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Mehr als Rum, Zigarren und uralte Autos

Der Streifen "Havanna mi amor" wird beim Filmfestival in Cottbus zu sehen sein.
Der Streifen "Havanna mi amor" wird beim Filmfestival in Cottbus zu sehen sein. FOTO: FFC
Cottbus. Das Filmfestival Cottbus erlebt vom 8. bis 13. November seine 26. Auflage. In zwölf Programmsektionen präsentiert es vom Blockbuster bis zum Arthousefilm knapp 200 Produktionen aus rund 35 Ländern. Im Fokus steht diesmal Kuba. Peter Blochwitz

Der osteuropäische Film ist in jedem November seit 1991 zu Gast in Cottbus. Kern des Festivalprogramms sind erneut die drei Sektionen Wettbewerb Spielfilm, Wettbewerb Kurzspielfilm sowie der U18 Wettbewerb Jugendfilm. Letzter präsentierte bisher Produktionen aus Polen und Deutschland und wird in diesem Jahr um die Tschechische Republik erweitert. Die Jugendfilm-Jury ist daher auch trinational besetzt. Vier Filme werden während des Festivals überdies in der polnischen Partnerstadt Zielona Góra zu sehen sein.

Zudem gibt es die neue Specials-Reihe "Spuren suchen: deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel". Festival-Programmdirektor Bernd Buder: "Es gibt immer mehr polnische und tschechische Filmemacher, die in ihrer Heimat deutsche Spuren suchen. Und sie reflektieren die Zwangsausweisung ganzer Bevölkerungsgruppen während des Zweiten Weltkrieges und danach. Viele Ältere werden durch die aktuellen Flüchtlingsströme an ihre eigenen Fluchterfahrungen erinnert."

Der Festival-Fokus lag in den vergangenen Jahren auf Facetten kultureller und religiöser Vielfalt in Osteuropa. In diesem Jahr ist er auf Kuba gerichtet, ein Land, in dem vorsichtige Öffnungen stattfinden und mit dem Osteuropa ja eine sozialistische Geschichte verbindet. "Wir wollen zum einen Klischees hinterfragen", erklärt Programmdirektor Buder." Bei Kuba denken wir ja zuerst an uralte Autos, Rum und Zigarren. Und wir wollen wissen: Wie reflektieren kubanische Filmemacher - viele von ihnen haben an osteuropäischen Filmhochschulen studiert - mögliche gesellschaftliche Veränderungen in ihrem Land?"

Veränderungen, die in Osteuropa und Ostdeutschland vor einem Vierteljahrhundert begannen. Oft mit zu hohem Tempo. Die neue Festival-Reihe "Brücken und Brüche" beschäftigt sich mit Identifikationsbrüchen im Ostdeutschland der 90er-Jahre. Mit der Recherche und Zusammenstellung der Reihe leistet das Filmfestival Cottbus auch ein Stück Dokumentationsarbeit zum Filmerbe der 90er. Viele der selten gezeigten Filme galten als vergessen oder verschollen.

In den Hauptwettbewerb gehen zwölf Spielfilme aus insgesamt 18 Koproduktionsländern. Die Jury des Wettbewerbs Spielfilm ist hochkarätig besetzt: Schauspielerin und Regisseurin Mirjana Karanovic (Serbien), die Cottbus-Gewinnerin 2015 und diesjähriger Berlinale-"Shootingstar" Tihana Lazovic (Kroatien), Schauspielerin Kate Molchanova (Ukraine), Produzent Marek Rozenbaum (Israel) sowie Schriftstellerin Elisabeth Hermann (Deutschland). In der Kurzfilmjury sitzt in diesem Jahr unter anderen der aus Cottbus stammende Schauspieler Urs Rechn, der im ungarischen Oscar-Film "Son of Saul" mitspielte.

Die Organisatoren stellen sich nach dem Jubiläumserfolg im vergangenen Jahr erneut auf rund 20 000 Kinobesucher ein. Das Filmfestival als Kompetenzzentrum für das zeitgenössische osteuropäische Kino zieht zudem zahlreiche Branchengäste an - unter anderem zu connecting cottbus (coco). Das ist ein Ost-West-Koproduktionsmarkt für Produzenten-Autoren-Regisseur-Teams, die Partner für die Realisierung ihrer Spielfilmprojekte suchen. Nicht selten kehren erfolgreich umgesetzte coco-Projekte zum Festival zurück.

Karten gibt es beim CottbusService in der Stadthalle, in allen Reservix-Ticketshops und

www.filmfestivalcottbus.de