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| 14:33 Uhr

„Kein Schwein ruft mich an“
Max Raabes Retro-Charmeoffensive

Der Sänger Max Raabe und das Palast Orchester begeisterten am Donnerstagabend in der Cottbuser Stadthalle rund 1 200 Besucher mit ihrem Programm „Das hat mir noch gefehlt“.
Der Sänger Max Raabe und das Palast Orchester begeisterten am Donnerstagabend in der Cottbuser Stadthalle rund 1 200 Besucher mit ihrem Programm „Das hat mir noch gefehlt“. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Palastorchester und sein Sänger mussten ihr Cottbuser Publikum am Donnerstag gar nicht erst erobern – sie hatten es sofort. Nicole Nocon

Max Raabe und sein Palastorchester sind Kult, lebende Klassiker, die musikalische Klassiker vergangener Tage aufleben lassen. Wie sie das tun, macht ihnen keiner nach. Der Sänger, der wirkt, als sei er im Frack zur Welt gekommen – Matthias Otto – alias Max Raabe – der singt, als seien die Schlager der 20er- und 30er- Jahre eigens für ihn komponiert worden. Und die Musiker des Palastorchesters, Meister ihres Fachs, die sich bei 30 Jahren Bühnenerfahrung eine herzerfrischende Spielfreude und Begeisterung für ihre Musik bewahrt haben. Diese Begeisterung sprang  spürbar auf das Publikum  in  der fast ausverkauften Cottbuser Stadthalle über.

In den abwechslungsreichen Arrangements alter und neuer Stücke ließ das Palastorchester seiner Lust am gemeinsamen Musikmachen freien Lauf, etwa als es seinen ersten großen Hit „Kein Schwein ruft mich an“ im französischen, italienischen, russischen und asiatischen Stil variierte. Ob Rumba, Tango oder Langsamer Walzer, die Musiker spielten alles mit ihrer ganz eigenen Note.

Max Raabe trat immer wieder aus dem Scheinwerferlicht heraus in den Schatten am Flügel, um seinem Orchester die Bühne zu überlassen. Wenn er dann zum Mikrofon zurückkehrte, hing das Publikum an seinen Lippen. Es feierte ihn für spaßige Klassiker wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ genauso wie für seine herzerweichende Interpretation des melancholischen Titels  „Bei Dir war es immer so schön“ oder moderne Stücke wie „Küssen kann man nicht allein“. Zusammengehalten und bereichert wurde das musikalische Progamm durch Max Raabes Conferencen. Dabei ging es um nichts weniger als die großen Fragen des Lebens. Er erläuterte, was die Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern mit der Mülltrennung zu tun hat, er philosophierte über das Liebesleben der Rotrückenspinne und stellte fest: „Wenn hochfliegende Gefühle am Boden liegen, liegt es nicht an der Schwerkraft.“ Und er tat dies auf seine unnachahmliche Weise. Mit leicht nasaler Stimme, sparsamer Gestik und einer in seinem Fall ausgesprochen sympathischen, weil selbstironischen Blasiertheit. „Der perfekte Moment… wird heut verpennt“ singt Max Raabe auf seinem neuesten Album. Den Gefallen taten ihm seine Fans in Cottbus nicht. Denn es gab viele perfekte Momente bei dem Konzert am Donnerstagabend. Und das Publikum – hellwach – genoss sie in vollen Zügen und ließ die Musiker erst nach tosendem Applaus und einer zweiten Zugabe von der Bühne.