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| 13:51 Uhr

Ausstellung im Landeskunstmuseum
Frech-frivoles und Abgründiges

Ronald Paris, 1984, Lear, Gouache
Ronald Paris, 1984, Lear, Gouache FOTO: Wolfgang Lücke
Cottbus. Malerei und Grafik von Ronald Paris zu Shakespeare im Cottbuser Dieselkraftwerk zu sehen Von Renate Marschall

In dieser feinen, kleinen Ausstellung des Brandenburgischen Landesmuseums für moderne Kunst (BLmK) kommen die Freunde meisterhafter Malerei, des Theaters und der Literatur gleichermaßen auf ihre Kosten. „Ro­nald Paris. Shakespeare Sonette“, so der Titel. 154 solcher Gedichte hat Shakespeare geschrieben. Ulrike Kremeier, Direktorin des Kunstmuseums, bekennt, ein Fan davon zu sein, was vielleicht diese Ausstellung befördert hat. Freuen können wir uns nun alle an diesen intelligenten Kommentaren des Altmeisters der Malerei in der DDR. Es sind auch nicht nur Malerei und Grafik zu den Shakespeare-Sonetten zu sehen. Bekannter sind wohl auch die Stücke des großen Engländers und die vielen geflügelten Worte daraus.

Besonders ausdrucksvoll sind Paris‘ Arbeiten zu „König Lear“, die wesentlich aus den 80er-Jahren stammen. Er findet starke Bilder für den Niedergang eines Königshauses, von Machtgier zerstört. Lear hat drei Töchter. Durch einen Liebesbeweis will er herausfinden, welcher er den größten Teil der Schätze zukommen lässt. Während zwei den Vater beredsam zu umgarnen wissen und reichlich dafür entlohnt werden, kann Cordelia, die Jüngste, ihre Liebe nicht in Worte fassen. Neben Lear wird sie in den gezeigten Arbeiten zur zentralen Figur.

Ronald Paris ist kein Illustrator. Zwar bleibt er durchaus am Text, die meisten Figuren sind identifizierbar, für den Maler aber ist das Stück Ausgangspunkt für eigene Assoziationen. Und dieses Spiel um Macht, das immer wieder neue Könige kennt und in menschliche Abgründe führt, bietet dafür reichlich Anknüpfungen. Paris zeigt die drei Töchter mit schrillen Punk-Frisuren, den Hofstaat als morbide Gesellschaft, frivolem Lustgewinn hingegeben, den Klerus besoffen. Keine moralische Instanz. Allein der Narr schaut wissend auf das Treiben, das in den Wahnsinn, ins Verderben führt. Am Boden liegen Masken, Verweis sowohl auf das Theater, zu dem Paris eine innige Beziehung hat, wie auf Figuren, die sie fallen gelassen haben. Die Vanitasfigur, Symbol der Vergänglichkeit, ist in ziemlich allen Bildern zu finden, verweist auf die Sinnlosigkeit dieses Strebens nach Macht, das sich wie in einem ewigen Kreislauf stets erneuert und doch nichts Gutes hervorbringt.

Paris war immer ein streitbarer Geist. Nicht vordergründig, wie Ulrike Kremeier sagt, sondern eher subtil wie in den Lear-Bildern. Ein Künstler mit eigenem Kopf, der den großen und großartigen Ernst Busch als müden alten Mann darstellte.

Neben den Gouachen sind die Grafiken des 1933 in Sondershausen geborenen Malers, dessen Vater übrigens Theaterschauspieler war, besonders beachtenswert. Sie zeigen, wie sich selbst der Meister stilistisch immer wieder erprobt. Sie sind emotional fast noch eindringlicher als die farbigen Bilder. Wie er allein mit dem Grafitstift Spannung schafft, den Figuren Charakter verleiht, ist beeindruckend.

Ganz wunderbare, mitunter frech-frivole Kommentare des Malers sind auch in den der Ausstellung den Titel gebenden Darstellungen zu den Sonetten. Von übersetzten Sprachrhythmen in Bildrhythmen spricht Ulrike Kremeier. In allen Facetten hat Shakespeare die Liebe, diese Urkraft menschlicher Existenz, beschrieben. Angst um Liebesverlust, Eifersucht, Liebeswahn und Liebeslust - nichts lässt er aus, auch nicht homoerotische Beziehungen, was zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine reine Provokation war. Aber den Stachel zu löcken war ja zu allen Zeiten ein Privileg der Kunst.

Ausstellung bis 11. Februar, BLmK, Cottbus, Uferstraße/Am Amtsteich, Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr