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Marienvesper mit Echo und Zink

Der Kammerchor der Singakademie Cottbus unter Leitung von Christian Möbius.
Der Kammerchor der Singakademie Cottbus unter Leitung von Christian Möbius. FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Neben seiner Oper "L'Orpheo", wohl die erste ihrer Gattung überhaupt, ist die 1610 veröffentlichte Marienvesper eins der bekanntesten Werke des italienischen Komponisten Claudio Monteverdi. Renate Marschall

Am 3. Oktober um 19 Uhr erklingt es unter Leitung von Christian Möbius im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus. Solisten des Staatstheaters, der Kammerchor der Singakademie und das Bach Consort werden das in seiner musikalischen Vielfalt beeindruckende Werk anlässlich des 450. Geburtstages des Komponisten in diesem Jahr aufführen.

Die Marienvesper sei eins der meistgespielten Werke des frühen 17. Jahrhunderts, so Chorleiter Christian Möbius. Revolutionär zu seiner Zeit, stecke es voller Neuerungen und Rätsel. "In der Marienvesper verknüpft Monteverdi erstmals den alten Motettenstil mit der bewegten Musik der Oper. Er verband Vokal- und Instrumentalstücke, geistliche und weltliche Musik, Entrückung, Besinnung und musikalische Entspannung." Monteverdi selbst schreibt, es könne in der Kirche oder aber auch am Hofe zur Unterhaltung aufgeführt werden. Was Wunder, die kurz zuvor komponierte Oper färbt ab, am Ende zitiert er sie sogar.

Überraschend ist, dass der 1567 geborene Monteverdi, damals in Italien einer der bekanntesten Musiker, mit der Marienvesper seine erste kirchenmusikalische Komposition schuf. Zu vermuten steht, so Christian Möbius, dass zwei kurz aufeinander folgende Schicksalsschläge ihn zur Neuorientierung bewegten: Im September 1607 starb seine Frau, er blieb mit zwei Söhnen allein. Kurz darauf sein Mündel, die Eurydike-Sängerin seiner Opernuraufführung. Zudem fühlte sich Monteverdi am Hofe Gonzaga in Mantua nicht wohl. Der Herzog war ein Knauser und der Komponist empfand sich zunehmend in seiner Arbeit eingeschränkt. "Er hatte so was wie einen Burnout, flüchtete sich zu seinem Vater und wollte eigentlich nicht nach Mantua zurück", erzählt Christian Möbius. Die Marienvesper war für ihn so etwas wie ein Befreiungsschlag. Vermutet wird, dass er sich, sein ganzes kompositorisches Können in einem Werk zeigend, bei Papst Paul V. empfehlen wollte und auf eine Anstellung in Rom spekulierte. Vergebens. Erst nach dem Tod des Herzogs konnte er 1613 Mantua verlassen, erhielt die renommierte Stelle des Kapellmeisters am Markusdom in Venedig. Mit Monteverdi wurde er zu einem Zentrum europäischer Musik.

Vielleicht aber ging es ihm gar nicht so um sie Stelle in Rom, sondern eher um die Erneuerung der Vespermusik. Dabei hält er sich in der Anlage an die Vorschriften der Kirche, erklärt Möbius. "Dem einleitenden Invitatorium folgen fünf Psalmen, ein Hymnus und ein Magnificat." In der Cottbuser Aufführung verbinden gregorianische Choräle die einzelnen Psalmen. "Wir haben dazu extra eine Choralschola mit vier Herren des Chores gegründet. Sie werden aus dem Kuppelfoyer singen. Außerdem nutzen wir die Möglichkeiten des Großen Hauses dafür, die von Monteverdi beschriebenen Echo-Effekte auch herzustellen." Instrumente begleiten das Chorwerk, was der Komponist nicht zwingend vorschreibt. Es gibt auch eine Variante nur mit Generalbass.

Das Bach Consort, das mit alten Instrumenten für den richtigen Sound sorgt, hat Besonderes zu bieten: drei Zinken, oder etwas eleganter Cornetti, und zwei Chitarrone, verrät Christian Möbius, der zugleich mit Roland Wilson einen großen Könner am Zink avisiert. "Er ist der Güttler unter den Zink-Virtuosen." An den beiden anderen Instrumenten sind Anna Schall und Thomas Friedländer zu erleben. Dazu gibt es einen reich besetzten Generalbass.

Die Solopartien übernehmen Debra Stanley, Jenny Bleidorn, Meike Funken, Matthias Bleidorn, Dirk Kleinke, Jaroslaw Mielniczuk, Pawel Piekut und Ingo Witzke.

Die für ihn schönste Stelle, verrät Christian Möbius, sei das Terzett für Tenöre, die sich ein "Heilig ist Gott der Herr" aus drei Himmelsrichtungen zurufen.

Karten: für 20 bis 38 Euro (ermäßigt 15 bis 27 Euro) sind erhältlich im Besucherservice, an der Abendkasse sowie online im Internet unter

www.staatstheater-cottbus.de , Ticket-Telefon 0355 7824 24 24

Zum Thema:
Zink oder Cornetto: Ist aus Holz, selten Elfenbein, hat den Namen wohl von seiner gebogenen Form, wird im Prinzip wie eine Trompete geblasen. Wie bei ihr wird der Ton in einem Kesselmundstück mit den Lippen erzeugt, weshalb der Zink zu den Blechblasinstrumenten zählt. Er hatte seine Blütezeit im 17. Jahrhundert.Chitarrone: Gehört zur Familie der Lauteninstrumente, ihr Kennzeichen ist der lange Hals mit einem zweiten Wirbelkasten. Mit den verlängerten Darmsaiten konnten tiefere Töne erzeugt werden, wie das die Musik ab dem 16. Jahrhundert erforderte. Invitatorium: Eröffnet das Stundengebet eines Tages - quasi eine Einladung zum Gebet.