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| 16:48 Uhr

Musikpreis 2018
Massenrückgabe der Echo-Auszeichnungen

Berlin / Düsseldorf. Der Musikpreis Echo steht unter Druck. Immer mehr Preisträger geben ihre Auszeichnungen zurück.

Der Musikpreis Echo steht unter Druck. Immer mehr Preisträger geben ihre Auszeichnungen zurück.

Die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang sorgt weiter für Diskussionen. Nach der Empörung über die Auszeichnung der Düsseldorfer Rapper hat der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, seinen Rücktritt aus dem Beirat des Musikpreises angekündigt. Unter den bestehenden Rahmenbedingungen werde er nicht weiter in dem Gremium mitarbeiten, erklärte Höppner. Zugleich kündigte er an, dass sich der Kulturrat künftig schwerpunktmäßig mit den Grenzen der Kunstfreiheit befassen werde. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, die Kunstfreiheit sei überschritten, wo Holocaust-Opfer verhöhnt würden.

Kollegah und Farid Bang waren in der vergangenen Woche beim Musikpreis Echo für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. In ihrem aktuellen Album findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815": "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen".

Der Beirat hatte vor der Preisvergabe die Textzeilen der Rapper kritisiert, aber gegen einen Ausschluss von der Preisverleihung votiert. Kulturratspräsident Höppner erklärte, der Beirat habe sich in Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Nichtzulassung zugunsten der Kunstfreiheit durchgerungen: "Diese Entscheidung war ein Fehler." Unzweifelhaft stünden die Mitglieder des Beirats ohne Wenn und Aber gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt. Doch seien die derzeitigen Regeln zur Preisvergabe "gesellschaftlich nicht mehr tragbar". Auch Kulturstaatsministerin Grütters äußerte scharfe Kritik: "Dass Songs mit Texten, die menschenverachtende und herabwürdigende Passagen enthalten, von der Musikindustrie ausgezeichnet werden, offenbart die Fragwürdigkeit eines Preises, der nur auf Erfolg an der Kasse setzt", erklärte sie und betonte, zwar sei in Deutschland die Kunstfreiheit garantiert, "aber sie hat ihre Grenzen da überschritten, wo Holocaust-Opfer verhöhnt werden".

Als Reaktion auf die umstrittene Preisverleihung wollen mehrere Musiker ihre Auszeichnungen nicht mehr behalten: Marius Müller-Westernhagen kündigte an, alle seine Echos zurückzugeben. Zuvor hatten dies bereits das Notos Quartett, der Beatles-Wegbegleiter Klaus Voormann, der Pianist Igor Levit, der Dirigent Enoch zu Guttenberg und der Violinist Andreas Reiner angekündigt. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen des Echos zum Rücktritt auf.

Der Medienpsychologe Jo Groebel sagte, die nachvollziehbaren kritischen Reaktionen sorgten unfreiwillig noch für eine Steigerung des Ruhms der Rapper. "Ihr Kalkül sind der Skandal und der Schock", sagte Groebel der "Heilbronner Stimme". Die Debatte müsse dennoch geführt werden, denn es gebe Hunderttausende Fans, die von der Musik und den Texten angesprochen würden.

Für den Echo nominiert werden je Kategorie die Musiker, die in den deutschen Charts auf den fünf besten Rängen platziert sind. Landet ein Album auf dem Index für jugendgefährdende Medien, fällt es von der Liste.

(DPA)