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| 16:32 Uhr

Besucheransturm
Das irische Herz wummert in der Lausitz

Angelo Kelly, seine Frau Kira, die Kinder Gabriel, Helen, Emma, Joseph und William begeistern das Publikum am Senftenberger See.
Angelo Kelly, seine Frau Kira, die Kinder Gabriel, Helen, Emma, Joseph und William begeistern das Publikum am Senftenberger See. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Großkoschen . Mehr als 1900 Zuschauer feiern an drei Abenden im Amphitheater der Neuen Bühne Senftenberg Angelo Kelly und Familie. Von Ida Kretzschmar

Schon am Vormittag stehen die ersten Zuschauer vor dem Amphitheater. Vielleicht, um ein Selfie mit ihrem Idol Angelo Kelly zu ergattern. Oder einen Platz in der ersten Reihe. Drei Abende lang lässt der jetzt in Irland lebende Sänger mit seiner Familie das ausverkaufte Sommertheater der Neuen Bühne Senftenberg erbeben. Mit der gestrigen Vorstellung waren es rund 1900 Besucher, die von der ersten Minute des Konzerts an laut klatschend, johlend und tanzend die Frage beantworten „Can you feel my Irish heart beating?“ Und ob!

Der Song aus dem jüngsten Familienalbum dient auch der Vorstellungsrunde, die für eingefleischte Fans nicht nötig ist. Angelos Frau Kira hält den knapp dreijährigen William auf dem Arm, der mit Ohrenschützern ausgerüstet ist. Joseph, Emma, Helen sind dabei – und natürlich Gabriel, der gestern auf der Bühne seinen 17. Geburtstag gefeiert hat – so wie das sein Vater all die Jahre getan hat.

Als jüngstes Mitglied der „Kelly Family“ feierte Angelo Kelly in den 90er-Jahren unfassbare Erfolge. Heute musiziert er mit seiner eigenen Familie und ist mit ihr zum ersten Mal auf großer Open-Air-Tour. Wobei er durchblicken lässt, dass er mit seinen 36 Jahren schon mehr Bühnenauftritte aufzuweisen hat als die Rolling Stones.

Und dann blüht er so richtig auf – der irische Sommer, der rein wettermäßig so viel nicht zu bieten hat, gibt Angelo Kelly zu. Aber grüne Landschaften „und natürlich die typisch traditionelle irische Musik, Tanz und Humor, Freude am Leben, der Kampf um Freiheit und Menschlichkeit“. Das alles fangen die Lieder in erstaunlicher Vielfalt ein, leise, sehnsuchtsvolle und rockige, ausgelassene Songs, zu denen die Mädchen auch irische Steppeinlagen bieten.

Unterstützt wird die Familie dabei von Musikern, die ihre irische Seele entblättern und im Laufe der Jahre zum Teil der Familie geworden sind: Mit irischer Trommel, Dudelsack und Bouzouki lassen alle das irische Herz wummern an diesem Senftenberger See in der Lausitz.

Angelo Kelly wurde in Spanien geboren und lebte viele Jahre in Deutschland. Schon als Kind lernte er Kira kennen, verrät er hier. 1998 aber erst wurden beide ein Paar. Kira schrieb über ihre Liebesgeschichte einen Song „Like The Movies“. Er fand auf dem Album seinen Platz. Im Duett zelebrieren sie diesen Song und ihre Liebe – wie im Film.

Überhaupt kommt hier jeder aus der Familie zum Zuge. Der siebenjährige Josef, der, ein wenig schüchtern, den „wohl schönsten traditionellen irischen Song“ singen soll, den im gleichen Alter sein Vater mit der Kelly Family sang. Wie zuvor schon seine älteren Brüder. Oder Emma. Ihr Vater widmet der Zwölfjährigen ein Lied, um ihr zu verstehen zu geben, dass er immer für sie da sein wird, auch in der schwierigen Phase der Pubertät.

Helen (15) wartet mit einem selbstgeschriebenen Song auf: „Fly away“. Und Gabriel setzt ohnehin Achtungszeichen, dass er das Zeug dazu hat, die Kelly-Tradition weiterzuführen: „Let go“ – „loslassen, damit man sich später noch mehr hat“, wie es sein Vater ausdrückt.

Für die Zuschauer aus vier Generationen ist auch diese Kelly-Familie Kult. Der aufbrausende Beifall vom Anfang hört gefühlt geschlagene zwei Stunden nicht auf. Maria Meinert aus Dresden hat die ganze Zeit durchgetanzt: „Genial. Super. Perfekt!“ ist ihr überschwänglicher Kommentar. Ihre Oma macht am Senftenberger See Ferien im Wohnwagen, erzählt sie. Und sie ist extra mit den Eltern aus Dresden angereist, um dieses Konzert zu erleben. „Ich muss dabei sein, wenn Angelo Kelly auftritt, verfolge ich doch auf Facebook, wo er auf der Bühne steht. Der gibt immer richtig Gas“, erklärt sie.

Drei Jahre lang zog Angelos Familie mit einem Wohnmobil durch Europa. Ein unbändiges Freiheitsgefühl, das auch hier spürbar ist und ansteckend wirkt. Den Sonnenuntergang begleitet ein hundertfaches „We shall over come“.