Mit liebenswertem Gesicht, großer Brille und Ohrenklappen-Mütze turnt Peter Princz über die Bühne des Cottbuser Theaters am Bonnaskenplatz. Er ist Fred Wilkins, der nette Neffe vom weihnachtshassenden Spielwarenhändler Ebenezer Scrooge, der seinen verschrobenen reichen Onkel trotzdem liebt und ihn zum Fest der Feste einladen will. Doch nicht nur Fred mimt Peter Princz in dem farbenfrohen Weihnachtsspektakel von Charles Dickens - der 36-jährige Schauspieler hat gleich vier Rollen inne.
Darunter auch Freds Vater Dick, den Jugendfreund von Scrooge, der mit ausgestopfter Hose und Schiebermütze eine Spielzeugeisenbahn repariert. Und einen der schwarzverhüllten Plünderer, die das Gold von Scrooge nach dessen imaginärem Tod wegschleppen. Schließlich ist Peter Princz auch noch derjenige, der das Double von Marley, dem verstorbenen Spielwarenhändler, in der alten Standuhr erscheinen lässt.
"Mehrere Rollen in einem Stück zu spielen ist eine Herausforderung, aber auch ein Geschenk", meint Peter Princz. "Man kann zeigen, was man drauf hat. Gerade Vater und Sohn zu spielen, die sich doch recht ähnlich sind, ist etwas Besonderes." Und vor Kindern aufzutreten, mache ihm sowieso ungeheuren Spaß. An ihnen könne man immer sofort erkennen, wie eine Szene ankommt. "Sie springen spontan auf, wenn ihnen etwas gefällt, applaudieren oder rufen."

Spätes Erwachen der Schauspiellust
Das Interesse an Kindern kommt bei dem gebürtigen Riesaer nicht von ungefähr, absolvierte er vor seinem Schauspielstudium doch eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher. Und erst da war in ihm die Liebe zur Schauspielerei gewachsen - nach der Schule hatte Peter Princz nämlich erstmal den Beruf eines Instandhaltungsmechanikers, umgangssprachlich Schlossers, gelernt. Und schnell gemerkt, dass das nicht das Richtige für ihn sei. "Doch um ohne Abitur an einer Fachschule zu studieren, gab es nur zwei Möglichkeiten: Heimerzieher oder Klubhausleiter", erzählt Peter Princz spitzbübisch. Er entschied sich für ersteres - und kam in Theaterpädagogik-Seminaren erstmals mit der spielenden Zunft in Kontakt. In seinem Anerkennungsjahr in einem Berliner Schülerladen arbeitete er in zwei Theatergruppen.
Und entschied sich da für ein Schauspielstudium in Leipzig. "Es machte mir Spaß zu spielen, es fühlte sich richtig an", so Peter Princz. Das wirkte sich auch aus: Bereits während seiner praktischen Ausbildung am Weimarer Theater bekam er einen Vertrag für ein festes Engagement am Staatstheater Kassel.
Nach zwei Jahren und einem Gastvertrag am Theater der Jugend Wien arbeitete er schließlich freiberuflich weiter, hatte sogar Auftritte in den Shows im Legoland, unter anderem als Johnny Thunder oder Jack Stone. "Das war künstlerisch nicht sehr anspruchsvoll, aber hochakrobatisch und ein gutes Training", so Princz. Es folgten zwei Jahre am carrousel-Theater Berlin, ehe Peter Princz wieder freier Schauspieler war - und das eigentlich auch bleiben wollte. Er hatte inzwischen in diversen Produktionen, angefangen von Schillers "Räubern" über "Der kleine Muck" bis zu "Nathan der Weise" gespielt.
Bis ihn der Ruf aus Cottbus von Ulrich Blöcher ereilte, den er am carrousel-Theater kennengelernt hatte. "Er brauchte jemanden, der für ihn in der ,Weihnachtsgeschichte' einspringt", sagt Peter Princz, der zu der Zeit auch gerade nach einem Märchen suchte. Und da in dem Cottbuser Stück auch noch sein Regiekollege Mario Holetzeck Regie führte, sprach er in der Lausitz vor und wurde vom Fleck weg engagiert.

Einstieg bei „Ladies Night“
"Cottbus kannte ich bis dahin nur von einem Udo-Lindenberg-Konzert und von einer Fallschirmspringer-Ausbildung in Neuhausen." Er begann jedoch nicht mit den Vorbereitungen für die "Weihnachtsgeschichte", sondern früher - denn Schauspieler Sebastian Reusse fiel verletzungsbedingt zwei Wochen vor der Premiere von "Ladies Night" aus. Peter Princz sprang ein und begeistert seitdem als Wesley das fast immer ausverkaufte, vorrangig weibliche Publikum. Auch im "Kaufmann von Venedig" half er aus und trat dort als sein "Namensvetter", als Prinz von Marokko, und Wärter auf.
Inzwischen haben auch schon die Proben für das Mehrspartenprojekt "Cabaret" begonnen, das am 19. Januar 2007 am Cottbuser Staatstheater Premiere haben wird und in dem Peter Princz den Nazi Ernst Ludwig spielt. Welche Rolle es in "Romeo und Julia" sein wird, weiß er noch nicht. Bereits klar ist jedoch, dass er in der Posse "Pension Schöller" eine größere Rolle spielen wird. Auch in der "Dreigroschenoper" ist er dabei.
Derzeit nimmt ihn jedoch die Weihnachtsgeschichte, die fast täglich auf dem Spielplan steht, völlig in Anspruch. Und er ist voller Freude dabei: "Denn die liebste Rolle ist für mich sowieso immer die aktuelle - auch kleine Rollen können toll sein." Und davon hat er ja in Dickens' Stück genug. Für das er allerdings ob des Titels auch an den Weihnachtsfeiertagen arbeiten muss. Doch um darüber traurig zu sein, liebt er Märchen viel zu sehr.

ServiceService Die „Weihnachtsgeschichte“ am StaatstheaterVorstellungen der Weihnachtsgeschichte
  Wer Interesse hat, sich die „Weihnachtsgeschichte - A Christmas Carol“ von Charles Dickens am Cottbuser Staatstheater anzusehen, kann sich Karten für die Zusatzvorstellung am Freitag, dem 22. Dezember, um 19.30 Uhr sichern.
Aufführungsort ist die Ausweichspielstätte des Großen Hauses, das Theater am Bonnaskenplatz in Cottbus. Karten-Telefon: 01803/440344heute und morgen jeweils 10 Uhr
Freitag, 21. Dezember, 11 Uhr und 19.30 Uhr
Montag, 25. Dezember, 11 Uhr und 18 Uhr
Dienstag, 26. Dezember, 11 Uhr
Aufführungsort ist jeweils das Theater am Bonnaskenplatz in Cottbus. Karten-Telefon 01803/440344