Als erster Beitrag im Hauptwettbewerb Spielfilm läuft heute um 14.30 Uhr in der Stadthalle Cottbus "Der Ankläger, der Verteidiger, der Vater und sein Sohn" von Iglika Triffonova aus Bulgarien. Internationaler Strafgerichtshof in Den Haag, Milorad Krstic wird wegen Kriegsverbrechen während der Jugoslawienkriege angeklagt. Der junge Zeuge Dejan soll die Anklage der ehrgeizigen Catherine stützen. Verteidiger Mikhal zweifelt an Dejans Glaubwürdigkeit und reist nach Bosnien, um dessen Familie zu finden. Die Regisseurin hat sich von einer wahren Geschichte inspirieren lassen und hält sich mit Bewertungen zurück. Der Zuschauer darf ratlos bleiben.

Das gilt auch für den slowenischen, fast kammerspielartigen Film "Nightlife", der den heutigen Tag ab 22 Uhr in der Stadthalle abschließt. Milan und Lea gehören zur Oberschicht Sloweniens. Der erfolgreiche Strafverteidiger vertritt zwielichtige Geschäftsleute. Eines Abends wird er halbnackt und schwer verletzt auf einer Straße gefunden. Lea entdeckt kompromittierende Beweismittel und versucht, ihren Mann zu schützen . . . Darf sie das?

Wer's lieber exzentrischer mag, kann sich um 19 Uhr in der Stadthalle "The last Family" von Jan P. Matuszyñski (Polen) anschauen. Hier wird über drei Jahrzehnte die Familie des polnischen Malers Zdzisaw Beksiñski porträtiert. Der Maler ist ein Original, ist erfolgreich. Ebenso der Sohn, aber der ist auch permanent suizidgefährdet. Dazwischen die Mutter, die unermüdlich versucht, auszugleichen. Wie war das noch? Das Wort "Familienbande" hat einen Beigeschmack von Wahrheit (Karl Kraus)?

Und schließlich "Houston, wir haben ein Problem!" in der Regie von iga Virc, übrigens eine Koproduktion von Slowenien, Kroatien, Deutschland und Katar. Katar, siehe an! Das Emirat taucht auch als Koproduktionsland eines weiteren Wettbewerbsbeitrags, "Hunde", auf, interessante Entwicklung.

Der "Houston"-Film jedenfalls, der um 17 Uhr in der Stadthalle läuft, ist eine richtig schräge Maßnahme: Jugoslawien unter Tito verkauft sein geheimes Raumfahrtprogramm an die Amis. Dann merken die, dass das nicht ausgereift ist und zwangsrekrutieren jugoslawische Mitarbeiter des Programms . . . Dichtung? Wahrheit? Es wird jedenfalls viel mit Archivmaterial gearbeitet . . . Sehr amüsant!

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