In der kommenden Spielzeit will das Orchester drei Aufführungen in lockerer Atmosphäre und anschließendem Club-Besuch anbieten und damit vor allem junges Publikum locken, wie Metzmacher gestern bei der Vorstellung seines ersten Programms an der Spitze des DSO in Berlin ankündigte. Außerdem stellt das DSO ausgewählte Konzerte zum Herunterladen in das Internet. Metzmacher ist Nachfolger des Amerikaners Kent Nagano, der zur Münchner Staatsoper wechselte.
"Das ist ein Experiment", sagte Metzmacher, der als Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper große Erfolge mit Musik des 20. Jahrhunderts feierte. Beim neuen Konzertangebot wird die traditionelle Kleiderordnung gelockert, Dirigent und Orchester treten leger auf. Metzmacher will die etwa einstündigen Programme in der Berliner Philharmonie selber moderieren und anschließend das Publikum zu einem nahe gelegenen Club einladen.
Inhaltlich will der 49-jährige Metzmacher in der kommenden Spielzeit nach "dem Deutschen in der Musik" suchen. Auf dem Programm steht dabei auch der wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus immer wieder kritisierte Hans Pfitzner (1869-1949). Dessen romantische Kantate "Von deutscher Seele" wird das DSO zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2007 aufführen. Er habe sich lange geweigert, Pfitzner-Werke zu dirigieren, sagte Metzmacher. Doch er halte es für wichtig, sich auch diesem umstrittenen Komponisten zu widmen.
Als Kontrapunkt wird Metzmacher Kurt Weills 1933 uraufgeführtes Wintermärchen "Der Silbersee" dirigieren. Auch Werke von Mahler, Schumann und Liszt will der Dirigent aufführen. Insgesamt übernimmt er 24 Konzerte in der kommenden Saison. Bis zum Ende der Spielzeit 2007/2008 ist Metzmacher auch Chefdirigent der Nederlands Oper in Amsterdam.
Zu den Solisten der nächsten Saison gehören die Pianisten Peter Serkin und Hélène Grimaud, der Geiger Gil Shaham und die Sänger Angelika Kirchschlager und Matthias Goerne. Gastdirigenten sind unter anderem Herbert Blomstedt, Daniel Harding, Roger Norrington und Gennady Rozhdestvensky.
Das DSO wurde 1946 als Rias-Symphonie-Orchester gegründet. Unter seinem neuen Namen DSO gehört das Orchester seit 1994 der Orchestergesellschaft ROC an, die vom Deutschlandradio, dem Bund, dem Land Berlin und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg getragen wird.
(dpa/pb)