ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:30 Uhr

Staatstheater
Mit Liebe zur Operund Faible für Operette

Cottbus. Die Sopranistin Mine Yücel sorgt in der Cottbuser Inszenierung der „Csardasfürstin“ von Emmerich Kálmán als Sylva Varescu für reichlich Liebeswirren. Von Renate Marschall

Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ hat am 23. Juni im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus unter der musikalischen Leitung von Alexander Merzyn Premiere. Die Titelpartie der Sylva Varescu singt Mine Yücel als Gast. Was neben ihrem Aussehen an der aparten jungen Frau sofort auffällt, ist ihr Name. Lächelnd wehrt sie ab, sie sei mit dem durch seine unrechtmäßige Inhaftierung in der Türkei bekannt gewordenen Journalisten der „Welt“, Deniz Yücel, nicht verwandt. Aber sie werde häufig darauf angesprochen.

Mine Yücels Eltern waren vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen, beide Ärzte. Sie selbst ist in Höxter geboren. Musik hat sie von klein auf begleitet. „Meine Eltern haben viel Jazz und Klassik gehört. Wir hatten zu Hause einen Flügel, und schon, weil meine große Schwester Klavier spielen lernte, wollte ich das auch“, erzählt sie. „Und gesungen habe ich schon immer.“ Offenbar auch so überzeugend, dass die Eltern sie unterstützten, als sie mit Zwölf Gesangsunterricht nehmen wollte. Zunächst waren Pop und Jazz angesagt. „Die Oper habe ich erst später für mich entdeckt“, erinnert sie sich. Dafür aber um so heftiger. „Ich dachte, ich will das jeden Tag haben.“ Dazu beigetragen hat ihr Studium an den Musikhochschulen in Hannover und Köln, das sie mit Auszeichnung abschloss. Mehrere Meisterkurse folgten. Inzwischen stand sie als Fiordiligi in „Cosi fan tutte“, Musetta in „La Bohème“, Gilda in „Rigoletto“ oder Giulietta in „Hoffmanns Erzählungen“ auf der Bühne. Auch ihre Liederabende sind gefeiert wie jüngst mit den anspruchsvollen „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss. Außerdem ist Mine Yücel eine begehrte Solistin bei Oratorienaufführungen wie „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, Brahms- und Mozart-Requien. Sie ist Preisträgerin der Schlossoper Haldenstein und der Kammeroper Schloss Rheinsberg sowie diesjährige Preisträgerin der Opernspiele Munot (Schaffhausen, Schweiz).

Besonders liebt Mine Yücel die italienische Oper – Verdi, Puccini, aber auch Mozart hat es ihr angetan. Und sie hat ein Faible für Operette, das oft verkannte Stiefkind der E-Musik. Noch dazu, wie sie sagt, wenn sie so auf die Bühne gebracht wird, mit genauer Figurenführung, wie von Regisseur Thomas Weber-Schallauer. Der ist dem Cottbuser Publikum schon bestens von den Inszenierungen „Männer“ und „Sekretärinnen“ bekannt.

Klar, die Handlung ist ein bisschen aus der Zeit gefallen: Die Tingeltangel-Künstlerin und ihr fürstlicher Liebhaber Edwin, Standesschranken, ein autoritärer Vater, operettenmäßige Verwirrung und Verwicklung – am Ende ein Happy End. Mine Yücel findet die Operette gar nicht so verstaubt. „Die Liebe ist doch zu allen Zeiten ein Thema, auch wenn sich das Bild von Mann und Frau gewandelt hat“, ist die Sopranistin überzeugt. Und dann komme ja noch die mitreißende, gut gemachte Musik dazu. Allein, wie Kálmán die Entwicklung Sylvas musikalisch untermalt, ihrer Zerrissenheit zwischen der Liebe zu Edwin und dem Wissen um die drohenden Enttäuschungen durch den Standeskonflikt Ausdruck verleiht, sei meisterlich. Das umzusetzen sei immer eine Herausforderung, denn sie möchte nahe am Komponisten bleiben und am Text, dabei die Gefühle so authentisch wie möglich mit der Musik verbinden. Mine Yücel hat hohe Ansprüche an sich selbst. Um „fit zu bleiben“, wie sie sagt, und ihre Stimme weiter zu entwickeln, nimmt sie nach wie vor Gesangsunterricht bei Professor Thomas Heyer. Dessen Credo: Man singt nur mit dem Herzen gut, hat sie offenbar übernommen. Deshalb bereitet sie sich intensiv auf jede Partie vor. „Für mich ist jede Figur interessant und die Musik, die zu ihr gehört.“ Das gilt für die Csárdásfürstin Silva Varescu ebenso wie für die Musetta in „La Bohème“, die sie im Sommer bei den Opernfestspielen Schaffhausen singen wird. „Und dann komme ich wieder nach Cottbus“, freut sie sich schon, die Kollegen nach der Spielzeitpause wiederzusehen. „Das ist so ein tolles Theater hier, mit vielen netten Menschen in allen Bereichen, ich fühle mich sehr wohl.“

Für die Premiere gibt es Restkarten an der Abendkasse. Für die Vorstellungen am 30. Juni, 5. Juli, 7. Juli, jeweils 19.30 Uhr, und für die Termine in der neuen Spielzeit sind Karten erhältlich in  der RUNDSCHAU, im Besucherservice, Ticket-Telefon:  0355/78242424 sowie online über www.staatstheater-cottbus.de