Gestern trat er mit seiner Gruppe Megapolis - auf Einladung von Radio Russkij Berlin, wo praktisch jeden Tag irgendein Titel der 1987 gegründeten Indierockband läuft - in Berlin auf. Heute spielt er in Dresden. Bandleader Oleg Nesterow ist ein Mulitalent und umtriebig dazu. Zu Hause in Moskau betreibt er mehrere Label. Auf dem einen verbreitet er russische elektronische Musik und auf dem anderen kauzige Chansons. Im letzten Jahr hat er noch ein viertes Label für Alternativepop gegründet. Insgesamt erschienen auf Olegs kleinem Labelnetzwerk bisher rund 120 Alben. Nebenbei schreibt der gelernte Elektronikingenieur noch eine Musikkolumne in der russischen "Newsweek"-Ausgabe, betätigt sich als Gastdozent für Musikmanagement und obendrein als Aushilfs-DJ. Als wäre das nicht genug, schreibt er jetzt auch noch an einem Krimi, der während der Nazizeit in Berlin spielt. Dafür kann er bei seinem Berlin-Besuch gleich noch ein wenig recherchieren und außerdem ist ja Popkomm, wo sich der Geschäftsmann Oleg auch noch umgucken will. Nesterow, der in der Sowjetunion eine Deutsch-Schule besuchte, hat eine besondere Affinität zu Deutschland, was sich auch in seinem Lied "Karl-Marx-Stadt" ausdrückt. Es beruht auf dem alten sowjetischen Schlager "Landeschi" (zu deutsch "Maiglöckchen"), den Nesterow in den Neunzigern in den Song "Karl-Marx-Stadt" umdichtete. Die Stadt war ihm von einem DDR-Besuch im Gedächtnis geblieben. In Russland war der Titel ein großer Erfolg. Auch das zugehörige Video kam gut an, nicht nur beim russischen Publikum, sondern auch international erregte es Aufsehen. In den USA wurde es von einem Kabelmusiksender als bestes Video ausgezeichnet, während es hierzulande bei Viva 2 in Rotation lief. Weil das sowjetische "Maiglöckchen"-Lied jetzt 50 Jahre alt wurde, hat Oleg Nesterow gerade ein neues Video gedreht. Nicht etwa in Chemnitz, das Animationsfilmchen spielt in London, Paris, Jamaika, Mexiko. Aber immerhin ist Karl Marx auch dabei.