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Luther 1517: Beeindruckendes 360° Panorama in Wittenberg eröffnet

Yadegar Asisi
Yadegar Asisi FOTO: Sven Gückel (LR-COS-REM-319)
Wittenberg. Wie sah sie aus, die Welt um 1517? Einen kleinen Eindruck davon vermittelt ein 360° Panorama, das am Freitag in Lutherstadt Wittenberg eröffnet wurde. Geschaffen hat es der Künstler Yadegar Asisi. svg1

Es war nicht mehr und nicht weniger als der Startschuss für das anstehende Finale. Intensiv bereiten sich die Evangelische Kirche Deutschland und die Stadt Wittenberg auf das Reformationsjubiläum 2017 vor. Zahlreiche Projekte wird es hierbei geben, unter anderem eine Weltausstellung. Im Mai treffen sich zudem die Teilnehmer des deutschen Kirchentages zum Abschlussgottesdienst auf den Elbwiesen vor Wittenberg. Den Auftakt zu diesem Reformationsfest bildete gestern die Eröffnung des 360° Panorama "Luther 1517”. Der in Berlin lebende Künstler Yadegar Asisi ist weltweit der einzige, der derartige Panoramen auf Leinwand bringt. Zu sehen waren neben anderen bereits Darstellungen des barocken Dresden, des Himalaja, Rom 312, Leipzig 1813 oder Amazonien. In drei Monaten soll in Leipzig das Projekt "Titanic - die Versprechen der Moderne” der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Drei Jahre Arbeit investierte Asisi in Vorbereitung und Umsetzung seines Wittenberger Projektes. Ebenso lange dauerte es, die örtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. "Es war ein schwieriger Weg, den wir beschreiten mussten, aber es hat sich gelohnt”, zog Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) ein erstes Resümee. Lutherisch mutig sei man das Vorhaben angegangen. Widerstände erfuhr das rein kommunale Vorhaben reichlich. Auch von Seiten der Kirche schlug anfangs überwiegend Skepsis entgegen. Letztlich habe sich aber gezeigt, so Zugehör, dass es sich lohnt, gewagte Ideen in die Tat umzusetzen.

Einen Anspruch auf Vollständigkeit und geschichtliche Perfektion hegt Asisi nicht. "Wenn ich solche Projekte angehe, dann habe ich Bilder im Kopf, die nicht zwingend mit der Realität übereinstimmen müssen. Darauf kommt es auch gar nicht an. Entscheidender ist die Botschaft, die vermittelt wird”, betonte er. Aus diesem Grund gibt es auch keinen Martin Luther zu sehen, der Thesen an die Tür anschlägt. "Was er tat, war ein banaler Vorgang. Aber genau diese Banalität spaltete die Welt in zwei Hälften und hob sie aus den Angeln”, so Asisi. Auch dass Luther als Mensch heute nicht unumstritten ist, ficht Asisi nicht an. "Genau das kennzeichnet doch einen Menschen - er macht auch Fehler”, sagt er.

Knapp 4,5 Millionen Euro kostete das komplette Vorhaben, von der Planung bis zur Umsetzung. Geteilt haben sich die Kosten städtische und kirchliche Partner. Dargestellt wird ein 15x75 Meter großes Bild, auf dem das Leben und Treiben der Menschen zwischen Schlosskirche, Stadttor, Propstei und der Stadtkirche zu sehen ist. Luther selbst wird mehrfach in verschiedenen Lebenssituationen und Lebensaltern abgebildet. Darüber hinaus lassen sich dessen Zeitgenossen Friedrich der Weise, Philipp Melanchthon, Lucas Cranach, Katharina von Bora, Thomas Münzer und andere entdecken.

"Für mich ist das Bedeutende am Erbe Luthers seine Forderung nach Selbstbestimmung, Das ist noch immer hoch aktuell und ein Wunsch, den wir alle in uns spüren”, verdeutlicht Asisi. Mit seinem Bild möchte er aber auch auf die Bedeutung der Kunst verweisen. "Wir alle wollen und müssen satt werden. Das ist wichtig. Aber auch der Geist hat Anspruch auf Nahrung, will bewegt und angeregt werden”, ergänzt er.

Prof. Margot Käßmann, die Schirmherrin des Projektes und Sonderbotschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjahr 2017 zeigte sich von Asisis Arbeit beeindruckt. Es ist zweifelsfrei ein zentraler Höhepunkt der Weltausstellung Reformation. Yadegar Asisis Arbeit zeigt eine besondere, einfühlsame Darstellung der Welt von 1517 und nimmt seine Betrachter mitten ins Geschehen mit hinein”, urteilt sie.

Weitere Informationen
Fünf Jahre wird das Panorama von Asisi in Wittenberg zu sehen sein. Geöffnet ist es täglich von 10 bis 18 Uhr. Informationen zu den Eintrittspreisen und anderem finden sich unter www.asisi.de oder www.lutherstadt-wittenberg.de .