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Bildende Kunst
Metapher für schmerzhafte Veränderungen

Michael Kruscha:  Das großformatige Acrylbild „Transformation“  in Acryl von 2011 als Chiffre für Bergbaulandschaften
Michael Kruscha: Das großformatige Acrylbild „Transformation“ in Acryl von 2011 als Chiffre für Bergbaulandschaften FOTO: Jürgen Weser
Senftenberg. Michael Kruschas Malerei eröffnet den Ausstellungsreigen  2018 in der Kunstsammlung Lausitz in Senftenberg. Von Jürgen Weser

Der Berliner Maler und Fotograf Michael Kruscha zeigt bis 8. April in der Kunstsammlung Lausitz im Senftenberger Schlossmuseum Malerei zu landschaftlichen Umwälzungen in der Lausitz. Dabei bezieht sich der Ausstellungstitel „Scado“ auf den gleichnamigen Ort bei Senftenberg, der in den 1960er-Jahren dem Bergbau weichen musste. Symbolisch steht „Scado“ bei Michael Kruscha für den schmerzhaften Eingriff durch den Menschen in die Natur und die damit verbundenen Veränderungen.

Mit dem Thema ist der Fotograf und Maler wieder zu den Wurzeln zurückgekehrt. Bis zum 18. Lebensjahr hat er in Hoyerswerda gelebt, ist dann in die Großstadt geflüchtet, hat sich autodidaktisch, in Berliner Zirkeln, durch Kontakte mit Kreuzberger Malern zur Wendezeit, bei den „Berliner Wilden“ und vor allem durch seinen Mentor Daniel Fischer zum Künstler – zum Fotografen und Maler – entwickelt. Inhaltlich hat ihn seine ausgeprägte Reiselust beeinflusst, so die Aufenthalte im Jemen und Kasachstan. Folgerichtig standen zunächst Städte- und Reisemotive auf seiner künstlerischen Agenda.

Den Einstieg in die Thematik der Bergbaulandschaft gab es 2011 mit der Landart-Installation ­„Phoenix“ bei Gut Geisendorf. Die spezielle Ästhetik einer geschundenen und gleichzeitig wieder Neues gebärenden Landschaft beginnt ihn zu reizen. So folgt ab 2011 als serielle Arbeit „Scado“ – für Kruscha ohne persönliche Bezüge und ohne emotionale Stigmatisierung der Bildinhalte seiner zumeist Acrylarbeiten. Vom distanzierten Standpunkt aus erheben sich auf der Acrylarbeit „Verlorene Orte“ von 2013 trotzig Häuser im Hintergrund, die der abgebaggerten Landschaft im Vordergrund den Spiegel der Erinnerung vorhalten. Der Betrachter muss selbst emotionale Bezugspunkte finden.

Verletzte Natur versus gewachsene neue künftige Kulturlandschaft, auch wenn die noch nicht gezeigt wird, prägen die Bildlandschaften. Gebrochene Landschaften manifestieren sich bei Kruscha durch Überlagerung von stark ab­strahierten Bildebenen aus mehreren Farbschichten. Dazu kommt unverkennbar Michael Kruschas Faszination für eine Industrieästhetik der Stahlarchitektur, die mit eindringlicher geometrischer Flächengestaltung die Kolosse der Bergbautechnik nicht nur als Naturzerstörer, sondern als fiktive Verkünder neuer Kulturlandschaften wie durch die F 60 bei Lichterfeld erahnen lassen.

Aus der Zerstörung kann Neues entstehen, wenn der Mensch es will. Das suggerieren auch Bildtitel wie von den großformatigen Acrylarbeiten „Sinfonie der Lausitz“ oder „Transformation“. Den Menschen als Zerstörer sowie Gestalter muss sich der Betrachter in die Bilder von Kruscha hineindenken.

Die Ausstellung im Senftenberger Schloss zeigt auch weitere Ausdrucksformen der künstlerischen Arbeit Kruschas wie die als Collagen angelegte Acryl-auf-Papier-Serie „Gestörte Landschaft“ und zahlreichen Buchveröffentlichungen, wo Malerei und Fotografie im Kontext von Reiseeindrücken erfasst sind. Das wieder Angekommensein, zumindest zeitweise, denn Michael Kruscha lebt weiter in Berlin, dokumentiert sich bei ihm auch in der Arbeit als Gestalter, Organisator und Kurator der Kunst-Raum-Reihe in der neuen „KuFa“ in Hoyerswerda.