| 02:38 Uhr

"Meine Lieblinge sind die Stones"

Das Konzert von Maschine und Band am Sonntag beginnt 20 Uhr auf der Antenne-Brandenburg-Bühne in der Breiten Straße von Lübben.
Das Konzert von Maschine und Band am Sonntag beginnt 20 Uhr auf der Antenne-Brandenburg-Bühne in der Breiten Straße von Lübben. FOTO: Dana Barthel
Dieter "Maschine" Birr und seine Band voller Stars treten am Sonntag beim Lübbener Spreewaldfest auf. Im Interview erzählt er, was ihn motiviert und auf wen sich die Konzertbesucher noch freuen dürfen.

Herr Birr, wie kam . . .
Birr: Ach, wir können uns doch auch duzen? Ich bin Maschine.

Na klar. Ich bin Ingvil. Also: Maschine, wie kam das Konzert am Sonntag zum Lübbener Spreewaldfest zustande?
Birr: Es gibt in Lübben einen großen Puhdys-Fan, das ist Karsten Nitsch. Er hat sich unheimlich engagiert, dass alles stattfinden kann, auch die Autogrammstunde vorab mit mehr als 200 Fans.

Am Sonntag spielst Du mit Deiner Band - eigentlich mehr eine Ansammlung von Stars. Wie kam es dazu, dass so viele gute Musiker zusammen spielen?
Birr: Ich bin schon stolz drauf, dass sie alle bei mir spielen. Ich habe sie gefragt - und sie haben Ja gesagt! Uwe Hassbecker, Gitarrist von Silly, kenne ich schon aus Stern-Meißen-Zeiten, Markus Gorstein lernte ich bei der Produktion meines Albums 2014 kennen. Schlagzeuger Felix Lehrmann ist der Sohn von Micha Lehrmann. Mit ihm habe ich schon vor 27 Jahren bei "Maschine und Männer" gespielt. Christian Liebig kenne ich, seitdem er bei Karat eingestiegen ist. Jörg Weisselberg kenne ich schon lange vom Hörensagen, persönliche Kontakte gibt es über Bell, Book & Candle seit 2014.

Du bist ein Jahr jünger als Mick Jagger und Keith Richards, die ebenfalls mit über 70 Jahren noch auftreten. Was bedeutet Altern für Dich?

Birr: Altern ist eine Nebenerscheinung des Lebens. Es gehört dazu und geht ja auch allen so . . . Zum Glück sieht man es einem im fortgeschrittenen Alter nicht mehr so enorm an wie Babys oder Kleinkindern. Ernsthaft: Die Natur hat mir viel Gutes getan. Ich fühle mich wirklich nicht so alt, mehr wie 50 oder 30 oder so. Es ist auch eine Sache der inneren Einstellung zum Leben, denke ich. Ich finde es schön, Dinge zu machen, die unabhängig vom Alter sind. Ich habe immer noch die gleiche Lust, Musik zu machen wie als Jugendlicher, als ich mich freute, wenn ich etwas nachgespielt habe oder zum ersten Mal ein neues Instrument in der Hand hatte. Neues auszuprobieren, ist eine große Motivation für mich. Ich liebe es, nicht jeden Tag das Gleiche zu machen, sondern zu komponieren, texten, Interviews zu geben, Studioarbeit zu machen, live zu spielen und so weiter. Musiker ist der beste Beruf für mich.

Du hast gesagt, es ist eine Sache der inneren Einstellung zum Leben. Kannst Du noch mehr dazu sagen?

Birr: Ich bin zum Beispiel sicher, nicht krank zu werden - außer, wenn es äußere Einflüsse gibt, wie zum Beispiel meinen Zeckenbiss. Meine Hausärztin hat gesagt, diese Einstellung soll ich beibehalten. Wenn man ein Kind ist und anderen etwas zustößt, denkt man oft: Das passiert mir nicht. Das habe ich mir behalten. Und Wunden heilen auch wieder. 2003 bekam ich von dem Zeckenbiss eine schwere Borreliose, war gelähmt im Gesicht und lag drei Wochen im Krankenhaus. Die Ärzte haben es mit Antibiotika wieder gut hingekriegt. Zu jedem Besucher sagte ich: Mein Gesicht ist gelähmt, aber ich lächele Dich mit meinen Augen an. Die Krankheit hatte den Vorteil, dass ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Ich hatte danach einfach keinen Appetit mehr auf Zigaretten.

Neues ist eine große Motivation für Dich, hast Du vorhin auch gesagt. Wie stehst Du zu den neuen musikalischen Stilrichtungen, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entwickelt haben?
Birr: Ich höre mir alles an und finde es spannend. Wie funktionieren die Songs, wie ist das Stück strukturiert und arrangiert - für mich ist das fast wie eine Weiterbildung. Letztens hörte ich einen Stream vom Lollapalooza-Festival in Berlin. Da sind einige Namen dabei, die man im Blick behalten muss. Ich habe einen Song mit dem Rapper Romano gemacht, der sehr schön geworden ist. Meine Lieblinge aber sind und bleiben die Stones.

Was möchtest Du Deinen Fans bei so einem Konzert mitgeben?
Birr: Ich möchte die Leute natürlich unterhalten. Aber nicht agitieren - ich finde Texte nicht gut, in denen Ratschläge gegeben werden. Das liegt mir fern. Ich möchte glaubwürdig sein - ich kann weder tanzen noch choreografisch irgendwie wirken. Ich freue mich mehr, wenn sich die Zuhörer mit meinen Texten identifizieren können. Wenn sie sagen: Mir geht es genauso. Oder dabei spüren, wie ich ticke.

Nach so einem Konzert wie in Lübben ist man ja noch voller Adrenalin. Wie entspannst Du da?

Birr: Es ist ja nicht weit nach Berlin, also setze ich mich ins Auto, alleine, höre Radio und fahre nach Hause. Dort mache ich noch ein Bierchen auf und schalte den Fernseher an - egal um welche Uhrzeit. Nach dem Konzert noch auf eine Party gehen, das mache ich selten. Wenn überhaupt, dann sitzen wir mit Musikern und Technikern zusammen.

Mit Dieter "Maschine" Birr sprach Ingvil Schirling

Zum Thema:
Das Konzert mit Maschine und Band beim Lübbener Spreewaldfest beginnt am Sonntag, 17. September, 20 Uhr.Aktuell arbeitet Dieter "Maschine" Birr an einer Weihnachts-CD, die für kommendes Jahr geplant ist. Am 6. Oktober erscheint eine CD "Rocklegenden", mit der er derzeit auch auf Tour ist.