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Interview mit Michael Frowin
„Nichts ist so zynisch wie die Wirklichkeit“

Michael Frowin freut sich auf Cottbus.
Michael Frowin freut sich auf Cottbus. FOTO: BERND BRUNDERT / Bernd Brundert
Cottbus. Im RUNDSCHAU-Gespräch verrät der Kanzler-Chauffeur, was er im Cottbuser Filmtheater „Weltspiegel“ so auspacken wird.

„Einpacken, Frau Merkel!“ So fordert am 10. März 2018 im Cottbuser Filmtheater „Weltspiegel“ Michael Frowin. Die RUNDSCHAU fragte den Kanzler-Chauffeur vorab, was er denn in Cottbus so auspacken wird.

Michael Frowin, man kennt Sie als Kanzler-Chauffeur aus der MDR-Satire-Sendung „Kanzleramt Pforte D“.´Jetzt kutschieren Sie in dieser Rolle auch solo durch die Lande. Ist jetzt der Chauffeur schon gefragter als die Kanzlerin?

Frowin (lacht) Das würde ich mir niemals anmaßen. Ich kenne ja ihren Terminkalender und muss sie Gott sei Dank nur in Deutschland chauffieren. Also auf allen Auslandsreisen bin ich schon mal raus. Die bleiben allein an ihr hängen.

Wie ist es, sich mit der mächtigsten Frau Deutschlands anzulegen, gerade, wenn auch schon mal auf der Straße gebrüllt wird: Einpacken!?

Frowin Nun, mit Politik habe ich nichts zu tun, ich mache meinen Job. Jeder braucht einen Job. Und da muss ein Kanzler-Chauffeur sie manchmal eben aus der Menge ziehen gemeinsam mit der Security, aber ansonsten bin ich politisch neutral. Als Kabarettist allerdings gehe ich mit ihr hart ins Gericht.

Und wenn Sie demnächst Martin Schulz mit auf große Fahrt nehmen müssen?

Frowin Niemand kann ja noch daran glauben, dass Martin Schulz unser Bundeskanzler wird. Diese Lichtgestalt geht an mir vorüber.

Aber durch die GroKo kann Schulz doch mal im Kanzlerauto landen.

Frowin Ich freue mich schon, dass die Kanzlerin mit ihrem leichten S-Fehler und Martin Schulz, der kein Sch aussprechen kann, wieder miteinander reden. Das ist zumindest akustisch ein Freudenfest.

Apropos Vorfreude. Was werden Sie denn so alles auspacken in Cottbus?

Frowin Zum einen beschäftige ich mich mit der aktuellen Politik. Was mich ziemlich nervt, habe ich doch die vergangenen Monate pausenlos damit verbracht, zu aktualisieren. Erst dachte man, Jamaika steht fest. Dann stellte sich heraus, dass eher der Weihnachtsmann mit dem Osterhasen zusammenkommt, als die Liberalen mit den Grünen. Die Grünen haben inzwischen mehr Kröten geschluckt als über die Straße getragen. Ich bin kein Hellseher  und kann also noch nicht vorhersehen, was bis März auf der politischen Bühne passiert. Auf meiner Kabarettbühne aber geht es nicht nur um Politik. Da darf ich Frau Merkel in ein Outlet-Zentrum fahren, weil sie einfach mal eine Auszeit braucht. Und so entwickelt sich an eigene Geschichte, die hauptsächlich mit dem Konsum zu tun hat.

Das passt ja gerade jetzt in die Zeit, wo viele regelrecht dem Konsumrausch verfallen.

Frowin Genau. Jeder weiß, Geld macht nicht glücklich, aber warum glaubt das keiner? Das ist die Hauptfrage meines Programms.

Wird der Satiriker da zum Spaßverderber?

Frowin Das will ich nicht hoffen. Ich bin in erster Linie jemand, der auf die Bühne geht, um lustvoll zu unterhalten, mit möglichst intelligenten Gedanken. Wenn das bei einigen etwas auslöst, dann ist das toll. Aber sie sollen wie ich vor allem Spaß haben, welche Blüten der Konsumwahn treibt, und nicht erzogen werden.

Sie waren vor zwei Jahren auf Einladung der RUNDSCHAU zum Politischen Aschermittwoch in Cottbus. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Frowin Sehr gute, weil das eine sehr spontane Einladung und ich eigentlich schon auf dem Weg nach Halle zur Fernsehaufzeichnung war. Dann habe ich noch schnell einen Umweg über Cottbus gemacht. Als ich am Veranstaltungsort die Limousinen sah, dämmerte mir, dass da Brandenburgische Politprominenz versammelt war. Das Programm hat mir großes Vergnügen bereitet, weil ich scharfe Pointen verteilen durfte, die durchaus auf offene Ohren trafen.

Wie oft waren Sie denn schon in der Lausitz unterwegs?

Frowin Ziemlich viel. Ich war regelmäßig in Cottbus, als ich noch mit der Dredner Herkuleskeule unterwegs war, auch immer wieder in Hoyerswerda. Gerade war ich an der Distel, die auch öfter in der Lausitz spielt, zusammen mit Philipp Schaller als Regisseur und Autor für das Programm engagiert „Wenn Deutsche über Grenzen gehen“.

Gibt es denn Grenzen für einen Kabarettisten?

Frowin Die Grenzen hin zur Comedy haben sich verschoben. Ich bin in der SWR-Spätschicht zu Gast, das ist eher so eine Stand-up-Sendung. Und auch in meinen Soloprogrammen habe ich Nummern, die in solche Formate hineinpassen. Überhaupt ziehe ich keine Grenze. Wem das nicht gefällt, sage ich: Nichts kann so zynisch sein wie die Wirklichkeit. Deshalb stimme ich Tucholsky zu: Satire darf alles.

Sie sind Schauspieler, Kabarettist, schreiben Texte, ein Kinderbuch, führen Regie und seit zehn Jahren das Theaterschiff in Hamburg. Was packen Sie am liebsten an?

Frowin Wenn ich gerade in einer Sache drinstecke, denke ich schon mal: Das möchte ich nur noch machen. Dann aber kommt das nächste Projekt, und ich finde das wunderbar. Ich mag es sehr, Dinge längerfristig aufzubauen. Ich stehe unglaublich gern auf der Bühne, dann freue ich mich auch wieder, wenn ich meine Produktionen von außen betreuen kann. Ausflüge zu Kinderbuch und Oper sind die Ausnahme. Mein Hauptgeschäft ist das Lachen vor und hinter der Bühne.

Zum Beispiel über den Konsumwahn, wie Sie schon verraten haben. Hand aufs Herz: Was verschenken Sie selbst zu Weihnachten?

Frowin Da habe ich gerade mit meiner Familie vereinbart, dass wir uns gar nichts schenken. Ich empfinde das als wohltuend und kann auch gut verzichten.

Wie und wo verbringen Sie das Fest?

Frowin Da ich ungarische Verwandtschaft habe, in Ungarn.

Mit Michael Frowin
sprach Ida Kretzschmar

Tickets im Lautix-Ticketshop Cottbus unter der Hotline 0355 481555. sowie bei der RUNDSCHAU und anderen Vorverkaufsstellen.